Lenninger Tal

Die letzten Flüchtlinge sind weg

Asyl In dem Firmengebäude in der Oberlenninger Höllochstraße wohnen keine Geflüchteten mehr. Der Kreis hat viele Unterkünfte aufgegeben. Von Anke Kirsammer

Das umgebaute Bürogebäude in der Höllochstraße in Oberlenningen dient nicht mehr als Unterkunft für Flüchtlinge. Zu Spitzenzeite
Das umgebaute Bürogebäude in der Höllochstraße in Oberlenningen dient nicht mehr als Unterkunft für Flüchtlinge. Zu Spitzenzeiten wohnten dort 80 Asylbewerber. Foto: Markus Brändli

Vor knapp drei Jahren wurde die Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in der Höllochstraße in Oberlenningen mit großem Bahnhof bezogen. Die letzten Bewohner haben nun Ende November von der Öffentlichkeit unbemerkt die Tür hinter sich zugemacht. Peter Keck, der Pressesprecher des Esslinger Landratsamts, bestätigt den Eindruck, den die auch abends dunklen Fenster vermitteln: „Wir haben den Mietvertrag zum 31. Dezember aufgelöst.“ Begonnen hatte der auf zehn Jahre abgeschlossene Vertrag im Mai 2016. Er sei nun im Einvernehmen mit der Basis Bau GmbH vorzeitig beendet worden. Ob beziehungsweise was sich die Eigentümerin dafür bezahlen ließ, weiß Peter Keck nicht. Er verweist darauf, dass das Land die Kosten für die Unterkunft trägt.

Das Gebäude geriet anfangs vor allem wegen der vielen Fehlalarme in die Schlagzeilen. Zigmal musste die Lenninger Feuerwehr 2017 ausrücken, weil die Rauchmelder wegen Küchendämpfen angeschlagen hatten. Der Grund waren vor allem bauliche Mängel. Mit abnehmender Bewohnerzahl verringerten sich jedoch auch die „blinden“ Alarme.

Anfang des Jahres lebten noch 43 Asylbewerber in der Unterkunft, Ende November waren es nur noch zehn, überwiegend aus Gambia stammende Männer. Theoretisch hätten in dem Gebäude 100 Flüchtlinge untergebracht werden können. Tatsächlich war es jedoch in den vergangenen Jahren mit maximal 80 Personen belegt. Anfangs bekamen die Männer damit ein festes Dach über dem Kopf, die zuvor in Dettingen in einer Zelthalle gewohnt hatten.

Die Höllochstraße reiht sich ein in eine lange Liste von Gemeinschaftsunterkünften, die der Landkreis in den vergangenen beiden Jahren aufgelöst beziehungsweise für die Anschlussunterbringung an die Kommunen übergeben hat: „Es waren rund 100 Objekte“, sagt Peter Keck. Darunter sind Unterkünfte in Kirchheim, Weilheim, Dettingen, Holzmaden und Bissingen. Gab es im Sommer 2016 im Landkreis Esslingen 6500 belegte Plätze in der vorläufigen Unterbringung, so sind es jetzt lediglich noch 1050.

„Mit dem Land haben wir vereinbart, dass wir dezentral bleiben wollen“, erklärt Peter Keck. Festgehalten werde aber dennoch an größeren Einheiten für jeweils rund 100 Personen. „Damit sind wir effizient und flexibel.“ Erhalten werden sollen beispielsweise die Kirchheimer Charlottenstraße und die als „Bergdorf“ bezeichnete Unterkunft in Hochdorf. Derzeit bekommt der Landkreis monatlich lediglich 40 bis 50 Flüchtlinge zugewiesen. Für den Fall, dass die Anzahl wieder steigen sollte, will man gewappnet sein. So gibt es kreisweit derzeit in den Gemeinschaftsunterkünften rund 400 Plätze als Reserve.

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