Lenninger Tal

Ein schönerer Ort zum Trauern

Der Lenninger Gemeinderat stimmt dem neuen Friedhofskonzept zu

Ein Friedhof – fünf Standorte. Das Entwicklungskonzept für die letzten Ruhestätten in den Lenninger Teilgemeinden kostet rund 240 000 Euro.

Der Friedhof in Gutenberg hat eine schöne Hanglage.Foto: Jean-Luc Jacques
Der Friedhof in Gutenberg hat eine schöne Hanglage.Foto: Jean-Luc Jacques

Lenningen. Auf den Friedhöfen der Teilgemeinden Brucken, Ober- und Unterlenningen, Gutenberg und Schopfloch sorgen die zu kleinen Flächen in den nächsten Jahren für Platzprobleme. Ein zweiter Grund für die Sanierung der Gottesäcker sind die gesellschaftlichen Veränderungen: Die Einstellung zu Familie, Konfession und Tradition wirken sich auch auf die Begräbniskultur aus. Der Trend geht deutlich zur Feuerbestattung.

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Platzmangel hindert die Lenninger Gemeinden jetzt noch daran, jede Bestattungsform auf jedem Friedhof anzubieten. Dies wurde auf der Gemeinderatssitzung in Lenningen dargestellt. Die Erdbestattung ist hierzulande die ursprüngliche Form. Längst zeichnet sich ab, dass mehr und mehr Urnengräber und Grabstätten gewünscht werden, die pflegeleicht oder gar pflegelos sind. „In Unterlenningen sind die Bürger mit der Urnengemeinschaftsgrabanlage zufrieden“, weiß Simone Mayer vom Lenninger Tiefbauamt. Aber: Auch in Unterlenningen wird es eng, die Urnenanlage ist voll. Zusätzlich zur Platzerweiterung sollen die Friedhöfe bis 2020 mehr denn je zu Orten der Ruhe, Besinnung und Erholung für die Trauernden werden. Gerade für Hinterbliebene ist dies immens wichtig: Ein Ort zum Verweilen und um sich mit anderen Menschen auszutauschen. Inzwischen erhalten Friedhöfe auch ökologische Bedeutung: Pflanzen und Tiere nutzen die innerörtlichen Grünflächen als Rückzugsgebiete.

Die Grabarten werden immer vielfältiger. Längst gibt es nicht mehr nur Erd- und Urnenbestattungen. Wünsche nach anonymen Ruhestätten, einem Friedwald oder einem Baumgrab kommen immer häufiger. Die Gemeinde Lenningen trägt dem Wandel der Zeit Rechnung. Da nicht jeder Friedhof alle Möglichkeiten anbieten kann, steht für die Bürger im Lenninger Gemeindegebiet eine Neuerung an: Nicht mehr der Wohnort eines Verstorbenen ist maßgebend für die letzte Ruhestätte, sondern die Art der gewünschten Bestattung.

In Brucken zum Beispiel befindet sich der Friedhof mitten im Ort, neben der Kirche. Simone Mayer verdeutlicht: „Dort sind es große Bäume und Hecken, die die Grabfelder voneinander trennen. In Unterlenningen dagegen finden Verstorbene neben der Kirche am Hang die letzte Ruhe.“ Barrierefreie Wege verbinden die Stufenanlagen untereinander. Die fünf Standorte der Totenäcker haben jeweils ihre Besonderheit, die beim Entwicklungskonzept berücksichtigt werden.

Die Gemeinde Lenningen hat die Bestattungsarten der vergangenen Jahre statistisch erfasst und das Resultat war richtungsweisend für die geplanten Sanierungen. Da jedoch Sterbefälle nur schwer abschätzbar sind, soll das Konzept immer weiterentwickelt werden, damit auf Wünsche der unterschiedlichen Begräbnisse reagiert werden kann.

Derzeit sieht die Planung vor, dass alle Friedhöfe überarbeitet werden. Zum Teil sind die Wege zu eng oder Büsche wuchern ungehemmt. Ziel des Konzeptes ist es, den Ruhestätten ein würdiges Aussehen zu erhalten. Außerdem soll die Belegung koordiniert werden. „Die Grabpflege wird dabei erleichtert“, erklärt die Chefin des Tiefbauamts, „und die Verkehrssicherheit wird gewährleistet.“ Die Erneuerung der Tore, die Ausbesserung der Mauern und grundlegende Pflegemaßnahmen für den Baum- und Heckenbestand sind im Sanierungskonzept vorgesehen.

Bei diesen gestaffelten Maßnahmen soll die Individualität jedes Friedhofs beibehalten und hervorgehoben werden; wie zum Beispiel die naturnahe Lage in Gutenberg. Durch die Verschönerung verspricht sich die Gemeinde eine Aufwertung aller Ruhestätten.

Insgesamt 420 000 Euro kostet die Umsetzung des Entwicklungskonzeptes. „Der größte Posten ist der Bau der Urnenanlagen mit 230 000 Euro“, berichtet Simone Mayer. Durch die Grabgebühren fließt dieser Betrag wieder zurück in die Gemeindekasse.

Für die Lenninger Teilgemeinden ergibt sich durch das Konzept, dass alle Friedhöfe innerhalb der nächsten fünf Jahre Urnengemeinschaftsgrabanlagen erhalten. Ebenso wird künftig darauf geachtet, dass Grabfelder so angelegt werden, dass nach Ablauf der Ruhezeit die Belegungsart frei wählbar ist. Außerdem gibt es künftig einen Pflegeplan für alle Begräbnisplätze und die Satzung bezüglich dem Bestattungsort des Verstorbenen wird angepasst.

Wann passiert was auf den Lenninger Friedhöfen

2020: Bis 2020 sollen alle fünf Friedhöfe in Lenningen zeitgemäße Bestattungsformen anbieten. Die Realisierung erfolgt etappenweise: 2016: Noch in diesem Jahr beginnen Planung und Bau einer Urnengemeinschaftsgrabanlage in Ober- und Unterlenningen. Des Weiteren wird in Oberlenningen ein Urnenbaumfeld angelegt. 2017: Nächstes Jahr beginnt die Erweiterung der Urnengemeinschaftsgrabanlage in Unterlenningen. In Oberlenningen startet die Planung für die Sanierung des Eingangsbereichs der Aussegnungshalle. Ebenso in 2017 soll die Sanierung der Friedhofsgelände in Oberlenningen und Brucken geplant werden. 2018: In zwei Jahren wird der Eingangsbereich der Oberlenninger Aussegnungshalle saniert. In Oberlenningen und Brucken starten die Arbeiten auf dem Friedhofsgelände. Im gleichen Jahr will die Gemeinde mit der Planung der Friedhofssanierung in Unterlenningen und Gutenberg starten. 2019: Im Jahr 2019 bekommen die Friedhöfe in Unterlenningen und Gutenberg die erforderliche Verbesserung; in Gutenberg wird zudem eine Urnengemeinschaftsgrabanlage errichtet. Außerdem erfolgt der Start für die Sanierungspläne des Friedhofsgeländes in Schopfloch mit Urnengemeinschaftsgrabanlage. 2020: – Als Letztes erfolgt die Sanierung in Schopfloch und die Erstellung einer Urnengemeinschaftsgrabanlage.kry