Lenninger Tal

Die Leitplanke hält nicht immer stand

Unfälle Was klingt wie aus einem Actionfilm, ist in der Region nicht abwegig: Ein Auto kommt von einer Albsteige ab und stürzt den Hang hinab. Von Daniela Haußmann

Lkw-Unfall auf der Grabenstetter SteigeArchiv-Foto: Feuerwehr Lenningen
Lkw-Unfall auf der Grabenstetter SteigeArchiv-Foto: Feuerwehr Lenningen

Im August 2018 kam ein Pkw auf der Straße von Gruibingen Richtung Weilheim von der Straße ab und blieb im Wald in der Böschung liegen. Daran erinnert sich Norbert Wahl, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr (FFW) Weilheim, gut. Und vor einigen Jahren kippte ein 40 Tonnen schwerer Sattelzug an der Grabenstetter Steige über die Leitplanke.

Michael Eberle, Kommandant der FFW Lenningen, betont, dass moderne Leitplankensysteme hohen Schutz bieten, weil sie bei Kollisionen nachgeben, gleichzeitig Energie aufnehmen und sich damit bis zu einem gewissen Punkt dehnen. Nach Angabe der Gütegemeinschaft Stahlschutzplanke können neuste Systeme einen Sattelzug mit 38 Tonnen umleiten und einen Durchbruch verhindern. Fahrzeuge blieben bei einer Kollision steuer- und bremsbar. Norbert Wahl bestätigt das, gibt aber zu bedenken: „Ob ein Auto trotz Planke im Abhang landet, hängt auch von Einschlagwinkel, Anprallpunkt, Masse und anderen Faktoren ab.“

Johannes Konya von der Verkehrswacht Neuffen-Teck betont: „Je höher der Fahrzeugschwerpunkt liegt, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass ein Auto über die Leitplanke kippt.“ Dass ein solcher Fall eintritt, ist also bei Transportern oder SUVs eher gegeben als bei Sportwagen, wie der Fahrsicherheitstrainer ausführt.

Wer von Grabenstetten Richtung Lenninger Tal fährt, passiert unterhalb der Abbaustätte eine Kurve. Eine gefährliche Stelle, wie Jochen Mendl von der FFW Lenningen findet: „Der Lastverkehr aus dem Steinbruch trägt feine Gesteinspartikel auf die Straße. Mit der Reifendrehung in der Kurve wird die Fahrbahnoberfläche deshalb glattgeschmirgelt.“ Trotz Kehrmaschinen bildet sich bei Nässe ein Schmierfilm. Der wiederum ist in Kombination mit der glatten Oberfläche auch für Pkw gefährlich.

Hinzu kommt, dass es im unteren Streckenteil dieser Steige keine Leitplanke gibt. „Wer hier auf die Böschung kippt, kann auf die darunterliegende Fahrbahn fallen“, warnt Mendl. Er findet, dass die Albsteigen oft unterschätzt werden. „Viele wissen nicht, dass diese Straßen hauptsächlich im Sommer und nicht im Winter gesperrt sind“, klärt Michael Eberle auf. „Denn Starkregen und Stürme treten in dieser Jahreszeit gehäuft auf.“

2018 blockierten im Gebiet der FFW Lenningen zwei Bäume Straßen im Tal, ein anderer drohte auf die Grabenstetter Steige zu fallen. „Ob durch Kollision mit dem Stamm oder ein im Schrecken herumgerissenes Steuer - Fahrer tragen hier ein reelles Risiko, über Planken zu stürzen oder sie zu durchbrechen“, mahnt Michael Eberle. „Gleiches gilt für Geröll oder Erdmassen, die die Erosion öfter auf die Steigen-Fahrbahn trägt.“

Laut der DRK-Bergwacht Lenninger Tal ist vielen, die den Notruf wählen, in solchen Situationen nicht bewusst, dass sie der Leitstelle mitteilen müssen, dass auch die Bergwacht zu alarmieren ist. „Wir sind für die patientengerechte Rettung im unwegsamen Gelände zuständig“, sagt Pressesprecher Maximilian Groh.

Norbert Wahl hat bei Unfällen auf der Autobahn die Erfahrung gemacht, dass das automatische Notrufsystem im Wagen Signale sendet, die mitunter von der Ortsangabe ein bis zwei Kilometer abweichen. „Wir müssen die Unfallstelle somit erst suchen“, so Wahl. „Trotz Wartezeit also bitte Ruhe bewahren. Hilfe ist unterwegs.“ Da ein Auto im Steilhang von der Straße aus nicht unbedingt sichtbar ist, rät Jochen Mendl dazu, durch Hupen oder bei Nacht auch mit Lichtsignalen auf sich aufmerksam zu machen.

Er betont, dass Autos bei Steigen-Unfällen entweder so deformiert sind, dass Insassen eingeklemmt sind, oder der Pkw abgestürzt ist. Liegt er im Gefälle, muss jeder selbst entscheiden, ob er aussteigt. Denn es kann Absturzgefahr bestehen. Liegt der Wagen auf dem Dach, wird es knifflig. „Um den Gurt zu lösen, muss man kopfüber erst das eigene Körpergewicht stemmen“, erklärt Johannes Konya. „Dazu muss man sich mit den Füßen am Armaturenbrett abstützen, sonst fällt man mit seinem Gewicht kopfüber nach unten und riskiert Halswirbelverletzungen.“ Er rät daher, Ruhe zu bewahren und darüber hinaus stets vorausschauend, aber auch mit angepasster Geschwindigkeit zu fahren.

Wie holt man Hilfe?

Kernstück des Unfallmeldedienst genannten Notrufsystems für Autos ist ein Stecker für den Zigarettenanzünder. Sensoren erkennen eine Kollision und die Schwere. Die dazugehörige Smartphone-App meldet den Unfall an die Notrufzentrale.

Gebrauchtwagen ohne automatisches Notrufsystem lassen sich nachrüsten.

Wer einen Notruf mit dem Handy absetzen will, aber an dieser Stelle keinen Empfang hat, sollte das Gerät zunächst ausschalten.

Dann wird die 112 anstelle der eigenen PIN-Nummer beim Wiedereinschalten des Handys eingegeben. Denn über die Nummer 112 wird laut der DRK-Bergwacht Lenninger Tal automatisch das stärkste vor Ort verfügbare Netz angewählt. dh

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