Lenninger Tal

Die Hauptverkehrsader ist gekappt

Baustelle Bis zum 27. November bleibt die Bundesstraße zwischen Ober- und Unterlenningen gesperrt. ­Einzelhändler fürchten um ihre Umsätze. Privatleute suchen ganz unterschiedliche Lösungen. Von Anke Kirsammer

Die Tachostände der Bewohner des Lenninger Tals werden in den nächsten Tagen nach oben schnellen. Der Weg zwischen Ober- und Unterlenningen – eigentlich ein Katzensprung – bewegt sich derzeit bei gut 20 Kilometern. Wer auf das Auto angewiesen ist, muss bis Ende nächster Woche über die Alb fahren. Abschließende Arbeiten auf der B 465 auf Höhe der Papierfabrik Scheufelen erfordern eine 14-tägige Vollsperrung. 14 Tage, die einen Ausnahmezustand bedeuten. Betroffen sind Arbeitnehmer, die talauf- oder talabwärts pendeln, genauso wie Handwerker und Einzelhändler sowie Eltern, die ihre Sprösslinge beispielsweise von Brucken nach Oberlenningen zum Kindergarten fahren.

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Jeder hat sich auf seine Weise darauf eingestellt, dass die Verkehrsader zwischen den beiden Ortsteilen gekappt ist. Hamsterkäufe waren vergangene Woche an der Tagesordnung. Wer kann, arbeitet von zu Hause aus, nutzt den Bus oder die Teckbahn oder baut Resturlaub ab. Die SG Teck lässt das Fußballtraining einzelner Jugendmannschaften ausfallen. „In der Musikschule haben wir Unterricht teilweise vorgezogen oder holen ihn nach“, sagt Vera Reinold, die zahlreiche Gruppen im Tal und auf der Alb leitet.

Auf zwei harte Wochen stellt sich der Einzelhandel ein: „Mindestens die Hälfte unserer Kunden kommt aus Unterlenningen, Brucken oder Owen“, erzählt Jochen Ehni, Chef der gleichnamigen Metzgerei mit Filialen in Gutenberg, Oberlenningen und Waldenbuch. „Für unsere Kunden ist die Umleitung drastisch“, sagt er. Deshalb bietet er an, bestellte Ware an die Haustür zu bringen.

Einen kostenlosen Lieferservice gibt es auch in der Apotheke Lenningen. Inhaber Andreas Herbster rechnet durch die Sperrung nicht nur mit Einbußen von 30 Prozent. „Bei mir verschieben sich zudem eng getaktete Abläufe“, moniert der Apotheker. Zweimal am Tag, in Notfällen auch öfter, beliefert er die Pflegeheime in Unterlenningen und Dettingen mit Medikamenten.

Gespannt ist Karl Sigel, Seniorchef von Edeka Sigel in Oberlenningen, wie sich die Sperrung auswirkt. Leute aus Unterlenningen oder Brucken, die regelmäßig bei ihm einkauften, werde er in den beiden Wochen verlieren, dafür käme der eine oder andere Oberlenninger vielleicht verstärkt in den Laden. „Das wird sich fast die Waage halten“, mutmaßt er. Die Fahrt zum Großmarkt nach Stuttgart wird für den Lebensmittelhändler in jedem Fall länger. Gemäß Karl Sigel müsste das nicht sein: „Man sollte den Weg an der Kläranlage ausbauen, sodass zwei Autos aneinander vorbeikommen.“ Der ehemalige, langjährige Gemeinderat erinnert daran, dass die Diskussion im Rathaus schon öfter geführt wurde. „Ist die Bundesstraße zu, sind wir jedes Mal abgeschnitten.“

Von einem Ausbau hält der Lenninger Hauptamtsleiter Günther Kern wenig, befürchtet er doch, dass sich auf dem Sträßchen ein Schleichverkehr etablieren würde. Ausnahmegenehmigungen gibt es auch während der jetzigen Sperrung nicht. Ärzte, Apotheker, Taxen, Fahrdienste für Kinder oder behinderte Menschen und Handwerker hätten unter anderem angefragt, so Kern. – „Alles Menschen, die einen nachvollziehbaren Grund haben.“ Der Hauptamtsleiter ist überzeugt, dass der Begegnungsverkehr auf dem schmalen Weg nicht funktioniert. Das Landratsamt habe angeordnet, dass der Feldweg lediglich von Rettungsfahrzeugen und Bussen genutzt werden dürfe. Letztere werden bis Donnerstagnachmittag kommender Woche noch durch die Baustelle geleitet.

Laut Peter Schaufler vom Tiefbauamt bleibt der Abschnitt zwischen Marktstraße und Brunnensteige offen. Bis Donnerstag, 24. November, um 16 Uhr kann auch der Parkplatz an der Unterlenninger Sporthalle angefahren werden. Zuversichtlich sind die Verantwortlichen, dass der Verkehr auf der B 465 von Montag, 28. November, an auf einem neuen Deckbelag fließen kann. Wie Bauleiter Thomas Wamsler sagt, könnte höchstens Dauerfrost Ende nächster Woche die Pläne zunichte machen.

Erst einmal heißt es also „durchhalten“. Das gilt auch für Bürgermeister Michael Schlecht, der trotz Kälte die sportliche Variante wählt: Der in Unterlenningen wohnende Verwaltungschef steuert während der Straßensperrung das Oberlenninger Rathaus zu Fuß oder per Rad an.