Lenninger Tal

Das Oberlenninger Schlössle hält Hof

Jubiläum Seit 25 Jahren präsentiert sich der Renaissance-Fachwerkbau schmuck herausgeputzt. Zur Feier kamen viele Wegbegleiter. Von Anke Kirsammer

Hübsch, aber teuer: Das Lenninger Schlössle mit frischem Anstrich.
Hübsch, aber teuer: Das Lenninger Schlössle mit frischem Anstrich.

Majestätisch thront das Schlössle über der Oberlenninger Ortsmitte. Kunstinteressierte finden regelmäßig ebenso den Weg in das von Fachwerk gestützte Gemäuer wie leidenschaftliche Bücherwürmer. Das Konzept ist aufgegangen, das sich die Verantwortlichen in den 1980er Jahren für das Kleinod aus dem 16. Jahrhundert ausgedacht hatten. In einer Feier, zu der die Gemeinde Lenningen, die Bücherei und der Förderkreis eingeladen hatten, wurde nun das silberne Jubiläum begangen. Unter den Gästen waren viele, die mit dem Schlössle eng verbunden sind, darunter die ehemaligen Vorsitzenden des Förderkreises, Helmut Köble und Wolfgang Guse, sowie Altbürgermeister Gerhard Schneider, unter dessen Ägide die Sanierung vor über 25 Jahren über die Bühne gegangen war.

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In ihrer Begrüßung richtete die Vorsitzende des Förderkreises, Elisabeth Vogt, den Blick auf die unzähligen Lesungen und Ausstellungen, die seit der Einweihung des Schlössles 1992 in den Räumen der Bücherei beziehungsweise des Museums für Papier- und Buchkunst viele Besucher angezogen hatten. Die Atmosphäre in dem Gebäude passe wunderbar zur Kunst. „Egal ob klassisch oder modern - es ist merkwürdig, hier sieht alles gut aus.“ Doch der Fachwerkbau, der 1593 bis 1596 errichtet worden war, liefert nicht nur den Rahmen für Kunst. Ohne Musik wären viele Vernissagen nicht denkbar, und einmal im Jahr findet bei gutem Wetter vor dem Eingang die Schlössles-Serenade statt. In Sonntagsmatineen kommen Menschen aus Lenningen zu Wort. Die Vorsitzende erinnerte an Buchprojekte wie das zum Gutenberger Pfarrer und Höhlenforscher Gussmann und kündigte eine in zwei Wochen beginnende Ausstellung über den Dorffotografen Johannes Bozler und seinen Sohn Karl an.

Weil Erika Hillegaart, die vor einem Jahr verstorben ist, federführend an der Ausstellung mitgewirkt hatte, wird die Schau zu ihrem Andenken gemacht. Hervorgehoben wurden auch Edeltraud Casts Verdienste um das Schlössle. Zehn Jahre bevor das renovierte Gebäude eingeweiht wurde, hatte sie einen Freundeskreis gegründet, der später im Förderkreis mündete. Elisabeth Vogt spannte von der ersten Vorsitzenden den Bogen zu heute und meinte: „Wir haben sehr viele Aktivitäten auf die Beine gestellt. Ein bisschen zufrieden sein dürfen wir schon.“

Heute hat das Schlössle nur noch Freunde, habe sein Amtsvorgänger einmal gesagt, so Rathauschef Michael Schlecht. „Abbrennen sollte man es und den Gemeinderat samt Bürgermeister reinschicken“, hatte es im Ort geheißen. Entsprechend heiß her gegangen war es in dem Gremium, bevor es 1983 entschied, der Papierfabrik Scheufelen das Gebäude abzukaufen. „Sind wir zufrieden, wie wir‘s haben“, sagte Schlecht mit Blick auf die eingeschränkten Möglichkeiten durch die Statik. Dass mehr Künstler auftreten möchten, als realisierbar, ist für ihn ein Beweis für die Einzigartigkeit des Schlössles. Oft werde das Museum für Papier- und Buchkunst unterschätzt. „Aber jeder, der da war, sagt, ihr müsst öfter aufmachen.“ Die Gemeinde stehe hinter dem Kleinod, so Schlecht. Die Arbeit darin werde nicht von Schlossgeistern geleistet, sondern von ehrenamtlich beziehungsweise hauptberuflich Engagierten.

Für Dr. Ulrich Scheufelen ist das Schlössle neben der Martinskirche das zweite historische Gebäude in Oberlenningen. Die Idee, im zweiten Stock ein Museum für Papier- und Buchkunst einzurichten, war geboren worden, nachdem das Denkmalamt anderen Vorschlägen wie einer Nutzung durch den örtlichen Sportverein eine Absage erteilt hatte. Die Papierfabrik sorgte für den Inhalt des Museums. Als das Unternehmen Insolvenz anmeldete, erwarb der Förderkreis die Exponate, darunter Werke von bekannten Künstlern wie Wolf Vostell, und stellte sie der Gemeinde als Dauerleihgabe zur Verfügung.

Mit einem Ständerling klang der kurzweilige Abend aus. Für den stimmigen, würdevollen Rahmen sorgte die Harfenistin Henrietta Fryer unter anderem mit Pavanen - Schreittänzen aus der Renaissance.

Foto: Markus Brändli
Foto: Markus Brändli

Das Kleinod verschlingt viel Geld

Teuer war nicht nur der Bau des Schlössles im ausgehenden 16. Jahrhundert. Auch die Renovierung vor der Einweihung 1992 verschlang einen Batzen Geld: Sie kostete fünf Millionen Mark. Drei Millionen musste die Gemeinde bezahlen, die restlichen zwei Millionen flossen als Fördergelder für das Denkmal. Seitdem hat die Gemeinde immer wieder Sanierungen vorgenommen. Auch in den vergangenen Monaten war das Schlössle eingerüstet, weil ein neuer Außenanstrich vor fünf Jahren nicht fachkundig erledigt worden war. „Das hätten wir damals besser sein gelassen“, sagt Bürgermeister Schlecht heute dazu. Die aktuelle Sanierung ist fast abgeschlossen und hat 340 000 Euro gekostet.ank