Lenninger Tal

Die Security am Krankenhaus

Maßnahme soll Krankenhausbetrieb und Flüchtlingsunterkunft klar trennen

Der Sicherheitsdienst am Kreiskrankenhaus auf dem Säer soll verhindern, dass Flüchtlinge die Cafeteria als Aufenthaltsraum nutzen. Bislang sind keine unangenehmen Vorfälle bekannt.

Ein Sicherheitsdienst passt auf, dass die Flüchtlinge das Krankenhaus nicht als Aufenthaltsort nutzen. Foto: Holzwarth
Ein Sicherheitsdienst passt auf, dass die Flüchtlinge das Krankenhaus nicht als Aufenthaltsort nutzen. Foto: Holzwarth

Nürtingen.Seit Ende Oktober sind in der Turnhalle auf dem Säer 270 Flüchtlinge untergebracht. Der Landkreis, der dafür zuständig ist, hat einen Sicherheitsdienst angestellt. „Das haben wir vorbeugend getan, um eine klare Trennung zwischen Krankenhausbetrieb und Flüchtlingsunterkunft zu gewährleisten“, so Peter Keck, Pressesprecher des Landratsamtes. Der Sicherheitsdienst soll auch verhindern, dass die Flüchtlinge den Wartebereich der Ambulanz und die Cafeteria als Aufenthaltsraum nutzen, wenn es ihnen in der Halle zu eng wird.

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Der Sicherheitsdienst begleitet auf Wunsch die Krankenhausangestellten mit auf den Parkplatz, wenn sie sich unsicher fühlen. Von konkreten Vorfällen, die dieses Unsicherheitsgefühl rechtfertigen würden, weiß Pressesprecher Keck nichts. Bei einer Mitarbeiterversammlung des Krankenhauses kam nichts zur Sprache, nur anonym wurden Gefühle der Unsicherheit geäußert.

Es wurde bereits die Vermutung geäußert, der Sicherheitsdienst solle verhindern, dass die Flüchtlinge bei Beschwerden einfach die Ambulanz oder den Notdienst aufsuchen, statt den üblichen Weg zu gehen, sich einen Krankenschein zu holen. Dazu ist folgender Hintergrund wissenswert: Die Flüchtlinge sind nicht krankenversichert, es steht ihnen jedoch eine medizinische Grundversorgung zu. Wenn es nicht gerade ein Notfall ist, müssen die Flüchtlinge einen Krankenschein beantragen, damit die Ärzte mit dem Landkreis abrechnen können. Der Landkreis wäre laut Keck ein Befürworter einer Krankenkassenkarte, um den hohen bürokratischen Aufwand zu verringern, darüber wird derzeit noch auf höherer Ebene debattiert. In den Unterkünften sieht der Medizinische Dienst nach den Menschen, damit sie nicht in die Notfallpraxen müssen, doch die räumliche Nähe des Krankenhauses verlockt viele, sie in Anspruch zu nehmen.

In der Turnhalle auf dem Säer geht es relativ ruhig zu, verglichen mit der Unterkunft in Aich, wo dieselbe Anzahl von Menschen in einer Halle im Gewerbegebiet untergebracht sind. Pressesprecher Peter Keck hat dafür einige Erklärungen: Auf dem Säer wurden mit Hilfe von Bauzäunen Abteile gebildet, die ein Minimum an Intimsphäre gewähren. In Aichtal hat man bislang darauf verzichtet, weil diese Unterkunft längerfristig genutzt werden und bald eine dauerhaftere Kabinenlösung eingebaut werden soll. „Die Unterkunft dort wird sukzessive verbessert“, so Keck. Als Nächstes sollen Koch-Container aufgestellt werden. Dazu kommt, dass die Flüchtlinge aus Nürtingen schnell in der Stadt und beim freien WLAN sind. So haben sie mehr Möglichkeiten, sich abzulenken und den recht eintönigen Alltag zu gestalten. In Aichtal ist man gerade dabei, WLAN einzurichten. Das habe aber andere Dimensionen, als das WLAN in einem Einfamilienhaus, sagt Keck.