Lenninger Tal

Das Lenninger Tal atmet auf

Bauprojekt Der Albvorlandtunnel zwischen Kirchheim und Wendlingen ist gegraben. Seitdem fahren weniger Lkw auf der B 465 zu den Steinbrüchen. Fraglich ist, wie lange es so ruhig bleibt. Von Anke Kirsammer

Nach wie vor rollen Muldenkipper durchs Lenninger Tal. Es sind aber deutlich weniger als während des Tunnelbaus. Foto: Carsten R
Nach wie vor rollen Muldenkipper durchs Lenninger Tal. Es sind aber deutlich weniger als während des Tunnelbaus. Foto: Carsten Riedl

Lkw-Lärm sind die Bürger im Lenninger Tal gewohnt. Tag für Tag werden die Steinbrüche an den Albaufstiegen oder auf der Hochfläche zigfach angefahren. Doch was die Anwohner in den vergangenen beiden Jahren zu ertragen hatten, stellte alles in den Schatten: Im Schnitt waren täglich 500 Muldenkipper unterwegs, die in den zwei Jahren 1,7 Millionen Tonnen Erdaushub abtransportierten. Zum schon früh morgens beginnenden Krach kam Dreck auf den Durchgangsstraßen, Gehwegen und in den Vorgärten hinzu. Weil es in Erkenbrechtsweiler besonders eng herging, schützte die Gemeinde die Fußgänger mit Pollern.

Merklich ruhiger ist es, seitdem die knapp acht Kilometer langen Röhren des Albvorlandtunnels gegraben sind. Die Tunnelvortriebsmaschine Sibylle hatte sich schon Mitte August bis nach Wendlingen „durchgefressen“. Von da an schickte die Bahn pro Tag 250 Lkw weniger durchs Lenninger Tal als vorher. Am 25. Oktober war auch der Durchbruch der zweiten Röhre geschafft. Vier Wochen lang wurde noch Ausbruchmaterial über die B 465 gekarrt. Damit ist laut einem Bahnsprecher seit 20. November Schluss. Weil die beiden Röhren alle 500 Meter mit Rettungsstollen verbunden werden, fällt aber noch weiterer Aushub an. „Den bauen wir größtenteils in den Seitenablagerungen entlang der Bahnstrecke und der Autobahn ein“, so der Sprecher. Die Wälle dienen dem Lärmschutz. Der Transport erfolge direkt über die Autobahn.

Für Verwunderung sorgt deshalb, dass vereinzelt noch Lkw durchs Lenninger Tal rollen, bei denen „Los 2“ hinter der Windschutzscheibe klemmt. Gekennzeichnet werden damit Fahrten für den Abschnitt zwischen Kirchheim und Wendlingen. „Die Fahrer sind angewiesen, das Schild nur anzubringen, wenn der Lkw tatsächlich in unserem Auftrag untewegs ist“, betont der Sprecher. Nicht auszuschließen ist, dass das ein oder andere Täfelchen stecken bleibt, auch wenn der Laster am Tag vielleicht nur eine Tour für die Bahn macht, dann aber für andere Auftraggeber auf die Strecke geht.

Wie der Bahnsprecher weiter erklärt, finden im Lenninger Tal derzeit Transporte aus dem Bau der Schnellbahntrasse zwischen Wendlingen und dem Flughafen statt. Weil der Erdaushub anders als beim Tunnelvortrieb nicht kontinuierlich anfällt, gibt es an etwa vier Tagen pro Monat jeweils lediglich 20 bis 40 Fahrten. „Sie sollten ungefähr in einem Jahr abgeschlossen sein“, sagt der Sprecher voraus.

Ob die Ruhe von längerer Dauer sein wird, ist im Moment allerdings nicht zu sagen: Im kommenden Jahr startet die Anbindung der Neubautrasse an den Flughafen. Erstellt werden dort eine Ausfädelungsstrecke mit einem Tunnel und ein unterirdischer Bahnhof. „Wohin der Aushub abtransportiert wird, steht noch nicht fest“, so der Sprecher. Das hänge auch von der Materialzusammensetzung ab. Die Aufträge seien gerade erst an die Baufirmen vergeben worden.

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