Lenninger Tal

Der Zoll hat die Masken freigegeben

Corona Werner Gollmer aus Oberlenningen versorgt Pflegeheime, medizinisches Personal und die Polizei. Aufgrund der Pandemie gelten vorerst bis 31. August gelockerte Richtlinien. Von Anke Kirsammer

Die Lenninger Firma Gollmer Formen und der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich (rechts) sorgen bei der Übergabe der chine
Die Lenninger Firma Gollmer Formen und der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich (rechts) sorgen bei der Übergabe der chinesischen KN95-Schutzmasken beim DRK-Kreisgeschäftsführer Klaus Rau und den übrigen Vertretern des DRK für strahlende Gesichter. Foto: Markus Brändli

Hartnäckigkeit zahlt sich aus: Werner Gollmer und Alexander Dangel, Geschäftsführer der Lenninger Firma Gollmer Formen, haben weiter um die Freigabe der Schutzmasken aus China gekämpft (wir berichteten). Jetzt konnten sie an die Polizei, an Ärzte und den Kreisverband Nürtingen-Kirchheim des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) übergeben werden.

Weil den Masken die Zertifizierung fehlt, hatte das Regierungspräsidium Tübingen (RP) keine Zollfreigabe erteilt. Doch damit wollten sich die Firmenchefs nicht zufrieden geben. Genauso wenig mit dem Zwischenerfolg, sie als sogenannte Community-Masken zu verteilen. Dann hätten sie nicht von medizinischem Personal genutzt werden können. Genau deshalb aber hatte Werner Gollmer vor einem Monat 6 000 Schutzmasken in China bestellt. In den ersten Wochen der Pandemie waren FFP-Masken in Krankenhäusern, Pflegeheimen und bei niedergelassenen Ärzten Mangelware. Mithilfe seiner chinesischen Lieferanten wollte der Unternehmer mit der Spende Abhilfe schaffen.

Dass die Masken nun doch Leuten zugute kommen, die engen Kontakt mit Patienten oder Pflegebedürftigen haben, ist einem Beschluss der EU-Kommission vom 13. März zu verdanken. Danach kann medizinisches Personal vorerst bis zum 31. August auch mit Schutzmasken ohne gültiges CE-Zertifikat arbeiten, wenn die Masken bestimmte Voraussetzungen erfüllen (siehe Info). Um die Sonderzulassung möglichst rasch zu bekommen, hatte Alexander Dangel den Kirchheimer Bundestagsabgeordneten und CDU-Gesundheitsexperten Michael Hennrich eingeschaltet.

2 000 Schutzmasken gehen nun an die acht DRK-Pflegeheime, darunter das Fickerstift und das Steingaustift in Kirchheim. Dieselbe Anzahl bekommen die Sozialen Dienste - „Essen auf Rädern“ und der ambulante Pflegedienst - sowie der Katastrophenschutz.

Während die Versorgung mit Schutzmasken im medizinischen und im Pflegebereich laut Michael Hennrich inzwischen einigermaßen sichergestellt ist, fehlt es nun an Schutzkitteln und einfachen Masken. „Wir benötigen sie für alle Mitarbeiter und Ehrenamtlichen, für die nicht zwingend FFP-Masken vorgeschrieben sind“, sagt der DRK-Kreisgeschäftsführer Klaus Rau. „Bei rund 900 Mitarbeitern und fast 1 000 Ehrenamtlichen kommt hier schon was zusammen.“ Wenn Besucher in den Pflegeheimen wieder erlaubt sind, braucht es auch für sie Masken. Ein noch größeres Thema ist derzeit die Beschaffung von Schutzkitteln. „Wenn wir unsere Häuser aufmachen, gehe ich davon aus, dass sie vorgeschrieben sind“, sagt Stefan Wiedemann, Geschäftsführer der DRK-Seniorenzentren. Auch hier will Werner Gollmer nun über seine Lieferanten in China in die Bresche springen.

Sondergenehmigung für Schutzmasken

Schutzmasken ohne gültiges CE-Zeichen können vorerst bis zum 31. August unter bestimmten Voraussetzungen medizinischem Personal zur Verfügung gestellt werden: Dazu gehört die Klassifizierung KN95, die dem deutschen FFP-Standard gleichzusetzen ist. Das Produkt muss auf der Empfehlungsliste der US-Seuchenschutzbehörde stehen, und es muss in den USA, in Japan, Kanada oder Australien zugelassen sein. Dann genügt ein formloser Antrag auf Sonderzulassung, der entsprechende Nachweise enthält. Infos dazu finden sich auf der Internetseite des Bundesinstituts für Arzneimitel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn.

Die Preise für Schutzmasken, die vor der Corona-Pandemie 60 bis 70 Cent gekostet hatten, schossen zwischenzeitlich durch die Decke, weil es über mehrere Wochen einen Lieferengpass gab. „Manche Lieferanten verlangten dafür sechs bis sieben Euro“, sagt der DRK-Kreisgeschäftsführer Klaus Rau. „Die haben sich verzockt. Mit ihnen mache ich keine Geschäfte mehr.“ Aktuell kosteten die Schutzmasken rund drei Euro.

Auch für die Polizei hat Werner Gollmer Schutzmasken besorgt, da er mitbekommen hatte, dass die Beamten ebenfalls nicht ausreichend versorgt waren. 600 hat das Polizeipräsidium Reutlingen bereits abgenommen. Weitere 400 werden nachgeliefert. Entsprechend den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und des polizeiärztlichen Dienstes schützen sich die Beamten damit vor einer Infektion beim Kontakt mit Covid-19-Erkrankten. Für die zentrale Beschaffung von Schutzmasken sei das Logistikzentrum Baden-Württemberg zuständig, erklärt der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen, Björn Reusch. Material auch anderweitig zu beschaffen, sei nicht außergewöhnlich. „Inzwischen sind wir gut mit Schutzmasken versorgt“, sagt der Leiter des Kirchheimer Polizeireviers, Fabian Mayer. Die Lieferungen kämen sukzessive an. Das habe vor ein paar Wochen ganz anders ausgesehen. ank

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