Lenninger Tal

Ein Blick in die schwäbische Seele

Musik Günther Wölfle und Dieter Hildenbrand begeistern mit schwäbischen Liedern die Mundart-Fans im Lenninger Bürgerhaus. Gute Laune mit der „Beschd off“-Sammlung des Kirchheimer Liedermachers.

I schwätz schwäbisch: seit mehr als 40 Jahren hegt und pflegt Günther Wölfle den Dialekt.Foto: Günter Kahlert
I schwätz schwäbisch: seit mehr als 40 Jahren hegt und pflegt Günther Wölfle den Dialekt.Foto: Günter Kahlert

Ein Auftritt von Günther Wölfle ohne seinen Klassiker „Yeschderday, an meim Fahrrad isch d´r Trebbel heh“ ist undenkbar. Fast wie die Rolling Stones ohne „Satisfaction“. Lange müssen die Fans im Lenninger Bürgerhaus aber nicht warten. Er spielt den Titel unter Szenenapplaus bereits als zweites Stück an dem Abend. „Yeschderday“ ist quasi die Urzelle seiner Aktivitäten als schwäbischer Liedermacher. Bereits 1965 hatte er sich – damals noch in der Teck-Realschule – den Text ausgedacht, der ihn Anfang der 70er-Jahre in die schwäbisch-musikalischen Bahnen führte. Es ist erstaunlich, wie sich seine Version des Beatles-Klassikers in der schwäbischen Szene etabliert hat. Viele wissen heute gar nicht mehr, dass der Text vom Kirchheimer Günther Wölfle stammt.

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Natürlich spielt Wölfle im Bürgerhaus vor allem ein „Beschd off“ seiner Werke – immer perfekt von Dieter Hildenbrand aus Dettingen am Kontrabass unterstützt. Es geht häufig um Pleiten, Pech und Pannen des Alltags, die Günther Wölfle witzig in Mundart-Texte fasst. „D‘r Baggersee“ beispielsweise, in dem er seinem Ärger über den sonntäglichen Stau in den Freizeitgebieten Luft macht. Das gleiche Thema später noch einmal in „Baggersee 2“, als Wintervariante mit Skifahren, klemmendem Dachständer, fehlenden Handschuhen und Stau am Aichelberg. Oder die Adaption des Tom Jones Hits „Sex Bomb“.

Typisch schwäbisch oder besser gesagt typisch Günther Wölfle wird daraus „Bleeds Glomb“, für jeden nachvollziehbare Frusterlebnisse am Fahrkartenautomaten, mit dem Computer oder Drucker. Und immer wieder ist es auch ein tiefer Blick in die schwäbische Seele. Dass er da bei einigen seiner Songs die Mundart-Fans nicht lange animieren muss, beim Refrain mitzusingen, verwundert nicht. Auch nicht, dass im Lenninger Bürgerhaus beste Stimmung herrscht.

Wölfle ist immer humorvoll, schwäbisch präziser eigentlich „knitz“, aber als musikalische Dialekt-Comedy will er das nicht sehen. „Mein Anliegen es immer auch, kritische Sachen reinzubringen,“ erzählt er im Gespräch. So entwickelt sich das Lied über die Vorliebe des Schwaben für seinen Moscht-Keller („Weil der onda isch ond weil‘s do dunkel isch“) zur Kritik an Stuttgart 21. Auch den App-Wahn der Smartphone-Nutzer nimmt er auf‘s Korn und aus „Penny Lane“ von den Beatles wird „D‘  Marktgass“ mit Anmerkungen zum Bauboom in vielen Innenstädten.

Wölfle liebt und lebt die schwäbische Sprache. Würde anders allerdings auch gar nicht funktionieren, denn im nichtschwäbischen „Ausland“ klingen die Texte wie von einem anderen Stern. Da könnte man sie auch in einem tibetanischen Hochland-Dialekt singen, das wäre kaum ein Unterschied. Hochdeutsch kommt für Wölfle jedoch nicht infrage. Günther Kahlert