Lenninger Tal

Der Ernstfall ist für alle eine Herausforderung

Landesbranddirektor Schröder mahnt zu Besonnenheit – Verkehrsteilnehmer sollten unbedingt Abstand zum Vordermann halten

Wenn es brennt, geraten nicht nur Feuerwehrleute unter Stress, sondern auch Verkehrsteilnehmer. Sobald Fahrzeuge mit Blaulicht und Sirene nahen, scheint die Bildung einer Rettungsgasse zur Herausforderung zu geraten. Landesbranddirektor Hermann Schröder, der im Innenministerium als Referatsleiter für Angelegenheiten des Rettungsdienstes zuständig ist, gibt Tipps.

Hermann Schröder
Hermann Schröder

Tragen Freiwillige Feuerwehren ein höheres Unfallrisiko bei Einsatzfahrten als Berufsfeuerwehren, die in Ballungsräumen häufiger mit den großen Fahrzeugen unterwegs sind?

SCHRÖDER: Das lässt sich statistisch nicht belegen. Je häufiger man jedoch Einsatzfahrten mit Sondersignal macht, umso geringer ist die Stressbelastung und umso mehr Erfahrung über das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer hat der Einsatzfahrer gewonnen.

Die Unfallkasse des Bundes gibt an, dass bei Fahrten mit Sonderrechten ein vierfaches Risiko für Unfälle mit tödlichem Ausgang, ein achtfaches Risiko für Unfälle mit Schwerverletzten und ein 17-faches Risiko für Unfälle mit hohem Sachschaden besteht. Wie hoch ist Ihrer Erfahrung nach das Unfallrisiko bei Blaulichtfahrten?

SCHRÖDER: Dem Innenministerium liegen keine konkreten Daten zum Unfallrisiko vor. Die Zahlen der Unfallkasse des Bundes erscheinen plausibel. Eine Einsatzfahrt unter Sonderrechten ist besonders risikobehaftet. Die Einsatzfahrer sind einer enormen Stressbelastung ausgesetzt. Sie fahren im Einsatz Fahrzeuge, die sie nicht tagtäglich nutzen und sie treffen auf Verkehrsteilnehmer, die durch das nahende Fahrzeug mit Sondersignal selbst einer Stressbelastung ausgesetzt sind und somit zu unvorhersehbarem Verhalten neigen.

Was machen Autofahrer häufig falsch, wenn Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht und Sirene nahen?

SCHRÖDER: Blaues Blinklicht und Einsatzhorn bedeuten für alle übrigen Verkehrsteilnehmer, sofort freie Bahn für das Einsatzfahrzeug zu schaffen. Viele Verkehrsteilnehmer sind sich dabei jedoch sehr unsicher, manche halten einfach an oder ziehen ihr Fahrzeug spontan auf eine andere Fahrspur.

Was können sie besser machen?

SCHRÖDER: Voraussetzung für ein richtiges Verhalten ist, immer genügend Abstand zum Vordermann zu halten. Nur bei genügend Abstand zum Vordermann kann man im Fall der Fälle eine Rettungsgasse bilden. Die Rettungsgasse soll man immer solange offen halten, bis der Verkehr wieder flüssig läuft – meist kommt mehr als nur ein Einsatzfahrzeug.

Wie sollten sich Autofahrer an roten Ampeln verhalten?

SCHRÖDER: Steht man an einer roten Ampel und nähert sich ein Einsatzfahrzeug von hinten darf man auch, um Platz zu schaffen, vorsichtig über die Haltelinie an die Seite fahren. Ebenso kann man gegebenenfalls – auch vorsichtig – Achtung: Fußgänger – auf den freien Gehweg ausweichen um dem Einsatzfahrzeug freie Fahrt zu gewähren. In jedem Fall wichtig: keine hektischen Reaktionen und Spurwechsel! Ausweichmanöver immer mit dem Blinker anzeigen. Damit signalisiert man dem Einsatzfahrer auch, dass man ihn bemerkt hat.

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