Lenninger Tal

„Ein Stück weit ist es der Kick“

Seit er 14 Jahre alt ist, fliegt Nico Kächele, der einmal als Berufspilot für eine Airline arbeiten will

Frei sein, in der Natur sein, sich einen Traum erfüllen. Das ­Fliegen ist Nico Kächeles ­Leidenschaft. Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht.

Mit der Jodel Robin überfliegt Nico Kächele von der Fliegergruppe Hülben die Streuobstwiesen im Albvorland.Foto: Thomas Kiehl
Mit der Jodel Robin überfliegt Nico Kächele von der Fliegergruppe Hülben die Streuobstwiesen im Albvorland.Foto: Thomas Kiehl

Hülben/Grabenstetten. Der Rotor dreht los, alles wackelt, der Lärm dröhnt in den Ohren. Nico Kächele checkt, ob alles läuft, ob der Generator auch lädt. Im Leerlauf erhöht er die Drehzahl des Propellers, es wird immer lauter, und aus einem Lautsprecher dringt zwischen Rauschen und Knacken eine Frauenstimme. Wann er welchen Knopf zu drücken, welchen Hebel zu bewegen hat, „das lernt man mit der Zeit“, ruft er dem Lärm entgegen. Die Abläufe automatisieren sich. 45 Ausbildungsstunden braucht ein Privatflieger, als Berufsflieger sind an die 200 Stunden notwendig, erzählt er. Schließlich ist alles konfiguriert, das Fenster wird geschlossen, die Jodel Robin DR 400 hebt ab.

Wie der Schatten eines Vogels zieht der des Motorfliegers über die Streuobstwiesen und die Felder auf der Alb. Es ist heiß im Cockpit. Die Sonne brennt auf der Haut. Etwas Abkühlung verschaffen die kleinen Lüfter rechts und links der vielen Knöpfe und Hebel. Nico Kächele neigt die Maschine nach links und umkreist die Burg Hohenurach. „Am Ende mit meinem Hobby Geld zu verdienen, ist ein Traum“, sagt er.

Sein Opa und sein Vater haben beide einen Flugschein, immer wieder mal habe er sie begleitet. Dann begann er selbst zu fliegen. Mit 14  Jahren hat er seinen Segelflugschein bei der Fliegergruppe Hülben gemacht. Seither steigt er in die Lüfte mit dem Segel- und dem Motorflieger. Den Schein für Kunstflüge hat er zudem. „Das hat eine komplett andere Dimension“, sagt er, „da bist du so beschäftigt mit dem was passiert.“ Das Kunstflugzeug befördert er in Rückenlage, geht senkrecht in die Luft. „Ein Stück weit ist es auch der Kick, es ist eine ganz andere Fliegerei und anspruchsvoller.“

Die Landschaft unter dem Flieger gleicht den Landschaften der Modelleisenbahnen. Metzingen und Bad Urach von oben. Über Hohenurach, Heidengraben und Hohenneuffen gleitet der Flieger mit 50 Prozent seiner möglichen Leistung hinweg, die Reisegeschwindigkeit kann 260 Stundenkilometer betragen. „Fliegen, das wollte ich schon immer“, sagt Kächele. Zunächst aber ließ er das Fliegen Hobby sein und machte nach seinem Abitur eine kaufmännische Lehre. „Im Büro zu sitzen und mit Zahlen zu arbeiten, das ist nicht so meins“, sagt er. Die Ausbildung hat er beendet, „um etwas zu haben, worauf ich zurückgreifen kann“. Was ihm am Fliegen gefällt? „Man geht beim Segelfliegen nur mit der Natur in die Höhe.“ Dort oben in der Luft sei es ruhig, und man muss sich ganz nach der Thermik richten. Aber auch das Motorfliegen hat für ihn seinen Reiz, auf diese Weise kann er überall hin fliegen.

Immer mal wieder wackelt der Motorflieger und sackt etwas ab, wenn er in ein Luftloch gerät. Auch die Sonne brennt weiter durch das Glas. Es geht zurück, der Stuttgarter Flughafen wird ein anderes Mal angeflogen, auch wenn es nicht weit wäre, wie Nico Kächele sagt. Die Landung auf dem Hülbener Flugplatz ist sanfter als gedacht. „Geflogen bin ich alles, außer ein Passagierflugzeug“, sagt der 25-Jährige. Er kann es aber. An einer Flugschule in Stuttgart hat Nico Kächele seinen Pilotenschein als Verkehrsflugzeugführer gemacht. „Mittlerweile bildet nur noch die Lufthansa aus“, erzählt er. Auf die Ausbildung warte man aber gut drei bis vier Jahre. „Das kam für mich nicht infrage.“ Deshalb machte er auf eigene Rechnung die Ausbildung. Die Leidenschaft zum Fliegen treibt ihn an. Jetzt arbeitet er als Fluglehrer und selbstständiger Pilot. Auf Wunsch chartert er Flieger und bringt seine Kunden so an ihr Wunschziel. Im Cockpit eines Passagierflugzeugs zu sitzen, ist aber nach wie vor sein Ziel. „Wenn ich etwas will, will ich es schaffen.“

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