Lenninger Tal

Display soll Krachmacher einbremsen

Verkehr Die Gemeinde Lenningen will eine Anzeigentafel für Motorradlärm anschaffen. Ein Pilotversuch des Landes hat gezeigt, dass manche Biker deshalb die Hand vom Gas nehmen. Von Anke Kirsammer

Bei Kaiserwetter zieht das Lenninger Tal Motorradfahrer in Scharen an. Attraktiv sind für sie kurvenreiche Strecken wie hier vor
Bei Kaiserwetter zieht das Lenninger Tal Motorradfahrer in Scharen an. Attraktiv sind für sie kurvenreiche Strecken wie hier vor Gutenberg.Foto: Jean-Luc Jacques

Eine reizvolle Landschaft und gleich drei Steigen innerhalb weniger Kilometer - die Gemeinde Lenningen hat für Motorradfahrer einiges zu bieten. Die Kehrseite bekommen die Anwohner zu spüren: Wenn sie am Feierabend oder am Wochenende auf der Terrasse ihre Freizeit genießen wollen, beeinträchtigt nicht selten von Bikern verursachter Höllenlärm die Idylle.

In Lenningen will man den Krach nicht länger hinnehmen. Einstimmig hat der Gemeinderat nun beschlossen, beim Land eine Förderung für ein Motorradlärm-Display zu beantragen. 16 000 Euro kostet die Anzeigetafel. 4000 Euro beträgt der Zuschuss des Landes. Ähnlich den Anlagen, die die Geschwindigkeit messen und mit nach unten gezogenen Mundwinkeln signalisieren, wenn der Fahrer sich nicht an ein Tempolimit hält, gibt das Display den Motorradfahrern ein Feedback: „Leiser!“ erscheint dann beispielsweise auf der Anzeige. „16 000 Euro sind nicht von Pappe“, sagte Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht. Dennoch halte er den Kauf für eine richtige Maßnahme. Neben den Steigen werde auch der Abschnitt vom Abzweig Schlattstall nach Gutenberg als Raserstrecke genutzt. „Jedes Jahr nimmt die Anzahl der Beschwerden über den Lärm zu“, so der Gemeindechef.

Obwohl einige technische Fragen offen blieben, so zum Beispiel, ob das Display mit Solarstrom betrieben wird, stimmte der Gemeinderat dem Vorhaben zu. „Diejenigen, die es betrifft, sind wahrscheinlich so schnell unterwegs, dass sie gar nichts lesen können. Vielleicht macht sich der ein oder andere aber doch Gedanken“, so hatte Gemeinderat Falk Kazmaier auf den Punkt gebracht, was Ratskollegen ebenfalls umtrieb. Michaela Gernert begrüßte den Entschluss auch deshalb als Schritt in die richtige Richtung, weil in den vergangenen Wochen um Schopfloch häufiger Motorräder in Unfälle verwickelt waren, und lärmende Maschinen meist mit hohen Geschwindigkeiten einhergehen.

Die Stellschrauben, an denen die Kommunen drehen können, um den Krach durch Motorräder einzudämmen, sind gering. Die Displays gehören dazu. 2016 hatte das Verkehrsministerium Baden-Württemberg sie auf mehreren Pilotstrecken erprobt und die Serienreife entwickelt. Die Lärmwerte gingen dadurch um 1,1 bis 2,2 Dezibel zurück - ein Wert, den der Mensch bereits als Verbesserung wahrnimmt. Erstmals wurden vergangenes Jahr Kommunen beim Kauf eines Displays gefördert. Die Stadt Donzdorf im Landkreis Göppingen beispielsweise hat seit sechs Monaten ein Display am Ortsausgang Richtung Lauterstein installiert. „Obwohl noch innerorts, drehen manche ihre Maschinen dort schon hoch“, sagt der Haupt- und Ordnungsamtsleiter Gerd Rayer. Häufig hatten sich deshalb Anwohner über den Lärm beschwert. Die Stadt hofft, durch die digitale Anzeige den ein oder anderen Raser dazu zu bringen, die Hand vom Gas zu nehmen. Einen positiven Nebeneffekt bringe die rund 70 Meter vorgelagerte Mess-Station. Sie zählt nicht nur die Fahrzeuge, sondern erkennt auch, ob ein Lkw, ein Bus, ein Auto oder eben ein Motorrad vorbeifährt. „Vom Büro aus kann ich jederzeit die Daten auslesen“, erklärt Gerd Rayer. Eine Art Verkehrszählung werde damit gleich mitgeliefert. Wichtig sei auch, der Bevölkerung zu signalisieren, dass etwas getan werde.

Auch Beuren wäre im vergangenen Jahr in den Genuss der Förderung gekommen. Weil aber eine Nachbarkommune, mit der zusammen die Anzeigetafel angeschafft werden sollte, abgesprungen war, hatte sich die Gemeinde wegen der hohen Kosten gegen den Kauf entschieden. Der Kurort leidet vor allem auch unter Motorradfahrern, die auf der Beurener Steige nach Erkenbrechtsweiler Stoff geben. Ein Geschwindigkeitsmessgerät ist bereits vorhanden. Bürgermeister Daniel Gluiber kann sich vorstellen, auch damit etwas zu bewirken: „Das wollen wir an der Steige testen.“

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