Lenninger Tal

Der „Kasten“ wird kein Auffüllplatz

Geschichte Der Weinbau in Owen war einst ein wichtiger Wirtschaftszweig. Fritz Nuffer vermisst eine Würdigung.

Fritz Nuffer vom Förderkreis Alt Owen stellt freudestrahlend das Buch „Owener Geschichten" im evangelischen Gemeindehaus vor.Fot
Fritz Nuffer vom Förderkreis Alt Owen stellt freudestrahlend das Buch „Owener Geschichten" im evangelischen Gemeindehaus vor. Archiv-Foto: Markus Brändli

Owen. Der Name Fritz Nuffer in Owen ist ein Synonym für großes Wissen über lokale Geschichte des Teckstädtchens. Die Bürgerfragestunde nutzte er in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats, um auf eine - aus seiner Sicht - mangelnde Wertschätzung eines bestimmten Raums aufmerksam zu machen, den einstigen „Kasten“.

„Wir haben zwei Denkmäler in Owen: das Geschichtshaus und die Bernhardskapelle. Aber etwas fehlt noch: Über mehr als 800 Jahre wurde hier im Ort Weinbau betrieben. Schon die Herzöge von Teck haben diesen Tropfen geschätzt, aber in keinem Flyer taucht das auf“, erklärte er. Welche Bedeutung dieser Wirtschaftszweig für die Stadt hatte, verdeutlichte er anhand von Zahlen, die im Jahr 1855 im „Amts- und Intelligenzblatt“ - so firmierte der Teckbote damals - genannt wurden. 400 Eimer ergab die Ernte in Weilheim, 600 Eimer in Owen. Diese Eimer haben jedoch nichts mit den heutigen zu tun, es war eine Maßeinheit. Ein Württemberger Eimer waren etwa 300 Liter. Das Jahr 1819 war noch ertragreicher, 800 Eimer konnten die Owener keltern. „Das sind eine Viertelmillion Liter Wein“, rechnete Fritz Nuffer vor. Um so eine große Menge lagern zu können, brauchte es entsprechende Keller, etwa den „Kasten“.

„Schönster Keller Owens“

„1890 ist dort der Weinkeller aufgelöst und stattdessen Obst von der Gemeinde eingelagert worden“, sagte der Hobbyhistoriker und kam nun auf den eigentlichen Punkt seines Anliegens zu sprechen. „Dann ist es der Bürgerschaftskeller und damit die gute Stube Owens geworden - und weil er zu wenig genutzt wurde und ein Fluchtweg zu viel Geld kosten würde, wird er geschlossen“, bedauerte er. Sünd‘ und schad‘ sei das. „So einen schönen Keller gibt es in Owen nicht mehr. Das darf kein Auffüllplatz werden“, wünscht sich Fritz Nuffer, dass der Keller erhalten bleibt.

Hier konnte ihn Bürgermeisterin Verena Grötzinger beruhigen: „Der Keller wird so gesichert und erhalten, wie er jetzt ist. Aus Brandschutzgründen können wir leider keine öffentliche Nutzung mehr zulassen.“ Sie kann sich jedoch durchaus vorstellen, den unterirdischen Raum am Tag des offenen Denkmals zu öffnen. Zudem ist sie überzeugt, dass die Feuerwehr, die künftig das Gemäuer nutzt, pfleglich mit dem historischen Keller umgeht.

Da Fritz Nuffer voll in Fahrt war, ging eine Zwischenbemerkung der Stadtchefin nahezu unter. „Ich hätte gerne wieder einen Weinberg in Owen. Weil das aber viel Arbeit bedeutet, ist noch niemand auf meinen Vorschlag eingegangen“, sagte sie. Ein paar kleinere Wengert gibt es unter der Teck aber wieder, in denen Hobbywinzer Reben an- und Wein ausbauen. Iris Häfner

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