Lenninger Tal

Den „Halbschmarotzer“ lahmlegen

Natur Am Wochenende ist in Owen das „Projekt Mistel“ an den Start gegangen. Gütlesbesitzer sollen gegen das stark verbreitete Gewächs vorgehen, um weitere Streuungen einzudämmen. Von Daniela Haußmann

Misteln machen immer mehr Wiesenbesitzern zu schaffen. Jens Häußler (mitte) vom Landratsamt Esslingen gibt den Betroffenen versc
Misteln machen immer mehr Wiesenbesitzern zu schaffen. Jens Häußler (mitte) vom Landratsamt Esslingen gibt den Betroffenen verschiedene Tipps und Hinweise, wie sich das Gewächs bekämpfen lässt. Foto: Daniela Haußmann

Viscum Album ist auf dem Vormarsch. Die Rede ist von der weißbeerigen Mistel, die auch Laubholzmistel genannt wird. Früher tauchte das immergrüne Gewächs nur selten in der Kulturlandschaft auf. „Gerade deshalb glauben viele, dass die Pflanze unter Naturschutz steht“, mutmaßte Jens Häußler in Owen. Wie überall im Land breitet sich der Halbschmarotzer auch dort immer weiter aus, wie der Experte von der Obst- und Gartenbauberatung des Landratsamtes Esslingen berichtete. Grund: „Durch die rückläufige Bewirtschaftung der Streuobstbestände wird die Pflanze nicht mehr automatisch beim Baumschnitt entfernt.“

Vögel verbreiten die Samen

Da die Mistel ihrem Wirt mit Saugwurzeln ganzjährig Wasser und Nährstoffe entzieht, stirbt der Baum ab. Ein Prozess, der sich im frühen Stadium mit Pflegemaßnahmen verhindern oder in fortgeschrittenen Fällen auch hinauszögern lässt, wie Häußler betonte. Aus diesem Grund hat das Landratsamt Esslingen das „Pilotprojekt Mistel“ ins Leben gerufen, das am Wochenende in Owen offiziell an den Start ging. Es fordert laut Christina Werstein Gütlesbesitzer im Landkreis auf, wieder raus auf die Wiesen zu gehen und sie zu pflegen.

Die Leiterin der Baurechts- und Unteren Naturschutzbehörde wies darauf hin, dass viele der im Fachhandel und auf Märkten zum Verkauf angebotenen Misteln aus Frankreich stammen. „Unter Kraftstoffverbrauch und Kohlenstoffdioxid-Ausstoß kommen sie hierher“, so die Juristin. „Dabei wachsen bei uns genügend Misteln.“ So wird verhindert, dass sich der Schädling weiter ausbreitet. Die hellen Beeren dienen mindestens 27 Vogelarten als Nahrung. „Sie nehmen die Beeren auf, scheiden die unverdaulichen Samen aus und ermöglichen so eine großflächige Verbreitung“, klärte Jens Häußler auf. Der Landratsamtsvertreter gab außerdem zu bedenken, dass befallene Äste im Verlauf der Zeit morsch werden: „Die Windanfälligkeit steigt und unter der Last des Schnees können betroffene Teile abbrechen.“ Deshalb empfahl Christina Werstein Wiesenbesitzern, ihr Gütle entsprechend zu kontrollieren. „Denn sie sind verpflichtet, sicherzustellen, dass von Bäumen keine Gefahr ausgeht“, sagte die Juristin.

Bürgermeisterin Verena Grötzinger war sich bei der Auftaktveranstaltung sicher, dass die Informationen bei den Owenern ankommen. Vor allem, weil in den kommenden Wochen die Chance besteht, mit dem Mistelschnitt ein gutes Werk zu tun. Vom 5. bis 22. November haben Wiesenbesitzer die Möglichkeit, ihre Misteln auf dem Owener Bauhof abzugeben. Dort werden die Pflanzen gesammelt und am 23. November als vorweihnachtlicher Schmuck von Kindergärten und Schulen zum Verkauf angeboten, wie die Rathauschefin betonte.

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