Lenninger Tal

Die Kitas platzen aus allen Nähten

Bedarfsplanung Der Gemeinde Lenningen fehlen bis 2024 voraussichtlich acht Gruppen in den Kindergärten. Die Ganztagesbetreuung auch für die Kleinsten muss ausgebaut werden. Von Anke Kirsammer

Die Lenninger Kindergartenlandschaft ist bunt, doch es fehlt massiv an Plätzen.Foto: Jean-Luc Jacques
Die Lenninger Kindergartenlandschaft ist bunt, doch es fehlt massiv an Plätzen. Foto: Jean-Luc Jacques

Hundert Seiten Umfang hat das Paket, das die Kommunalentwicklung (KE) den Lenninger Gemeinderäten auf den Tisch gelegt hat. Was Verwaltung und Ratsgremium da zu lesen bekommen, ist schwere Kost: In den Kindergärten fehlen gewaltig Plätze, es mangelt an Öffnungszeiten, die Gebäude sind großteils in die Jahre gekommen, und mitunter geht es darin äußerst eng zu. „Es sind relativ triste Zahlen, die wir Ihnen präsentieren“, sagte Kariane Höhn, Kommunalberaterin mit dem Schwerpunkt Kindertagesbetreuung. Bis 2024/25 fehlen in der Gemeinde insgesamt acht Gruppen. Die Kosten allein für deren Bau beliefen sich auf acht Millionen Euro. Lenningen liegt damit im Landes-trend. Pro 1000 Einwohner fehlt gemäß Martin Joos von der KE meist eine Kindergartengruppe. „Willkommen im Klub!“, sagte er flapsig. Landesweit gehe man davon aus, dass in fünf Jahren der Gipfel des Bedarfs erreicht ist. Anschließend werden die Plätze weiterhin benötigt - dann jedoch verstärkt in Ganztagesangeboten.

Erstmals hat die Gemeinde Lenningen die immer komplexer werdende Bedarfsplanung für die Kindergärten nach außen vergeben und damit eine objektive Sicht auf die sieben Einrichtungen bekommen. Einbezogen wurde die Schulkindbetreuung. Kernpunkt ist der Blick in die Zukunft. Dazu hat Martin Joos die Entwicklung der Einwohnerzahlen unter die Lupe genommen. Nach einer längeren Talfahrt gibt es seit fünf Jahren wieder mehr Zu- als Wegzüge, darunter viele Familien. Die Geburten steigen seit 2014 ebenfalls wieder. Martin Joos geht davon aus, dass Lenningen 2035 rund 500 Einwohner mehr hat als derzeit. Erklären lässt sich das durch das Ausweisen neuer Baugebiete wie den „Lüxen“ in Brucken sowie die Innenverdichtung in den verschiedenen Ortsteilen.

70 Prozent der 13 Kindergartengruppen haben täglich nur sechs Stunden geöffnet beziehungsweise über Mittag geschlossen, und lediglich 13 Prozent sind Ganztagesplätze. „Sie haben ein relativ konservatives Betreuungsangebot“, sagte Kariane Höhn dazu. Ernüchternd ist auch die Qualität der Gebäude: Sie wurden alle in einer Zeit gebaut, in der es deutlich geringere gesetzliche Anforderungen als heute gab. Das Team im Kindergarten „Regenbogen“ in Oberlenningen beispielsweise arbeitet an der Kapazitätsgrenze, weil die einst zweigruppige Einrichtung inzwischen dreieinhalb Gruppen beherbergt. Komfortabler sieht es in Schopfloch und Hochwang aus. „Die Tallagen liegen im Schatten der Alb“, so brachte es Kariane Höhn auf den Punkt. Bei der Schulkindbetreuung übte sie vor allem Kritik an dem Raum der Kernzeitenbetreuung in einem in die Jahre gekommenen Behelfsbau in Oberlenningen. Dagegen sei der Hort hochwertig untergebracht. Weil es in Unterlenningen kaum Rückzugsmöglichkeiten für die Kinder gibt, sei auch hier Luft nach oben.

„Klein rein, groß raus“ unter dieses Motto stellte sie ihre Vorschläge: Zwar müssten nicht alle Standorte sämtliche Betreuungsarten anbieten, aber es gelte, die „Huckepack-Kinder“, die in andere Ortsteile pendeln, zu minimieren. Außerdem dürften die Standorte etwas mehr Profil zeigen. Das könne vom bewegungsfreundlichen Kindergarten bis zum „Haus der kleinen Forscher“ reichen. Relativ einfach und ohne großen finanziellen Aufwand ließe sich beispielsweise in Brucken ein Naturkindergarten einrichten. Einzelnen Gruppen empfahl sie, ihre Öffnungszeiten wenigstens auf 35 Stunden pro Woche zu erhöhen. Damit kämen Familien ein Stück weiter, und das gäben die Gebäude noch her. „Ob es allerdings geschickt ist, wenn Kinder zweimal ein Knäckebrot vespern und kein warmes Mittagessen bekommen, ist eine andere Frage.“ In Oberlenningen müsste der 94 Jahre alte Tobelkindergarten aufgegeben und ein Neubau für gegebenenfalls sechs Gruppen erstellt werden. Handlungsbedarf gibt es auch in Unterlenningen und beim Ausbau der Betreuung von Schulkindern.

 

Kommentar zum Thema

„Solch eine Planung haben wir nicht erwartet“, räumte Bürgermeister Michael Schlecht ein. „Wir müssen uns dem Ausmaß stellen und haben Nachholbedarf.“ Die Kommunen bekämen immer neue Aufgaben, aber nicht die notwendige finanzielle Unterstützung. Unterm Strich belaufen sich die vorgeschlagenen Investitionen mittelfristig auf 12 bis 15 Millionen Euro. Das Papier soll dem Gemeinderat als Grundlage für künftige Entscheidungen dienen.

 

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