Lenninger Tal

Der „Streuobstvirus“ wird verbreitet

Feierliche Urkundenverleihung für erfolgreich ausgebildete Streuobst-Pädagogen in der Beurener Kelter

74 Streuobst-Pädagogen und -Pädagoginnen aus sechs Landkreisen schlossen ihre Ausbildung erfolgreich ab und erhielten ihre Urkunde in der Beurener Kelter. Die Naturpädagogen werden in Zukunft mit Grundschulklassen zusammenarbeiten und den Schülern Themen rund um die Streuobstwiese näher bringen.

Beuren. „Im Kreislauf der Natur kann man aktiv wichtige Werte erleben“, sagt Maria Schropp, Geschäftsführerin des Vereins Schwäbisches Streuobstparadies: „Entlang der Schwäbischen Alb liegt die größte Streuobstlandschaft Mitteleuropas. Streuobstwiesen sind hier überall greifbar, dennoch haben junge Menschen kaum noch Bezug dazu.“ Überaltete Bewirtschafter und der Verfall der Wiesen seien die Folge. Dem wolle man entgegenwirken, sagt Schropp.

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Der Verein bietet seit diesem Jahr eine flächendeckende Ausbildung zum Streuobst-Pädagogen in den Landkreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen, Reutlingen, Tübingen und Zollernalb an.

Seit Februar beschäftigten sich insgesamt 74 Auszubildende in über 70 Unterrichtsstunden mit obstbaufachlichen, naturkundlichen und naturpädagogischen Inhalten, „um den Jüngsten unserer Gesellschaft spielerisch Wissen rund um Bewirtschaftung, Artenvielfalt, Naturschutz, Ernte und Verwertung zu vermitteln“, sagt die Geschäftsführerin Maria Schropp.

Die Ausbildung fand unter der Leitung von Beate Holderied an verschiedenen Orten im Vereinsgebiet statt – beispielsweise im Freilichtmuseum in Beuren. Am Ende mussten die Teilnehmer eine Prüfung absolvieren.

Die örtlichen Kreissparkassen stellen dem Projekt mit ihren Stiftungen jährliche Fördermittel in Höhe von 22 600 Euro zur Verfügung, davon 12 700 Euro allein die Esslinger Kreissparkasse. Die vorläufige Laufzeit der Fördermittel beträgt nun zunächst fünf Jahre.

Für ihre Arbeit in den Schulen erhalten die Streuobst-Pädagogen eine Aufwandsentschädigung. Die Kosten dafür tragen zur Hälfte die Schulen und zur anderen Hälfte die Kreissparkassen, ihre Stiftungen und die Landkreise. „Mithilfe dieser Unterstützung können wir das Projekt flächendeckend für viele Schulen anbieten und schaffen Anreize, daran teilzunehmen“, sagt der Mössinger Oberbürgermeister Michael Bulander, Vorsitzender des Schwäbischen Streuobstparadieses.

Ganz nach Konfuzius’ Weisheit „Was du mich tun lässt, das verstehe ich“, sollen Kinder im Grundschulalter durch die Arbeit der Streuobst-Pädagogen spielerisch für den Landschaftsraum Streuobstwiese begeistert werden: „Infizieren Sie Schüler und Lehrer mit Ihrem Streuobstvirus!“, motiviert Bulander die Naturpädagogen.

Ab Januar bewirtschaften die Pädagogen mit den Schülern eine fußläufig erreichbare Streuobstwiese im Jahresverlauf. „Von Spurensuche im Schnee, über Bäume schneiden und pflanzen bis hin zu Unterwuchsnutzung und, als abschließendes Highlight, die Ernte und Verwertung des Obstes im Herbst, verrichten die Kinder alle Arbeiten, die auf der Streuobstwiese anfallen“, sagt Schropp. Im Vordergrund stehe dabei stets das spielerische Lernen.

Schon seit den Sommerferien können sich Schulklassen für das Projekt bewerben. Bereits 172 Klassen im Vereinsgebiet haben sich für das Projekt angemeldet. „Das zeigt, dass das Angebot von den Schulen dankbar angenommen wird“, so Schropp. Anmeldungen nehmen die Landratsämter weiterhin entgegen.