Lenninger Tal

Ein offenes Ohr und viele Tipps für die Helfer

Integration Bei Susan Fischer laufen die Fäden zusammen: Sie unterstützt Ehrenamtliche, die Rat oder Hilfe bei der Arbeit mit Flüchtlingen brauchen. Von Iris Häfner

Susan Fischer berät im Geschichtshaus in Owen Ehrenamtliche wie David Tech, die geflüchteten Menschen bei der Integration helfen
Susan Fischer berät im Geschichtshaus in Owen Ehrenamtliche wie David Tech, die geflüchteten Menschen bei der Integration helfen. Foto: Jean-Luc Jacques

Geschichtshaus Owen, die historischen Bände stehen im Regal. Am Tisch unmittelbar daneben geht es um ein brandaktuelles Thema mit vielen Facetten: ehrenamtliche Betreuung von Geflüchteten. Anker dieses Dreh- und Angelpunkts ist Susan Fischer. An sie können sich all diejenigen wenden, die bei der Betreuung von Migranten konkrete Fragen haben, Rückhalt und Sicherheit brauchen oder einfach ein Feedback zu einer bestimmten Person, einem bestimmten Fall brauchen.

„Bei mir laufen die Fäden zusammen. Ich bin die Schnittstelle, berate und vermittle“, sagt Susan Fischer mit einem umwerfenden Lächeln. Bei ihr kann sich jeder aufgehoben fühlen: Offen, klar und authentisch macht sie ihre Arbeit. „Ich habe schon meine Puppe unterrichtet. Das zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben“, verrät sie. In Tübingen hat Susan Fischer Pädagogik mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung studiert. Ursprünglicher Berufswunsch war Lehrerin, dann rückte die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) in den Fokus, wo sie in Afrika oder Asien tätig werden wollte. Das verwundert nicht bei ihrer Biografie: Ihr Vater - in der EZ aktiv - ist aus Kirchheim, die Mutter aus Uganda, und groß geworden ist das Energiebündel in der Teckstadt.

Eigentlich wollte sie sich ihrer Doktorarbeit zum Thema interkulturelle Sensibilisierung widmen. „Aber die kann ich noch in zwei Jahren schreiben“, sagt sie. Die Praxis macht ihr richtig Spaß, sie freut sich über das unerwartete Angebot, das sie zur Bruderhaus-Diakonie geführt hat. „Jetzt kann ich richtig in das Thema reingehen. Ich habe unter anderem ein Seminar gestaltet - das ist schon toll“, erklärt Susan Fischer. Seit Januar hat sie in Kirchheim ihren Arbeitsschwerpunkt, Owen und Lenningen gehören dazu. In Owen ist sie jeden Mittwoch von 13 bis 16 Uhr im Geschichtshaus vor Ort. Dann kann jeder einfach mal auf „ein Schwätzchen“ vorbeikommen oder über das sprechen, was unter den Nägeln brennt. „Die Themen sind meist immer die gleichen, egal, ob in einer größeren Stadt wie Kirchheim oder kleineren Kommunen im ländlichen Raum wie hier in Owen“, ist die Erfahrung von Susan Fischer.

Es geht vor allem um „Sprachsachen“ - also mit den Flüchtlingen deutsch zu sprechen und es ihnen zu lernen. Dabei ist es völlig egal, ob Ehrenamtlicher und Geflüchteter in der englischen Sprache einen kleinen gemeinsamen Nenner haben - oder eben nicht. Wie im Urlaub gilt: Mit Händen und Füßen agieren, auf Dinge wie Tisch oder Stuhl zeigen und die entsprechende Bezeichnung nennen. So entwickelt sich der Wortschatz und den Migranten wird die Scheu vor der fremden Sprache genommen. Deshalb sind Sprachpatenschaften sehr wichtig. Bei Geflüchteten, die nicht schreiben und lesen können ist die Herausforderung größer, doch auch für diese Menschen gibt es entsprechendes Lernmaterial.

Arztbesuche sind ein weiteres Thema, bei dem die ehrenamtlichen Betreuer Rat von den professionellen Beratern in Anspruch nehmen. Um Barrieren abzubauen, hilft oft auch nur Spazierengehen. In der Regel bekommt Susan Fischer Mails, die sie beantwortet und kanalisiert. Sie erfährt direkt, wo die Ehrenamtlichen der Schuh drückt. Ergibt sich ein Schwerpunkt, greift sie das Thema auf und bietet dazu Treffen oder Seminare an. Austausch untereinander ist wichtig, mitunter auch Supervision. „Das sind alles motivierte, nette Leute und mir von ihrer Einstellung her sehr nahe“, freut sie sich über den guten Draht zu den Ehrenamtlichen.

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