Lenninger Tal

Deutsch ist mehr als Handwerkszeug

Die Firma Hartmann in Oberlenningen bietet ihren Azubis und Fachkräften Sprachkurse

Azubis und Fachkräfte zu bekommen, ist schwer. Die Oberlenninger Firma Hartmann Heizung, Sanitär macht deshalb aus der Not eine Tugend und wirbt Leute aus dem Ausland an. Der hausinterne Deutschkurs gehört dazu.

Montags und donnerstags unterrichtet Aliessa Bernhardt nach Feierabend Azubis und Facharbeiter der Oberlenninger Firma Hartmann,
Montags und donnerstags unterrichtet Aliessa Bernhardt nach Feierabend Azubis und Facharbeiter der Oberlenninger Firma Hartmann, die Deutsch nicht als Muttersprache haben. Satzbau und Grammatik sind für die meisten eine Herausforderung.Foto: Carsten Riedl

Lenningen. „Wenn ich endlich Firmenboss werde, wird alles ganz anders werden.“ Zehn Männer und eine Frau beugen sich über den Text und brüten über der Bildung des deutschen Futur I. Montags und donnerstags kommt die angehende Lehrerin Aliessa Bernhardt nach Feierabend in den Aufenthaltsraum der Firma Hartmann nach Oberlenningen, um Azubis oder Facharbeitern und deren Angehörigen mit verschiedenen Muttersprachen Deutsch beizubringen.

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„Die Herausforderung ist, sie gemeinsam zu unterrichten, obwohl sie ein ganz unterschiedliches Sprachniveau haben“, sagt die Chefin Katrin Hartmann. Es gehe nicht um Fachbegriffe. „Was Hammer oder Zange heißt, lernen sie auf der Baustelle.“ Der Betrieb legt vielmehr Wert darauf, dass sich die Angestellten unterhalten können. „Wir wollen nicht, dass unsere Mitarbeiter nach 40 Jahren immer noch kein Deutsch können“, so Katrin Hartmann. „Außerdem möchten wir diejenigen, die zu uns kommen, möglichst schnell als Facharbeiter beschäftigen und sie sollen auf der Baustelle Führungspositionen übernehmen.“

Bereits vor drei Jahren hat Roland Hartmann vier Facharbeiter aus Spanien angeheuert. Ihnen einen Deutschkurs anzubieten, verstand sich für den Chef von selbst. Der einstige Einmannbetrieb ist 26 Jahre nach der Übernahme auf 45 Köpfe angewachsen. Facharbeiter und Azubis zu finden, wird immer schwieriger.

Den Kontakt zu den beiden spanischen Azubis, den 18-jährigen Javie und den 23-jährigen Francisco, hat die Oberlenninger Firma über das Kolping Bildungswerk geknüpft. „Klar war, dass wir auf jeden Fall zwei nehmen. Einer würde sich hier doch alleine fühlen“, sagt Katrin Hartmann. Ein sechswöchiges Praktikum im Sommer nutzten Betrieb und künftige Lehrlinge, um sich kennenzulernen.

Die Firma hat noch mehr Azubis ohne familiäre deutsche Wurzeln: den 27-jährigen Bosnier Adnan, den 21-jährigen Jordan aus England und schließlich Luka. Der in Deutschland geborene Kroate ist 20 Jahre alt. „Er spricht fließend Deutsch und soll sich um die anderen kümmern“, sagt Katrin Hartmann. Gelegentlich packt sie ihr Schulspanisch aus und fühlt sich den Azubis gegenüber in der Mutterrolle, wenn es Organisatorisches zu erledigen gilt, wie das Buchen von Flügen in die Heimat.

Ihr Mann lobt die Zuverlässigkeit der Azubis, weiß aber auch, dass es für viele von ihnen etwas Neues ist, pünktlich ihr Geld zu bekommen.

Eine spanische Siesta gibt es auf der Baustelle indes nicht. „Sie sind alle hergekommen, um zu arbeiten und Geld zu verdienen“, meint Hartmann lachend. Nach Feierabend – wenn nicht gerade Deutsch gebüffelt wird – geht es familiär zu: Die Mitarbeiter sitzen gerne noch zusammen, kickern oder liefern sich im Gang ein Tischtennismatch.