Lenninger Tal

Die Kunst, zufrieden zu sein

Vortrag Pater Anselm Grün sprach in seinem Vortrag in der katholischen Kirche in Oberlenningen darüber, wie man zufriedener werden kann. Von Monika Läufle

Pater Anselm braucht keine großen Gesten, kein Tamtam, keinen Klamauk. Er wirkte authentisch, in sich ruhend und - passend zum Thema des Vortrags - zufrieden. Diese Stimmung übertrug sich auf sein Publikum, das seinem Vortrag gebannt lauschte. Fast 300 Zuhörer wollten wissen, wie man diese Zufriedenheit erlangen kann. Das Thema interessierte Frauen wie Männer gleichermaßen. Auch waren so gut wie alle Altersgruppen in der voll besetzen Kirche zu finden.

Aus Feinden Freunde machen - dies ist ein Schritt zu mehr Zufriedenheit. Mit Feinden meint Anselm Grün Gefühle wie Angst, Neid, Aggressionen oder Eifersucht. Wer frontal gegen solche Empfindungen kämpft, der macht sie nur stärker, warnte er. Stattdessen solle man sich bewusst machen, in welchen Situationen diese Gefühle auftreten. Hat man Angst vor einem Vortrag, solle man sich fragen, was die Angst für eine Bedeutung hat. Weil man fürchtet, sich zu blamieren? Weil man denkt, dass das Publikum einen ablehnt, wenn man Fehler macht? Ein wichtiger Schritt sei, zu lernen: „Ich bin wertvoll, auch wenn ich Fehler mache.“ So könne man mit der Angst - und damit mit den eigenen Schwächen und Fehlern - Frieden schließen. Dies sei ein wichtiger Weg zum Frieden.

Wer dankbar ist, ist zufrieden. Dies ist ein weiterer Aspekt der Zufriedenheit. Deshalb ist Dankbarkeit eine Haltung, die der Benediktinerpater dem Publikum ans Herz legte. Danken kommt von denken, erläuterte er. Anders gesagt: Wer undankbar ist, der denkt nicht richtig nach. Schließlich gibt es so viel, wofür man dankbar sein kann. Für gute Freunde oder funktionierende Beziehungen etwa. Außerdem kann man auch vielen anderen Menschen eine Freude machen. Wer freut sich nicht über ein ehrliches „Danke“, das ohne Hintergedanken ausgesprochen wird.

Eine weitere Haltung, die der Pater dem Publikum mit auf den Weg gab, ist Genügsamkeit. Hier hatte er einen Vergleich parat. Jeder, der Gäste einlädt, kenne das. Es gibt Gäste, die wissen nicht, wann genug ist. Die bleiben am Tisch sitzen, auch wenn die anderen schon aufgestanden sind. Da wisse man gar nicht, wie man sie los wird, scherzte Pater Anselm. Hier gilt es, das richtige Maß zu finden. Vor allem mit sich selbst. Viele kennen das Gefühl, nicht gut genug zu sein und nicht zu genügen. Hier hilft es, sich bewusst zu machen, dass man nicht perfekt sein muss. Wer einen Vortrag hält, der solle nicht erwarten, dass der Vortrag allen Zuhörern gefällt. Wer ein Seminar besucht, der solle das nicht mit der Erwartung tun, der Beste sein zu müssen. „Das ist nicht Faulheit“, betonte Pater Anselm. Es geht vielmehr darum, dass ein zu hohes Anspruchsdenken unzufrieden macht.

Anselm Grün erzählte von einem Bekannten, der sich des Öfteren vornimmt, sich komplett zu verändern. Einmal stellte er die Ernährung komplett um. Andere Male sprach er davon, ein „anderer Mensch“ zu werden. Solche Veränderungsstrategien sieht der Pater kritisch. Das Ziel könne nicht sein, ein anderer Mensch zu werden. Natürlich dürfe man versuchen, die einmalige Person zu werden, die Gott geschaffen hat. Das Ziel sollte aber sein, immer mehr man selbst zu werden. Und nicht, sich zu verändern, weil man das Gefühl hat, nicht gut genug zu sein.

Deshalb spricht Pater Anselm lieber von Verwandlung als von Veränderung. Ein kleiner, aber feiner Unterschied. Die Verwandlung ist wesentlich sanfter und wirksamer, erläuterte er.

Dass man sich hierbei mit sich selbst aussöhnt und vom Perfektionismus verabschiedet, ist eine weitere Zutat für mehr Zufriedenheit. Mit dem Vortrag schienen die Zuhörer jedenfalls zufrieden zu sein. Sie verabschiedeten Anselm Grün mit lang anhaltendem Applaus.

Über das Leben des Paters

Pater Anselm Grün wurde 1945 geboren und wuchs in München auf. Bereits mit 19 Jahren trat er in die Benediktinerabtei Münsterschwarzach bei Würzburg ein. Pater Anselm gibt Kurse, ist spiritueller und geistlicher Berater und hat sich einen Namen als Vortragsredner gemacht. Daneben ist er ein fleißiger Schriftsteller. Über 300 Bücher hat er bereits geschrieben, von denen weltweit über 14 Millionen Exemplare verkauft wurden. Bereits vor drei Jahren war Anselm Grün schon einmal in Oberlenningen. Wie damals fließt der Erlös in die Renovierung der St.-Mariä-Himmelfahrts-Kirche. Dieses Mal soll das Geld für die Sanierung des Daches verwendet werden.läu

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