Lenninger Tal

„Die Gäste freuen sich, dass der Lift läuft“

Wintersport Am Bewegungszentrum Pfulb herrscht an den Wochenenden dank bestens präparierter Pisten Hochbetrieb. Die Chefin Gabi Kazmaier kann auf viele ehrenamtliche Helfer zählen. Von Anke Kirsammer

An der Pfulb drehen sich teils auch bei Flutlicht die Liftbügel.
Fotos: Carsten Riedl
Mit der Gründung eines inklusiven Bewegungszentrums und dem Kauf des Skilifts Pfulb im vergangenen Frühjahr hat sich Gabi Kazmaier einen Lebenstraum erfüllt. Im Sommer startete die Lehrerin für Sonderpädagogik mit verschiedenen Angeboten für Menschen mit Behinderung durch. Der Liftbetrieb lag hingegen für einen Winter auf Eis, weil der Kauf noch nicht unter Dach und Fach war. Doch seit gut zwei Wochen können Skifahrer und Snowboarder auf der Alb dank einer perfekten Schneedecke ihrem Hobby frönen. An der Pfulb drehen sich die Liftbügel, und in der urigen Hütte rücken die Gäste bei Flädlessuppe oder Linsen und Spätzle zusammen. Der Teckbote hat Gabi Kazmaier um ein erstes Stimmungsbild gebeten.
Zwei Wochenenden mit super Bedingungen liegen hinter dem Bewegungszentrum Pfulb. Wie geht es Ihnen?
Gabi Kazmaier: Gut! Es ist toll, dass wir mit dem Liftbetrieb und der Hüttenbewirtung loslegen konnten. Leider nicht sofort mit den ersten Schneeflocken am Ende der Weihnachtsferien, aber seit dem 9. Januar läuft bei uns der Lift.
Der Start war nicht ganz einfach mit zwei kaputten Pistenbullys. Ich nehme an, da ist der Blutdruck kurz nach oben gegangen. Wie haben Sie für Ersatz gesorgt?
Kazmaier: Da hatten wir in der Tat vorübergehend ein Problem, mit dem wir so im Vorfeld nicht rechnen konnten. Verwandte, Nachbarn und Freunde haben mit angepackt, um den Skifahrern eine gut präparierte Piste bieten zu können.
Volle Pisten bedeuten auch eine volle Hütte. Wie lässt sich denn die Menge an Essen und Getränken überhaupt planen, die an solchen Großkampftagen benötigt werden?
Auch das ist tatsächlich Neuland für uns. Wir sind sehr dankbar, dass wir auf befreundete Metzger und Bäcker aus dem Ort zurückgreifen können, die uns bis jetzt auch sehr kurzfristig beliefert haben. Außerdem war am ersten Wochenende bereits am Samstagabend der gesamte Kuchen, den wir fürs Wochenende geplant hatten, verkauft. Innerhalb einer halben Stunde haben sich aber genügend Frauen gefunden, die bereit waren, spontan einen Kuchen für den Sonntag zu backen.
Gibt es schon ein Feedback der Gäste?
Oh ja! Die Vereine aus der Umgebung, die zurückgekommen sind, freuen sich, dass der Lift- und Hüttenbetrieb wieder aufgenommen wurde. Auch die anderen Ski- und Snowboarder, Schlittenfahrer, Langläufer und Wanderer sind froh, dass sie wieder in der urigen Pfulbhütte einkehren können. Sie loben unsere ehrenamtlichen Helfer, und bis jetzt wurde auch verziehen, wenn nicht alles sofort rund lief.
Und wie ist die Stimmung beim Personal?
Viele freuen sich, dass sie beim Aufbau des Bewegungszentrums dabei sein können. Einhellig bekommen wir von unseren Ehrenamtlichen immer wieder zu hören, dass sich am Lift, in der Hütte und am Kiosk nette Gespräche ergeben.
Apropos Personal: Finden sich denn genügend Leute, die bereit sind, am Lift, am Kiosk und in der Hütte zu helfen?
Bis jetzt hatten wir da noch keine Probleme und es haben sich immer kurzfristig Leute zum Helfen bereit erklärt. Wir hoffen, dass dies auch in den kommenden Wochen, solange noch Schnee liegt, der Fall sein wird. An diesem Wochenende und am darauffolgenden veranstalten einige Skiklubs ihre Vereins- beziehungsweise Stadtmeisterschaften an der Pfulb. Da benötigen wir nochmals viele Helfer. Ab dem Frühjahr sind die Einsätze ja dann planbarer und dadurch, dass der Liftbetrieb wegfällt, brauchen wir auch deutlich weniger Personal.
Rennen wie der Nachttorlauf finden dieses Jahr nicht wie früher an der Pfulb, sondern in Laichingen statt. Können Sie uns sagen warum?
Aufgrund der technischen Probleme mit dem Pistenbully konnten wir die Piste nicht rechtzeitig so präparieren, dass es den ausrichtenden Skiklubs genügt hätte. Für die weiteren Rennen wurden wir nicht mehr angefragt.
Bedauern Sie das?
Ja klar, einerseits ist es sehr schade, denn wir haben wirklich alles versucht, um eine ordentliche Piste hinzubekommen. Andererseits können wir natürlich nachvollziehen, dass die Vereine ihr Rennen auch rechtzeitig planen und organisieren müssen.
Für Sie selbst bedeutet das Bewegungszentrum viel Organisationsaufwand. Während des Liftbetriebs müssen Sie sich darum kümmern, dass alles läuft. Bleibt denn im Moment überhaupt Zeit, Menschen mit Behinderung einen Skikurs anzubieten?
Im Moment kann ich nur auf Anfrage und recht kurzfristig Ski- beziehungsweise Langlaufkurse anbieten. Umso mehr hat mich gefreut, dass am vergangenen Wochenende ein Jugendlicher, der im Dualski (das ist ein Sitzski, der in Frankreich entwickelt wurde) fährt und von seinem Vater begleitet wurde, bei uns Ski gefahren ist. Diese Familie hat bei mir vor acht Jahren den ersten Sitzskikurs an der Pfulb gemacht.
Angestrebt ist eine Öffnung der Hütte auch unabhängig vom Lift. Wissen Sie schon, wie die Öffnungszeiten aussehen, wenn kein Schnee mehr liegt?
Wenn der Lift läuft, ist auch die Pfulbhütte geöffnet. Liegt kein Schnee mehr, wollen wir die Hütte bis zum 24. Februar sonntags von 11 bis 17 Uhr öffnen. Anschließend gibt es eine Pause. Die Öffnungszeiten für den Sommerbetrieb stehen noch nicht fest.
INFO: Wer in das Team der ehrenamtlichen Helfer des Bewegungszentrums Pfulb einsteigen möchte, kann sich melden unter folgender E-Mail-Adresse:
bewegungszentrumpfulb@web.de
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Trotz Betriebs: Zwischendurch bleibt Gabi Kazmaier (vorne) und den Helfern in der Küche der Pfulbhütte Zeit für ein Schwätzchen.