Lenninger Tal

Der Kicker mit der Klarinette

Jubiläum Hans Rempis spielt seit 70 Jahren ein Blasinstrument. Begonnen hat er seine Musiker-Karriere in Jesingen, nach dem Umzug ging sie nahtlos in der Stadtkapelle Owen weiter. Dafür wurde der 84-Jährige geehrt.

Musik kennt keine (Alters-)Grenzen: Hans Rempis (zweite Reihe, zweiter von rechts) fühlt sich unter seinen Musikkameraden wohl.
Musik kennt keine (Alters-)Grenzen: Hans Rempis (zweite Reihe, zweiter von rechts) fühlt sich unter seinen Musikkameraden wohl. Foto: pr

Das muss ihm erst Mal einer nachmachen: 70 Jahre aktiv in der Kapelle die Klarinette spielen. Hans Rempis ist dieses Kunststück gelungen, und er denkt noch lange nicht ans Aufhören. Seine musikalische Laufbahn begonnen hat er im Alter von 14 Jahren als „Zögling“ beim Musikverein Jesingen. Das Musizieren wurde ihm in die Wiege gelegt - spielte sein Vater doch im Musikverein Tenorhorn. Schon als Kind hat er immer wieder auf dem Instrument seines Vaters geübt und so die Liebe zur Musik entdeckt. Der offizielle Start als Musiker in Jesingen war dann jedoch mit der Es-Klarinette. Da er mit diesem Instrument alleine in der Kapelle war, wechselte er auf die B-Klarinette. Eine Ausbildung am Instrument mit Lehrer gab es damals nicht. „Ich musste mir alles selbst beibringen“, sagt Hans Rempis.

Seit dem Umzug nach Owen im Jahr 1951 spielt er ununterbrochen bei der Stadtkapelle die erste Klarinette. Hans Rempis erinnert sich an verbale Wettstreite „Alt gegen Jung“ im Wirtshaus nach der Probe, als die Jungmusiker von den älteren Semestern noch als „Soicher ohne Ahnung“ bezeichnet wurden. Aber auch an die Unterstützung von Dirigent Karl Feller, der es möglich gemacht hat, dass der Klarinettist sein zweites Hobby - den Fußball - mit der Musik vereinen konnte. Da es zu dieser Zeit bei einer Besetzung von 20 Musikern nur zwei Klarinettisten gab, legte der Dirigent die Auftritte immer so, dass Hans Rempis zuerst auf den Fußballplatz konnte - und dann mit dem Musikverein bei Festen aufspielte. Diese zeitliche Planung missfiel natürlich anderen Kapellen, diese Tatsache wurde jedoch von Karl Feller mit den Worten „Ich kann nicht spielen, solange der Rempis nicht da ist“ kurzerhand erledigt.

In 70 Jahren hat Hans Rempis an 68 Owener Maientagen als Musiker teilgenommen. „Früher hat man diesen Festtag für die Kinder offiziell mit dem Festzug vom Festplatz auf dem Maienwasen zurück zur Schule beendet. Im Anschluss hat die Kapelle dann noch mehrere Stunden zum Tanz aufgespielt“, erzählt er.

Doch nicht nur musikalisch glänzte der 84-Jährige als Vorbild für viele Generationen von Musikern. Er war von 1970 bis 1996 Mitglied in der Vorstandschaft des Vereins. Als gelernter Textiltechniker war er auch der erste Ansprechpartner beim Beschaffen von neuen Uniformen, kümmerte sich um Stoffe und Ausrüstung für die Jacken und Westen. Des Weiteren war Rempis einer der Hauptautoren bei der Erstellung des Jubiläumbuchs zum hundertjährigen Bestehen des Vereins im Jahr 2000.

Hans Rempis mit seinen Kollegen. Foto: pr
Hans Rempis mit seinen Kollegen. Foto: pr

Traditionen und Einsatzbereitschaft hält der nach wie vor rüstige Musiker hoch und sagt von sich, dass er nie eine Probe wegen „keine Lust“ ausgelassen hat. Bis vergangenes Jahr neue Musiker aus der Jugendkapelle den Sprung in die Stadtkapelle geschafft haben, saßen der älteste und die jüngste Musikerin mehrere Jahre direkt nebeneinander. Was Hans Rempis anfängt, zieht er auch konsequent durch. So sind beim Kramen in der Dokumentenmappe auch weitere Ehrenurkunden für langjährige Mitgliedschaften in anderen Vereinen zum Vorschein gekommen, beispielsweise beim Tennisclub oder dem Obst- und Gartenbauverein.

Vom Blasmusikverband Baden-Württemberg erhielt Hans Rempis bei der Mitgliederversammlung des Musikvereins Owen die Ehrennadel in Gold mit Diamant und dazu noch einen Ehrenbrief. Als der erste Vorsitzende Holger Macho den Jubilar aufforderte, die Ehrung entgegenzunehmen, erhoben sich die Mitglieder spontan zu Standing Ovations, um diese große Leistung ihres langjährigen Musikkameraden zu würdigen. vg

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