Lenninger Tal

Das schmeckt ganz Owen

Ehrenamt Das Beo-Team bietet seit zehn Jahren im Teckstädtchen einmal im Monat einen Mittagstisch für alle an. Routiniert zaubern die Frauen in der Küche ein leckeres Essen für ihre Gäste. Von Iris Häfner

Die Frauen in der Küche haben gute Arbeit geleistet und reichen Salat und Brote durch den Aus-gabeschalter.
Die Frauen in der Küche haben gute Arbeit geleistet und reichen Salat und Brote durch den Aus-gabeschalter.

Die letzten Vorbereitungen laufen. Schnittblumen werden in Vasen gesteckt und die Tische im evangelischen Gemeindehaus damit geschmückt, auf denen schon Schoko-Maienkäfer liegen. Alles ist bereit für die Gäste.

In der Küche ist von Hektik keine Spur, es werden sogar noch die Schränke ausgeputzt, derweil das Putengeschnetzelte im großen Topf vor sich hin blubbert. „Nach zehn Jahren wäre es ja schlimm, wenn wir keine Routine hätten“, sagt Heidelinde Roth. Bei ihr laufen die Fäden für den Owener Mittagstisch zusammen, der von Beo, Bürgerliches Engagement Owen, unter dem Motto „Gemeinsam statt einsam“ einmal im Monat angeboten wird. Es ist das 111. Essen, das die Frauen in der Küche zaubern. Aus Anlass des Jubiläums-Mittagstischs gibt es dasselbe wie vor zehn Jahren: Putengeschnetzeltes mit Gemüsereis und zum Nachtisch Quark mit Rhabarber - und aus gegebenen Anlass ausnahmsweise einen Gruß aus Küche.

Schon vor 12 Uhr trudeln die ersten Gäste ein. Bis 13.30 Uhr herrscht ein Kommen und Gehen. Die „Mittagstischler“ freuen sich nicht nur auf das leckere Essen, sondern auch auf diejenigen, mit denen sie gemeinsam am Tisch sitzen. Großeltern bringen ihre Enkel mit, Familien kommen im Verbund und „Werktätige“ verbringen ihre Mittagspause mit den Kollegen im Gemeindehaus. Manche bleiben lange sitzen und schwätzen miteinander. Auf diese bunte Mischung ist Heidelinde Roth stolz. „Die Menschen sind sehr dankbar und zufrieden, wenn sie zu uns kommen“, sagt sie. Wer lieber zu Hause essen möchte, kann direkt in die Küche gehen, und sich das Gekochte in Schüsseln füllen lassen. Für Vergessliche liegen leere Speiseeis-Dosen bereit. Außerdem gibt es auch einen Fahrdienst für all jene, die nicht mehr so mobil sind und nicht auf die Gemeinschaft beim Essen verzichten wollen.

Um 8.30 Uhr ist Arbeitsbeginn für das Vorbereitungsteam. In großen Plastikboxen bringt Heidelinde Roth die Küchen-Basics mit, die sie bei sich zu Hause deponiert: Gewürze, Küchentücher und -rollen, Zitronenpresse und anderes mehr. 66 Essen müssen heute vorbereitet werden. „Es gab Zeiten, da hatten wir 100 Leute zu Gast“, sagt sie - und wünscht sich diese Zeiten zurück. „Ob man für 60 oder 100 kocht, ist relativ egal. Je mehr Menschen da sind, desto schöner ist es.“

Als am 12. Mai 2009 der Mittagstisch zum ersten Mal angeboten wurde, waren die Frauen auf die Resonanz gespannt. „Ob das wohl ankommt“ - diese Frage stand groß im Raum. „Wir sagten uns: 20 Anmeldungen sollten es schon sein, und dann sind knapp 50 gekommen“, freut sich Heidelinde Roth noch im Nachhinein. Ihr ist bewusst, dass es für viele Menschen ein Riesenschritt ist, das erste Mal ins Gemeindehaus zu kommen. Doch mittlerweile gibt es den einen oder anderen Stammgast aus den Nachbargemeinden, die selbstverständlich ebenfalls willkommen geheißen werden.

Im Dezember wird der Speiseplan vom gesamten Kochteam gemeinsam besprochen. Dabei haben die 15 Frauen die saisonalen Produkte im Blick. „Die Leute sind mit Herzblut dabei“, sagt Heidelinde Roth über ihre Mitstreiterinnen. Sie und elf weitere Frauen sind vom ersten Tag an dabei. Angestoßen wurde Beo von Alt-Bürgermeister Siegfried Roser. Neben dem monatlichen Mittagstisch organisiert Beo beispielsweise auch den Kinderkleiderbasar und alle drei Jahre die Hobbykünstlerausstellung.

Wirklich schiefgegangen ist in all den Jahren nicht viel. „Der Milchreis, den gab es einmal al dente - aber es hat keiner der Gäste was gesagt“, fällt es Heidelinde Roth ein. Der Reis wollte und wollte einfach nicht weich werden. Doch es lag nicht an den Köchinnen, sondern am Konvektomat, der kaputt war. Und dann war da noch die Sache mit der Spülmaschine. Für die gilt der Grundsatz: nichts mit Spülmittel vorwaschen. Eine Frau war neu im Team und wusste das nicht. Die Folge: „Die halbe Küche war unter Schaum, denn die Maschinen kann man nicht stoppen“, erinnern sich die Frauen mittlerweile mit Humor an die Sache.

Ist der letzte Gast gegangen, geht auch das Team zum gemütlichen Teil des Tages über. In der Regel bereiten sechs Frauen in der Küche das Essen zu, eine sitzt an der Kasse, und zwei oder drei bedienen. „Wir essen immer gemeinsam, wenn die Leute weg sind“, sagt Heidelinde Roth. Dann sind auch die Männer wieder da, die schon morgens die Tische und Stühle aufgebaut haben. Frisch gestärkt sind sie dann für den Abbau wieder bereit.

 

Info Der nächste Mittagstisch findet am Dienstag, 18. Juni, von 12 bis 13.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus statt. Anmeldungen sind bis zum 17. Juni unter der Telefonnummer 0 70 21/8 28 67 möglich.

Die Owener genießen das leckere Essen im Gemeindehaus. Fotos: Markus Brändli
Die Owener genießen das leckere Essen im Gemeindehaus. Fotos: Markus Brändli
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