Lenninger Tal

Die Skiclubs hängen in der Luft

Pfulb Der Verkauf des Traditionslifts ist nach monatelangen Verhandlungen geplatzt.

Archiv-Foto: Markus Brändli

Schon vergangenes Jahr sollten für die nächste Skisaison die Weichen gestellt werden: „Zu verkaufen“ stand am Skizentrum Pfulb in Schopfloch. Mit Gabi Kazmaier fand sich rasch eine ernsthafte Interessentin. Monatelang liefen die Verhandlungen mit den Verkäufern Marianne Allgaier, ihren Brüdern Eberhard und Peter Weber sowie verschiedenen Wiesenbesitzern. Doch wenige Tage vor dem Notartermin zur Übernahme von Lift, Hütte, Grundstücken und Imbiss ist die Vertragsunterzeichnung geplatzt. Für Marianne Allgaier liegt der Grund in der Blockade ihres Bruders Peter Weber. „Es hängt nur an seiner Unterschrift“, sagt sie. Das sieht der Miteigentümer, der sich in dem Verfahren unfair behandelt fühlt, anders: „Ich bin dafür, den Lift und die Hütte zu verkaufen“, sagt er. „Ein privat von mir gepachtetes Grundstück gebe ich aber nicht her.“ Für eine Summe X sei er aber bereit, über den Pachtvertrag zu reden. „Mehrmals habe ich klein beigegeben“, betont Peter Weber. Damit meint er unter anderem seine zähneknirschende Zustimmung zur Aufgabe seines Imbisses, in dem er bei Hochbetrieb auf der Skipiste immer Würstchen und Getränke verkauft hatte. Nun hätte er außerdem unterschreiben sollen, dass ein Grundstück neben dem Kiosk, das er vor wenigen Wochen gepachtet hat, mit dem Kaufvertrag automatisch auf die neuen Besitzer übergeht. „Dann hätte ich an der Pfulb nichts mehr zu suchen. Das geht nicht“, so seine Haltung.

Dass ein neuer Liftbetreiber daran interessiert ist, zumindest die wichtigen Grundstücke zu besitzen oder zu pachten, liegt für das übrige Pfulb-Team um Marianne Allgaier indes auf der Hand. Um dem Projekt von Gabi Kazmaier den Weg zu ebnen, hatte die Familie im Sommer sämtliche Pachtverträge gekündigt und den TÜV für den Lift machen lassen.

Dass sich an der Pfulb in der bevorstehenden Saison die Bügel drehen werden, ist derzeit fraglich. „Wenn es in den nächsten Tagen keine Einigung gibt, ist der Betrieb dieses Jahr organisatorisch nicht mehr zu bewältigen“, sagt Marianne Allgaiers Ehemann Walter Allgaier, der wie seine Frau von Gabi Kazmaiers Konzept begeistert ist und sie unterstützen möchte. Ein Zurück gibt es für die Familie im kommenden Winter in keinem Fall mehr. Die Firma ist aufgelöst, Versicherungen sind gekündigt. „Wir wollten aufhören, bevor es in Stuttgart heißt, auf der Alb haben ein paar so Tattrige einen Lift“, sagt der bald 67-Jährige. Die Schneelage sei nicht daran schuld, dass die Familie den Betrieb aufgibt.

Sollte der Lift tatsächlich zu bleiben, wird es besonders die acht Skiclubs beziehungsweise -abteilungen hart treffen, die das freundschaftliche Verhältnis zu den bisherigen Eigentümern sowie das für die Alb anspruchsvolle Gelände schätzen, dort teils seit Jahrzehnten verwurzelt sind und Kurse, Vereinsmeisterschaften, Stangentraining oder den Nachttorlauf veranstalten. In den Vereinen herrscht deshalb Bedauern und große Ratlosigkeit, denn die Zeit drängt, die nach Weihnachten beginnenden Skikurse auszuschreiben. Manch ein Verein hat seine Fühler bereits ausgestreckt und guckt sich bereits nach Alternativen um.Anke Kirsammer

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