Lenninger Tal

Die „Neue Mitte“ soll pulsieren

Planung Ein Wettbewerb hat mittelfristig einen attraktiveren Oberlenninger Ortskern zum Ziel. Sechs Fachbüros wollen bis Februar Vorschläge unterbreiten. Von Anke Kirsammer

In die Oberlenninger Ortsmitte könnte Bewegung kommen. Städtebauliche Konzepte werden nicht nur für das eigentliche Zentrum, son
In die Oberlenninger Ortsmitte könnte Bewegung kommen. Städtebauliche Konzepte werden nicht nur für das eigentliche Zentrum, sondern auch für angrenzende Gebiete wie den Schillerplatz, den Burgtobelweg, und einen Teil des Heerwegs erwartet.Luftbild: Werner Feirer

Der Blick aufs Schlössle, ein recht geräumiger Marktplatz, die sich durch das Dorf windende Lauter, das Kulturdenkmal Schneckenbrunnen am Schillerplatz - die Ortsmitte Oberlenningen hat Pfunde, mit denen sich wuchern lässt. Doch abgesehen von besonderen Anlässen wie dem Brunnenfest, dem Rathaussturm, dem Krämermarkt oder den weihnachtlichen Klängen lädt der Ortskern nicht gerade zum Verweilen ein. Das soll sich ändern: Sechs Büros sind eingeladen, im Rahmen eines Wettbewerbs ihre Ideen zu entwickeln. „Ich erwarte realisierbare Visionen für die Neue Mitte“, sagt Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht.

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Das Gebiet umfasst große Teile des Areals, das ins Landessanierungsprogramm Baden-Württemberg aufgenommen worden ist. Pläne entwickeln sollen die Büros nicht nur für die Bereiche um Marktplatz, Rathaus und Schillerplatz, sondern unter anderem auch für die Gebiete Amtgasse, Backhausstraße, Schwelchergasse, Burgtobelweg und Teile des Heerwegs.

Auch wenn das Verkehrsaufkommen auf der B 465 in Oberlenningen gemäß einer Zählung vom Frühsommer nicht ganz so hoch ist wie erwartet (wir berichteten): Die Aufenthaltsqualität auf dem Marktplatz leidet erheblich unter den fast im Minutentakt vorbeidonnernden Muldenkippern. Deshalb sind auch Vorschläge für eine geänderte Trassenführung gefragt. Die teilnehmenden Büros sind verpflichtet, ein Team mit einem Verkehrsplaner zu bilden, und es wird ihnen empfohlen, einen Landschaftsarchitekten hinzuziehen.

Die Konzeptionen sollen ganz unterschiedliche Bereiche in den Blick nehmen: Dazu gehören unter anderem das Umgestalten und Erweitern des bisherigen Rathauses, um die gesamte Verwaltung an einem Standort unterzubringen, Möglichkeiten für eine Außenbewirtung und Ideen für eine neue Kindertagesstätte.

Michael Schlecht verspricht sich von dem Wettbewerb auch Vorschläge für eine Stärkung des Gewerbestandorts. Realisierbar sein sollte ein größeres Einzelhandelsgeschäft, und er strebt die Bündelung von Ärzten in der Ortsmitte an. Allgemeinmediziner und die Zweigpraxis eines Kinderarztes sind derzeit weit auseinanderliegend angesiedelt. Mit den Medizinern zusammenrücken könnten darüber hinaus die Apotheke und Physiotherapeuten. Gewünscht ist außerdem ein vielfältiges Angebot an Wohnformen. Entstehen sollten Gebäude, die auch ein altersgerechtes, inklusives und generationenübergreifendes Wohnen ermöglichen.

Zentrale Aufgabe für die Büros ist eine städtebauliche Neuordnung. Abhängig davon, wann welche Grundstücksflächen verfügbar sind, sollen sich die Konzeptionen abschnittsweise umsetzen lassen. Schnellschüsse sind damit tabu. „Wir werden einen langen Atem brauchen“, so lautet die Devise Michael Schlechts. Für die Ausarbeitung ihrer Konzepte haben die Büros bis Mitte Februar Zeit. Das Bewertungsgremium tagt im März. Geplant ist für Frühjahr eine öffentliche Ausstellung der Wettbewerbsarbeiten. Der Gemeinderat befürwortete das Vorgehen einstimmig. Die Kosten für den Wettbewerb werden auf 150 000 Euro beziffert. Sie sind über den Haushalt gedeckt und förderfähig.

Der Rahmen für den Wettbewerb

Teilnehmen werden an der Planungskonkurrenz für die „Neue Ortsmitte Oberlenningen“ auf Einladung sechs Büros: Krischpartner aus Tübingen, Project GmbH aus Esslingen sowie die vier Stuttgarter Büros „mh Architekten“, „ORplan“, Wick+Partner sowie Zoll Architekten. Pro Planungsgemeinschaft stellt die Gemeinde pauschal 10 000 Euro zur Verfügung und lobt zusätzlich Preisgelder aus: Der erste Preis ist mit 10 000 Euro dotiert, der zweite mit 5 000 und der dritte mit 3 000 Euro.

Die Abgabe der Leistungen und die Bewertungen erfolgen anonym. Entscheidend sind unter anderem die Kriterien städtebauliche und freiräumliche Qualität, Einfügung in das Ortsbild sowie architektonische und gestalterische Qualität, Qualität der Erschließung, Erfüllung der funktionalen Anforderungen und der Raumprogramme sowie die Nachhaltigkeit.

Bewerten wird die Arbeiten ein neunköpfiges Gremium, zu dem Fachleute, Bürgermeister Michael Schlecht und Gemeinderäte gehören.ank