Lenninger Tal

Die Gerüchteküche brodelt

Stefan Finger und Ralf Stümpfle bleiben dem Gasthaus Hirsch in Schlattstall treu

Zwiebelrostbraten und Alb-Forellen kommen im Schlattstaller Gasthaus Hirsch weiterhin auf den Tisch. An Wegzugsgerüchten der Pächter ist nichts dran.

Ralf Stümpfle (links) und Stefan Finger fühlen sich im idyllischen Schlattstall „sauwohl“.Foto: Carsten Riedl
Ralf Stümpfle (links) und Stefan Finger fühlen sich im idyllischen Schlattstall „sauwohl“.Foto: Carsten Riedl

Lenningen. Viele Gäste werden aufatmen: Stefan Finger und Ralf Stümpfle betreiben das Traditionsgasthaus in Schlattstall weiter. Andere Pläne wurden von den beiden Gastronomen auch nie verfolgt. Woher das Gerücht kam, dass sie Schlattstall den Rücken kehren und das „Gasthaus zur Teck“ in Dettingen übernehmen würden, können sich Stefan Finger und Ralf Stümpfle nicht erklären. „Wir fühlen uns hier sauwohl“, sagt Stefan Finger, der betont, dass er selbst deshalb nie an die Presse gegangen wäre.

Auf das Gerücht angesprochen, das nicht nur im Lenninger Tal die Runde machte, reagiert der 44-Jährige verärgert: „Das ist geschäftsschädigend.“ So gab es Gäste, die ankündigten, mit dem nächsten Besuch bis nach dem Umzug ins neue Lokal zu warten. Wie das Gerücht in Umlauf kam, kann sich Stefan Finger nicht erklären. „Außer, dass ich dort mal ein Praktikum gemacht habe und an der Wirtschaft vorbei muss, wenn ich zum Friedhof gehe, habe ich mit dem Froscha-Beck nichts zu tun“, sagt der Koch, der mit seiner Familie in Dettingen wohnt.

Vor sechs Jahren haben Ralf Stümpfle und Stefan Finger den Hirsch in Schlattstall übernommen. Viele Stammgäste aus dem Lenninger Tal, aber auch aus dem Raum Stuttgart oder Ulm sind der urig-schwäbischen Wirtschaft treu geblieben, jüngere Leute aus dem eigenen Bekanntenkreis hinzugekommen. Zwei-, dreimal in der Woche ist der Verpächter Helmut Steudle im Haus. „Er macht seinen Wein und kommt zum Essen“, so Stefan Finger über den Freund, der das Lokal mit seiner Frau Jahrzehnte betrieben hatte.

Stefan Finger und Ralf Stümpfle kennen sich schon von Kindesbeinen an. Beruflich kreuzten sich ihre Wege im Restaurant Burg Staufeneck. In dem Gourmet-Lokal arbeitete Stefan Finger längst als Küchenchef, als Ralf Stümpfle dort eine Lehre als Koch begann. Dass Stümpfle in Schlattstall für den Service zuständig ist, hat sich so eingespielt.

„Wir genießen es, weg vom Schuss zu sein“, sagt Stefan Finger. Das garantiert flexible Öffnungszeiten. „Wenn wir eine geschlossene Gesellschaft haben, können wir hinterher zumachen.“ Einen Mittagstisch gibt es im Hirsch nicht, wohl aber eine oder zwei mündliche, preislich eher gehobenere Empfehlungen. Das kann ein Kotelett vom Freilandschwein, eine Seezunge oder ein Reh aus Lenninger Jagd sein. „Wir müssen niemanden unterbieten“, so der Koch. Sonntagmittags empfiehlt er, zu reservieren. „Wenn wir wissen, dass 50 Gäste kommen, können wir ganz anders in den Service reingehen.“ Was den beiden eingefleischten Wirten genauso gefällt wie den Gästen, ist die Wohnzimmeratmosphäre in den niedrigen Räumen, die noch genauso eingerichtet sind wie vor 30, 40 Jahren. Auch die Sanierung der ­B 465 in Oberlenningen hat den Zulauf nach anfänglichen Schwierigkeiten nicht geschmälert. „Ein bisschen Bauchweh haben wir vor der Vollsperrung im November“, gibt Stefan Finger zu. „Uns Gastronomen wäre es lieber, wenn dienstags und mittwochs gesperrt wäre“, sagt er augenzwinkernd. „Da haben wir zu.“ Jetzt ist erst einmal Urlauben angesagt, bevor am 25. August die Eingangstür wieder offensteht und Stefan Finger und Ralf Stümpfle ihre Gäste wieder empfangen – in Schlattstall versteht sich.

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