Lenninger Tal

Die alte Esche im Hof der Teck wird gefällt

Aus Sicherheitsgründen machen sich bald Sägen an dem erkrankten Laubbaum zu schaffen

Noch ist die Esche im Burghof der Teck ein echter Hingucker. Doch vielleicht schon heute könnte der stattliche Baum gefällt werden, der vielen von Ausflügen bekannt ist. Anlass zu der Aktion gibt dem Schwäbischen Albverein zufolge das hohe Alter des Baumes und ein japanischer Pilz, der nicht nur die Esche im Innenhof befallen hat, sondern auch ihre Artgenossen rund um den Berg.

Vor lauter Laub sieht man im Sommer den Pilz nicht, der auch am Teckhang ein Eschensterben verursacht. Jetzt wird ein markanter
Vor lauter Laub sieht man im Sommer den Pilz nicht, der auch am Teckhang ein Eschensterben verursacht. Jetzt wird ein markanter Baum im Innenhof der Teck gefällt.Foto: Daniela Haußmann

Owen. Die Esche ist ein geschätzter Werkstoff. Ob Parkett, Fußbodendielen, Treppenstufen und -geländer, Möbel in Küchen, Wohn- und Schlafräumen – das Holz des Baumes ist im Innenausbau gefragt. Aber auch bei der Herstellung verschiedener Sportgeräte, wie Schlitten, Barrenholmen, Ruder oder Bögen findet Eschenholz aufgrund seiner Elastizität Verwendung. Doch um die Zukunft der Baumart ist es schlecht bestellt, wie der Vizepräsident des Schwäbischen Albvereins, Reinhard Wolf, weiß. Schuld ist ein japanischer Pilz, der sich quer durch das mitteleuropäische Verbreitungsgebiet bis hoch ins Baltikum frisst und für ein großflächiges Eschensterben sorgt.

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Gegen die Plage ist laut Reinhard Wolf kein Kraut gewachsen. Alle Versuche und Maßnahmen, die Pilzinfektion zu bekämpfen, seien bislang fehlgeschlagen. Die Eschenbestände werden sich nach Ansicht des Experten daher mit Blick auf die Zukunft zwangsläufig enorm reduzieren, wenn sie nicht sogar ganz verschwinden. „Allein in Marbach am Neckar wurden im vergangenen Jahr rund 500 kranke Eschen gefällt“, erzählt Reinhard Wolf. Auch Bäume am Berg der Teck seien von der Krankheit betroffen.

„Schon im Frühjahr war zu sehen, dass es die Eschen in der Nähe vom Parkplatz Hörnle ganz gehörig erwischt hat“, berichtet der Fachmann. Der japanische Pilz könne sich massenhaft über den Wind ausbreiten und so größere Distanzen problemlos überwinden. Der Organismus gelange über die Rinde in die Leitungsbahnen, die sogenannten Kapillaren, und verstopfe sie. Damit schnürt er betroffenen Bäumen regelrecht den Saft ab. „Die Wasserzufuhr, die die Basis für wichtige Stoffwechselprozesse bildet, wird unterbrochen“, erklärt Reinhard Wolf. „So kommt das Wachstum langsam zum Erliegen, genauso wie die Knospen- und Laubbildung.“

Auch die Esche im Innenhof der Teck ist betroffen. Das markante Wahrzeichen der Burg, vom dem Reinhard Wolf schätzt, dass es seit 90  bis 110 Jahren dort steht, wirft seine Samen nicht mehr ab. „Sie bleiben den ganzen Winter über an dem Baum hängen“, berichtet der Experte. „Das ist ein Anzeichen für den Pilzbefall.“ Wenn der Schwäbische Albverein die Esche nicht fälle würde, dann würde sie laut Reinhard Wolf 2016 nur noch halb so viel Laub tragen, 2017 nur noch ein Viertel und bereits 2018 wäre sie völlig kahl. Doch die Erkrankung ist nicht der einzige Grund, weshalb das Wahrzeichen der Teck weichen muss.

Bedingt durch das Alter des Baumes nimmt die Brüchigkeit der Äste zu. „Anders als Buchen oder Eichen ist Eschen schwer anzusehen, ob Äste bald herunterfallen oder nicht“, so Wolf. „Das liegt am Wuchs.“ Bei einer Eiche müssten die Äste erst einmal morsch werden, bevor sie herunterfallen. „Von einer Esche kann allerdings von heute auf morgen plötzlich ein Ast abbrechen, ohne, dass es vorherzusehen war“, erklärt Reinhard Wolf. „Um die Sicherheit für Besucher, die einen Ausflug auf die Teck unternehmen, weiter zu gewährleisten, muss die Esche gefällt werden.“

Aus diesem Grund hat der Schwäbische Albverein 2008 acht Bäume im Burghof gepflanzt, darunter Kiefer, Eiche, Linde, Berg- und Feldahorn. „Das Eschensterben war damals noch unbekannt und nicht der Anlass der Pflanzaktion“, erzählt er. „Die Beseitigung des Baumes, auch wenn sie wegen des Pilzbefalls früher notwendig wurde als gedacht, war absehbar. Deshalb haben wir damals die Ersatzbäume gepflanzt.“ In wenigen Tagen heißt es nun Abschied nehmen. Dann wird die Esche mit einer speziellen Seilklettertechnik gefällt. Das vertraute Wahrzeichen wird sicherlich eine Lücke hinterlassen, an die sich der ein oder andere regelmäßige Burgbesucher wahrscheinlich erst gewöhnen muss.