Lenninger Tal

„Der Rückgang ist erschreckend“Interview

Die Schäferei ist für den Erhalt unserer Kulturlandschaft ­unersetzlich, sagt Anette ­Wohlfahrt, Geschäftsführerin des Landesschafzuchtverbands (LSV) in Stuttgart. Mit welchen Problemen der Berufsstand zu kämpfen hat, erklärt sie im Kurzinterview.

Wie dramatisch ist aus Ihrer Sicht die Lage der Schäfer und Schafzuchtbetriebe im Land?

WOHLFAHRT: Wir haben einen Rückgang von 30 Prozent der Betriebe und der Schafzahlen in Baden-Württemberg in den letzten zehn Jahren. Da lässt sich nichts beschönigen. Dieser Rückgang ist erschreckend.

Warum ist es für das Gemeinwesen so wichtig, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Schäfereibetriebe verbessert werden?

WOHLFAHRT: Es werden etwa 60 000 Hektar Fläche in Baden-Württemberg mit Schafen gepflegt. Dies sind Flächen mit hohem naturschutzfachlichen Wert, welche nach der FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union, Anm. d. Redaktion) besonders artenreich und daher geschützt sind. Diese Flächen sind nur durch die Beweidung mit Schafen entstanden und können auch nur durch die Beweidung mit Schafen in ihrem Zustand erhalten werden. Das Land trägt europaweit eine besondere Verantwortung für diese Flächen. Nach dem Naturschutzrecht dürfen sich diese Lebensräume innerhalb und außerhalb der Kulisse nicht verschlechtern. Die Arbeitszeit eines selbstständigen Schäfers beträgt etwa 14 Stunden am Tag, rund ums Jahr. Das Ganze bei einem Stundenlohn von 4,30 Euro.

Womit haben die Betriebe am meisten zu kämpfen?

WOHLFAHRT: Überzogene Bürokratie, Flächenknappheit, bedingt auch durch die Konkurrenz von Biogasanlagen. Es gibt kaum noch Winterweideflächen. Dazu kommen Nachwuchssorgen und Probleme durch Mindestlohn und Fachkräftemangel.

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