Lenninger Tal

Der Himmel kennt keine Grenzen

60 Jahre Partnerschaft zwischen Wolf-Hirth-Fliegern und dem Aero-Club von Pont Saint-Vincent

Doppelt hält besser: An Pfingsten haben die Segelflieger der Kirchheimer Fliegergruppe Wolf Hirth das 60-jährige Bestehen der Partnerschaft mit dem Aero-Club Albert Mangeot von Pont Saint-Vincent in Frankreich gefeiert. Jetzt waren die französischen Flieger zu Gast in Kirchheim, um auch hier auf die Jumelage das Glas zu erheben.

Sonnige Stunden der Partnerschaft: Die Vorsitzenden des Aero-Clubs Albert Mangeot und der Fliegergruppe Wolf Hirth, Michel Barro
Sonnige Stunden der Partnerschaft: Die Vorsitzenden des Aero-Clubs Albert Mangeot und der Fliegergruppe Wolf Hirth, Michel Barrois und Gunther Sill, enthüllen das Jubiläums-Geschenk der französischen Gäste am Büro der Kirchheimer Flieger. Fotos: Markus Brändli*

Kirchheim. Wolfgang Maier, 79, von der Fliegergruppe Wolf Hirth, bekommt ein Leuchten in die Augen, wenn er sich an die Anfänge der Partnerschaft mit den französischen Segelfliegern von Pont Saint-Vincent bei Nancy erinnert. An einem schönen Septembertag des Jahres 1953 war der damals 17-Jährige mit weiteren fünf Mann der Kirchheimer Fliegergruppe und den beiden Segelflugzeugen, einer „Weihe“ und dem Grunau Baby „Sechserle“ im Schlepptau, mit einem teilweise etwas mulmigen Gefühl gen Lothringen aufgebrochen. Was würde sie wohl erwarten in Frankreich? Doch die anfangs bangen Momente wichen. Die französischen Flieger der nationalen Segelflugschule von Pont Saint-Vincent mit ihrem Chefpiloten Ringle boten den Kirchheimern ein fliegerisches Erleben, wie sie es aus dem Nachkriegsdeutschland noch nicht kannten. Die verschiedensten Typen der Flugschule standen ihnen zur Verfügung und die Fluglehrer mit Rat und Tat zur Seite.

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Allein 40 Flugstunden wurden bei dieser ersten Begegnung auf der Hochfläche von Pont Saint Vincent über dem Tal der Mosel geflogen. Alle Kirchheimer Segelflieger konnten die Flugzeugschleppgenehmigung erwerben. Flugzeugschlepp war damals in Deutschland noch verboten.

Kurzum, die Freude über die Gastfreundschaft der Franzosen war groß. So lud denn der Vorsitzende der Kirchheimer Segelflieger, Martin Schempp, eine Gruppe französischer Flieger unter die Teck ein, und der Leiter der Flugschule, Lamort, erwiderte, die schwäbischen Segelflieger seien immer gern gesehene Gäste in Pont Saint-Vincent.

Im April 1954 besuchten Lamort sowie Chefpilot Ringle zum ersten Mal die Hahnweide. Im August drehten Kirchheimer Flieger wieder ihre Kreise über Lothringen. Bereits im Jahr darauf besiegelten die französischen und deutschen Segelflieger offiziell ihre Partnerschaft per Handschlag, lange bevor Deutschland und Frankreich im Januar 1963 vertraglich die Deutsch-Französische Freundschaft institutionalisierten. 1967 begründete die Teckstadt die Jumelage mit Rambouillet.

Bis weit in die 1960er- Jahre war für die Kirchheimer Segelflieger klar: An Pfingsten treffen wir uns mit unseren französischen Freunden in Pont Saint-Vincent. Umgekehrt erkundeten die Flieger vom Aero-Club Albert Mangeot jeweils im Sommer von der Hahnweide aus den Himmel über dem Schwabenland. In den Folgejahren hing das Band der Partnerschaft etwas schlaff im Wind. Walter Olpp schließlich lud als damaliger Vorsitzender der Fliegergruppe Wolf-Hirth 1978 die französischen Freunde zum Jubiläum der Kirchheimer ein und eine große Delegation aus Pont Saint-Vincent folgte der Einladung.

Die Partnerschaft erhielt wieder Aufwind, nicht zuletzt getragen durch das Engagement von Männern wie „Sieger“ Maier, Adolf Sanne und Rainer Schmitt, sie wurden vom jetzigen Vorsitzenden der Fliegergruppe Wolf Hirth, Gunther Sill, auf der Kirchheimer Seite genannt, und Joseph Bocciarelli und Christian Mathieu vom Aero-Club Albert Mangeot. Die beiden französischen ehemaligen Klub-Vorsitzenden waren bei der Partnerschaftsfeier am Wochenende in Kirchheim mit rund 20 Fliegern und ihren Angehörigen aus Pont Saint-Vincent auch dabei.

„60 Jahre, das ist etwas Besonderes. Es gibt wenige Organisationen, die ein ähnlich langes Partnerschaftsverhältnis aufweisen können“, versicherte Michel Barrois, seit drei Jahren Vorsitzender des Aero-Clubs Albert Mangeot, und bekräftigte: „Das wollen wir auch so weiterführen“. Dazu beglückwünschte sie Dr. Christoph Miller, der als ehrenamtlicher Stellvertreter der Oberbürgermeisterin die Gäste aus Frankreich mit ihren deutschen Freunden im Kirchheimer Rathaus empfing.