Lenninger Tal

„Der Bully fräst und spurt tipptopp“

Wintersport Seit fast 30 Jahren präpariert Martin Gienger auf der Alb die Loipen. Dank eines neuen Fahrzeugs kommen erstmals auch Anhänger der Skatingtechnik auf ihre Kosten. Von Anke Kirsammer

Martin Ginger PistenBully Loipe Alb Winter Schnee
Martin Ginger PistenBully Loipe Alb Winter Schnee

Seit Anfang Januar ist die Schwäbische Alb in winterliches Weiß gehüllt. Während Sportler, die dem Alpinskilauf frönen, auch dank Schneekanonen schon in den Weihnachtsferien auf ihre Kosten kamen, mussten sich Langläufer etwas länger gedulden. Weiße Flocken im Tal bedeuten eben noch lange nicht, dass die Schneehöhe auf der Alb reicht, um ordentliche Furchen zu modellieren. Seit dieser Woche sind die insgesamt 28 Loipen-Kilometer im Landkreis Esslingen gespurt. Ranger Martin Gienger, mit seinem Kollegen Manfred Hiller unter anderem zuständig für das Präparieren der Loipen, spricht über die Vo­raussetzungen, aber auch über die Tücken seiner Arbeit, die er bei entsprechender Schneelage sieben Tage die Woche erledigt.

Ab welcher Höhe können Sie denn Loipen spuren?

Martin Gienger: Mit zehn Zentimetern Schnee bekomme ich keine Loipe hin. 20 Zentimeter sind das Minimum. Ich bin auch schon bei weniger gefahren, weil ich weiß, die Leute wollen Langlaufen, aber da fällt man fast vom Sitz. Das Prob­lem sind die vielen Maulwurfshügel auf der Alb.

Hin und wieder ist nur die Pfulbloipe präpariert, die Aschloipe aber nicht. Woran liegt das?

Gienger: Am Asch braucht man immer etwas mehr Schnee, weil es dort Felder mit Wintergetreide gibt. Die kann ich den Landwirten mit meinem Pistenbully nicht kaputt machen.

Wie sollte der Schnee beschaffen sein, um eine gute Loipe hinzubekommen?

Optimal ist eine feste Unterlage mit Pulverschneeauflage. Ist der Schnee leicht und pulvrig, aber ohne festen Untergrund, braucht man viel mehr Schnee für eine gute Loipe.

Wann präparieren Sie die Loipen?

Viele Leute sagen, ‚spurt doch abends‘. Das Problem ist aber, dass man dann am nächsten Morgen keine Loipe mehr findet, weil es nachts oft stark weht. Je nachdem, ob ich eine oder zwei Loipen machen muss, starte ich morgens so ab 7.30 Uhr, damit ich gegen 10 oder 10.30 Uhr, wenn der erste Schwung Langläufer kommt, fertig bin. Um die Berghauloipe bei Erkenbrechtsweiler kümmert sich normalerweise Manfred Hiller. Weil er momentan krank ist, übernimmt das derzeit der Landschaftspfleger des Vereins für Naherholung Schwäbische Alb, Daniel Devaux. Er kann sich aber erst aufs Spurgerät setzen, wenn er alle Schopflocher und Ochsenwanger Wanderparkplätze und das Netz von Spazierwegen geräumt hat.

Wer Skatingskier hat, musste bislang in die Nachbarlandkreise ausweichen. Tut sich da im Landkreis Esslingen was? Dieses Jahr habe ich zum ersten Mal – wo es möglich ist, entlang der klassischen Spur an der Pfulb – auch eine Skatingloipe präpariert. Die Nachfrage ist da. Deshalb haben wir reagiert. Allerdings bin ich nicht dafür, in jeder Ecke der Alb Loipen zu ziehen. Mein Job hat auch mit Besucherlenkung zu tun. Ich bin bei der Unteren Naturschutzbehörde beschäftigt und weiß, dass das Wild im Winter Notzeit hat und seine Ruhezonen benötigt.

Für die Skatingloipe brauchte es aber auch ein entsprechendes Spurgerät. Ja, seit letztem Jahr haben wir einen modernen Pistenbully, mit dem das geht. Gegenüber dem vorherigen Gerät mit angehängten Spurplatten sind das Welten! Die Gummiketten sind außerdem viel schonender für den Boden. Der Bully fräst die alte Loipe wunderbar auf. Und ich kann für die klassische Technik wahlweise eine oder zwei Spuren ziehen. Das ist tipptopp! Angefangen habe ich vor über 27 Jahren mit einem Motorschlitten. Da saß man im Freien.

Wird jede Loipe täglich frisch gespurt?

Das entscheide ich von Fall zu Fall. Wenn es über Nacht durchfriert, ist eine neue Loipe nicht immer besser als die alte. Ist die bestehende noch gut, setze ich die neue daneben.

Über das Infotelefon beziehungsweise auf der Internetseite des Landkreises findet man den Loipenbericht. Wann wird der aktualisiert? Unter der Woche informieren wir bereits am frühen Morgen auf der Homepage und dem Telefon darüber, ob die Loipen neu präpariert werden. In der Regel gebe ich den Zustand der frisch gespurten Loipe von unterwegs an das Landratsamt weiter. Von dort wird das Internet gefüttert. Selbst am Wochenende sind wir aktuell, da liefere ich die Daten meinem Chef. Er stellt sie von zu Hause aus auf der Homepage ein. Im Normalfall wird im Laufe des Vormittags aktualisiert. Das Loipentelefon bespreche ich nach meiner Rückkehr im Naturschutzzentrum.

Mit dem Pistenbully spurt der Ranger Martin Gienger die Pfulb- und die Aschloipe. Um ordentliche Furchen hinzubekommen, braucht
Mit dem Pistenbully spurt der Ranger Martin Gienger die Pfulb- und die Aschloipe. Um ordentliche Furchen hinzubekommen, braucht es 20 Zentimeter Schnee.Fotos: Carsten Riedl

Info

Über den Zustand der Loipen kann man sich im Internet unter www.landkreis-esslingen.de/Tourismus/Wintersport informieren. Die Telefonhotline hat die Rufnummer 0 70 26/9 50 12 28.

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