Lenninger Tal

Der Schwachpunkt der Männer

Gesundheit Der Männerstammtisch 50plus in Lenningen nimmt sich des Themas Männergesundheit an. Mehr als 100 Männer folgten den Ausführungen Dr. Ladners. Von Cornelia Wahl

Dr. Stefan Ladner, Urologe aus Nürtingen, informierte über den Schwachpunkt der Männer, die Prostata.Foto: Cornelia Wahl
Dr. Stefan Ladner, Urologe aus Nürtingen, informierte über den Schwachpunkt der Männer, die Prostata.Foto: Cornelia Wahl

Über 100 Männer kamen ins Julius-von-Jan-Gemeindehaus in Oberlenningen und hörten mit großem Interesse den Urologen Dr. Stefan Ladner, der zum Thema „Neues von der Prostata“ sprach. „Die Prostata ist unser Schwachpunkt“, sagt der Urologe. Die Vorsteherdrüse ist dem Mann vorbehalten. Sie produziert ein Sekret, in dem die Spermien schwimmen, und ist daher wichtig für die Zeugung. Die sie umgebenden Nerven sind für die Erektionsfähigkeit verantwortlich.

Mit dem Alter nimmt das Drüsengewebe zu. Die normalerweise kastaniengroße Prostata wächst. Das Wachstum kann etwa ab dem 50. Lebensjahr zu Beschwerden beim Wasserlassen, zu Harndrang oder zu Nachtröpfeln führen. „Dagegen kann man ein Medikament geben, das allerdings nicht verhindert, dass die Prostata wächst oder Krebs entsteht“, klärt der Facharzt auf. „Eine böse Prostata meldet sich, wenn der Krebs schon ziemlich fortgeschritten ist“, sagt der Mittfünfziger. Meist zeige sich dies mit Knochenbrüchen und Rückenschmerzen, die von Metastasen verursacht werden. Um zu erkennen, wenn „was böse wird“, ist der PSA-Wert (PSA steht für prostataspezifisches Antigen) ein möglicher Fingerzeig, der auf eine entzündliche, gutartige oder bösartige Erkrankung hinweise.

Wichtig sei es, den Verlauf des Wertes über einen längeren Zeitraum hinweg zu beobachten. Steigt er ständig, schwankt er, geht er überhaupt nicht mehr runter, „bringt dies uns Urologen in eine Habachtstellung“. Unter Umständen wird dann eine Gewebeentnahme nötig, um den Krebs „rechtzeitig zu erkennen, und behandeln zu können. Denn Prostatakrebs ist heilbar“. Und der Arzt fügt hinzu: „Wenn jemand therapiert wurde, dann ist der PSA-Wert ein Beweis für den Erfolg.“ Deutlich weist der Mediziner darauf hin, dass Prostatakrebs sich nur mit einer Biopsie nachweisen lasse.

Die Therapie des Prostatakrebses ist unterschiedlicher Art. Zum einen kann sie kurativ erfolgen: „Es wird operiert oder bestrahlt.“ Zum anderen kann sie palliativ sein: „Wir wollen Schadensbegrenzung versuchen, können aber nicht mehr heilen. Dies geschieht medikamentös“, sagt der Urologe.

Wenn die Prostata entfernt werde, sei das heutzutage in der Regel „kein Drama mehr, sofern sie nicht vorher bestrahlt worden ist“. Man operiert heute mit Schlüssellochchirurgie. Wissen sollte man, dass es dann zu Harninkontinenz kommen könne. Wovor man jedoch Respekt haben muss, ist, dass die Erektionsfähigkeit leiden könnte, „das muss man wissen“. Der Grund dafür sei, dass während einer Operation Nerven verletzt werden können, die um die Prostata herum liegen. Diese seien schwer zu erkennen und sehr schwer zu schonen. „Wenn man diese Nerven verletzt, dann muss man leider damit rechnen, dass man impotent ist“, sagt Stefan Ladner. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die Bestrahlung, „die einen nicht so sehr erschüttert. Dichtigkeit und Erektion sind dann kein Thema“, erläutert er.

Ist man Betroffener einer bösartigen Erkrankung der Drüse, sollte man ins Kalkül ziehen, dass es bei einer vorbestrahlten Prostata schwer wird, zu operieren. Wenn man sich für eine Bestrahlung entscheide, sollte diese wohlbedacht sein, weil man anschließend in der Regel nicht mehr operieren kann. „Da geht kaum einer ran, weil es da meist Schwierigkeiten gibt“, weiß der Mediziner. Anders sieht es nach einer Operation aus, dann könne tatsächlich dieser Bereich, in dem die Drüse mal war, nachbestrahlt werden. Eine bereits bestrahlte Prostata könne nicht nachbestrahlt werden. Ist der Krebs so weit fortgeschritten, dass weder eine Bestrahlung noch eine Operation möglich sind, kann eine hormonblockierende Therapie eine Möglichkeit sein, die Lebensqualität des Betroffenen für einige Zeit zu verbessern.

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