Lenninger Tal

Ein Gutenberger Multitalent

Über den ehemaligen Pfarrer Karl Gußmann ist ein ansprechend gestaltetes Buch erschienen

Im Kirchheimer Verlag Roland Schöllkopf ist nach der erfolgreichen Ausstellung im Oberlenninger Schlössle eine Würdigung des Lebens und Schaffens eines bedeutenden Bürgers von Gutenberg erschienen: des ehemaligen Gutenberger Pfarrers und Multitalents Karl Gußmann.

Das Buch über den ehemaligen Gutenberger Pfarrer eignet sich auch bestens als Geschenk.Foto: Jean-Luc Jacques
Das Buch über den ehemaligen Gutenberger Pfarrer eignet sich auch bestens als Geschenk.Foto: Jean-Luc Jacques

Lenningen. Viele Menschen in der Region und weit darüber hinaus kennen die Gutenberger Höhle und die Gußmannhöhle in Gutenberg. Dem Förderkreis Schlössle in Lenningen verdankt man nun die Möglichkeit, auch die Person von Karl Gußmann näher kennenzulernen, der maßgeblich für die Entdeckung und Erschließung dieser Tropfsteinhöhlen verantwortlich war und der zu den bedeutenden württembergischen Pfarrern des ausgehenden 19.  Jahrhunderts zählt, die ihre Heimat erforscht haben.

Anzeige

Nachdem von November 2013 bis Februar 2014 im Oberlenninger Schlössle eine Ausstellung zu Leben und Wirken des bedeutenden Pfarrers gezeigt worden war, entschlossen sich die Verantwortlichen zu einer Publikation, die quasi als Dokumentation der Ausstellung nachgelegt worden ist. Neben den vielen Abbildungen von Exponaten der Ausstellung und einer Serie von exzellenten neuen Höhlenfotografien des bekannten Höhlenfotografen Andreas Schober, findet man zwei Vorträge, die das Begleitprogramm zur Ausstellung bildeten.

Günter Romberg, der ehemalige Rektor der Gutenberger Grundschule, hat sich als Gußmann-Kenner intensiv mit dem Leben und dem Werdegang Gußmanns beschäftigt und Erstaunliches zutage gefördert. So kann man lesen, dass sich Gußmann schon als Stadtpfarrer von Sindringen mit archäologischen Ausgrabungen beschäftigt hat und Ausgrabungen am römischen Limes bei Sindringen und Jagsthausen vornahm. Wenig bekannt ist, dass Gußmann 1875 als junger Student der Theologie der letzte Bewohner des Hölderlin-Turms in Tübingen war und sich beim Brand des Gebäudes nur mit Mühe und Not durchs Fenster retten konnte.

Der Leser erfährt zudem, dass Gußmann 38 Jahre lang, von 1887 bis 1925, als Seelsorger in Gutenberg gearbeitet hat. Seinen Dienstpflichten ist er dabei sicher ordnungsgemäß nachgekommen; vieles hat ihm seine Frau Emilie abgenommen. Für Pfarrer Gußmann standen sein seelsorgerischer Auftrag und seine wissenschaftliche Tätigkeit nicht im Widerspruch zueinander. Im Gegenteil, schreibt Romberg: „Das Verstehen der Vorgänge in Gottes Natur und das Erkennen ihrer Schönheit ließen seine Werke ja noch größer erscheinen“. So setzte er sich für die Förderung des heimischen Obstbaus ein, war lange Jahre Schriftführer der Zeitschrift „Der Obstbau“ und wurde im Alter von 37 Jahren zum Zweiten Präsidenten des Deutschen Pomologenvereins in Berlin gewählt – eine Anerkennung, die auch mit seinen Schriften zur Obstkultur zusammenhängen.

Die Gußmann-Publikation enthält eine für den Druck überarbeitete Fassung des Vortrags von Thomas Rathgeber vom Stuttgarter Löwentormuseum zu der enormen Bedeutung der Höhlenfunde in Gutenberg und in der Sibyllenhöhle. Genannt seien Mammutknochen, Schädel von Höhlenbären sowie Kieferfragmente des Schwäbischen Berberaffen und des Asiatischen Wildhundes, zwei Fundstücke der Heppenloch-Fauna, die lange Zeit die einzigen Nachweise vom Vorkommen dieser Tierarten in Baden-Württemberg waren, bis neue­re Grabungen weitere Funde erbrachten. Auch geht Rathgeber intensiv auf die Geschichte des Schwäbischen Höhlenvereins ein, der von Gußmann mitbegründet worden war. Trotz der wissenschaftlichen Akribie von Thomas Rathgeber, wendet sich auch dieser Aufsatz an ein breites Pub­likum.

Den Abschluss des Buches bildet ein Bericht von Bernd Löffler über die Finissage der Ausstellung im Februar 2014. Damals machte sich eine große Zahl von Gußmann-Freunden zu einer Wanderung auf, vom Ort der Ausstellung in Oberlenningen nach Gutenberg, dem Wirkungsort Gußmanns. Unterwegs zitierte Löffler aus Gußmanns 1890 erschienenem „Führer durch das Lenninger Thal“, worin sich der Pfarrer als begeisterter Liebhaber der Landschaft um Gutenberg und als großartiger Schriftsteller zu erkennen gab. Dass dieser auch noch dichten und komponieren konnte, verwundert am Ende niemanden mehr. Natürlich darf ein Blatt mit Gußmanns „Alblied“ nicht fehlen, ebenso wenig wie eine Übersicht über die Werke Gußmanns.pm

Ein Buch für Freunde der Schwäbischen Alb und ihrer Höhlen

Das ansprechend gestaltete Buch wird jedem Freund der Schwäbischen Alb und ihrer Höhlen ans Herz gelegt und eignet sich bestens als Geschenk. Allein die zahlreichen, meist farbigen Abbildungen, regen zum Blättern an. Man kann es erwerben in Schöllkopfs Buchladen in Kirchheim, über das Internet, im Naturschutzzentrum Schopflocher Alb sowie im Lebensmittelmarkt Sigel und bei Schreibwaren Bosch in Oberlenningen, im Gutenberger Rathaus und bei Schreibwaren Flander in Owen. Mit dem zu erwartenden Erlös aus dem Verkauf des Buches plant der Förderkreis die Restaurierung des Gästebuchs „Löwen“ in Gutenberg finanziell zu unterstützen, in dem sich so berühmte Höhlenbesucher eingetragen haben wie Karl Liebknecht, Eugen Bolz und Gottlieb Daimler, der am 14. Februar 1891 mit einer Motorkutsche aus Cannstatt angereist ist. Das Buch (ISBN 978-3-927189-14-0) hat 101 Seiten und erscheint im Verlag Roland Schöllkopf.pm