Lenninger Tal

Die alte Spindelfabrik Novibra: Von Bombenschlägen nach Owen gelotst

Adlersaal wird zur Fabrik: Eigentlich stammt die Novibra GmbH aus Stuttgart. Doch 1944 wurde das Betriebsgelände von Novibra in Bad Cannstatt durch Bomben vollständig zerstört – für den Gründer, Carl Staufert, ein großer Rückschlag. Um zumindest einen Teil der Produktion fortführen zu können, brachte er die Novibra in seine Heimatstadt Owen. Vorübergehend wurde der Betrieb in den Saal der Owener Gaststätte Adler verlagert. Dort konnte man immerhin ein paar Maschinen unterbringen. Nach dem Krieg entstanden die Fabrikhallen in der Neuen Straße: Aus der Übergangslösung wurde schließlich eine feste Zweigstelle an der Teck.

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Erfolgsgeschichte: Rund 280 Mitarbeiter, darunter auch viele Owener, beschäftigte die Firma unter dem Sohn des Gründers und späterem Chef Helmut Staufert in ihren besten Zeiten. Die hergestellten Textilspindeln und elektronischen Messtechniken wurden zu großen Teilen ins Ausland exportiert, erinnert sich der damalige Leiter der Materialwirtschaft Kurt Stümpflen. Ihre Besonderheit steckt schon im Namen: Novibra-Spindeln vibrierten nicht. Auch der „Nachbar“ Leuze Textil sponn teilweise mit Novibra-Erzeugnissen. Fast 50 Jahre lang war die Spindelfabrik so eine große Nummer in Owens Gewerbelandschaft.

Soziale Siebziger: Helmut Staufert galt als äußerst sozial. Für seine Mitarbeiter förderte er den Wohnungsbau in Owen. In den Siebzigerjahren gab es in den Betriebsräumen sogar einen kleinen „Kindergarten“ für den Nachwuchs beschäftigter Frauen. Dort wurden bis zu zehn Kinder betreut. Die leitenden Angestellten wohnten in einem großen Haus direkt auf dem Betriebsgelände.

Anfang vom Ende: Als einer der Hauptkunden zur Konkurrenz wechselte, wurde der Anfang vom Ende der Novibra GmbH eingeläutet. Damit brachen plötzlich etwa 70 Prozent des Umsatzes weg. 1985 starb Helmut Staufert bei einem Betriebsunfall: Bei einem Experimentier-Versuch explodierte eine Spindel und verletzte ihn tödlich.

Zweites Leben in Tschechien: Ende der Achtzigerjahre wurde der Elektronikzweig der Firma verkauft. Ein Konzern in Süßen übernahm das Spindelgeschäft, und auch die Verwaltung wanderte aus Owen ab. Einzelne Maschinen wurden nach Tschechien, China und Indien verlagert. 1994 war dann endgültig Schluss in Owen: Die letzten Mitarbeiter mussten ihre Sachen packen. Doch der Name der Firma lebt in Tschechien weiter: Noch heute werden in Boskovice Novibra-Spindeln produziert. mona