Lenninger Tal

Eine Fehlplanung sorgt für ordentlich Frust

Technik Die Heizungs- und Lüftungsanlage im Geschichtshaus in Owen arbeitet nicht so, wie sie soll.

Stadtarchiv, Fachwerk
Stadtarchiv, Fachwerk

Owen. Klima ist ein Reizwort - egal, ob im Großen oder im Kleinen. Den Owener Gemeinderat traf nun das Raumklima des Beginenhauses in ungeahntem Ausmaß. Dort ist das Geschichtshaus und das Stadtarchiv untergebracht, und die wertvollen Dokumente brauchen ein wohltemperiertes Umfeld: nicht zu warm, nicht zu kalt und nicht zu feucht - Letzteres wegen der Schimmelpilze. Deshalb wurde in dem Gebäude vor über zehn Jahren eine entsprechende Anlage eingebaut. Doch die entpuppte sich als Problemfall.

Die Raumtemperatur liegt häufig bei 13 bis 14 Grad Celsius, dazu kommen noch Temperaturunterschiede von bis zu fünf Grad. Zwar bewegt sich die Luftfeuchtigkeit im geforderten Bereich, aber im Zusammenspiel mit der niedrigen Temperatur lässt sie den Taupunkt - den Zeitpunkt der Kondensatentstehung - so stark steigen, dass sich Feuchtigkeit bildet und der Schimmel zu wachsen beginnt. Ein Schaden an den Archivalien ist glücklicherweise noch nicht entstanden.

Sämtliche Versuche, mit der Heizung dagegenzuarbeiten, sind fehlgeschlagen, weshalb Michael Sigler von der „S plus Ingenieursgemeinschaft“ eingeschaltet wurde. Er hat sich intensiv mit der Anlage befasst und rät trotz der Mängel, sie wegen der zu erwartenden Restlaufzeit im jetzigen Zustand zu belassen. „Es gab Undichtigkeiten, und das Kältemittel ist nicht ganz klimafreundlich“, erklärte er. Die Lüftungsanlage transportiert ungeregelt im Winter zu niedrige und im Sommer zu hohe Temperaturen in den Raum. Die Lösung: den Luftvolumenstrom auf ein Minimum reduzieren und den Anschluss des Stadtarchivs direkt über die Abluftrohre in die Anlage. Die Kosten belaufen sich auf 1 300 Euro.

Wesentlich teurer wird die Heizungs- und Klimaanlage mit rund 24 000 Euro zuzüglich 30 Prozent Planungskosten. „Die Anlage im Stadtarchiv hat die Aufgabe noch nie erfüllt“, lautete das niederschmetternde Urteil von Michael Sigler. Eigentlich soll sie heizen beziehungsweise kühlen sowie befeuchten beziehungsweise trocknen. „Die Werte waren im Winter nicht so kritisch, die Feuchtigkeit im Sommer wegen der Schimmelbildung dagegen schon“, so der Ingenieur. Deshalb gibt es ein ganzes Maßnahmepaket. So wird der Raum beispielsweise mit einer eigenen Kälte- und Wärmepumpenanlage samt Regelung ausgestattet.

Total enttäuscht und frustriert zeigte sich Hans-Jörg Schmid: „Wir haben damals 35 000 Euro ausgegeben für eine Fehlplanung. Das ist mehr als ärgerlich. Da holt man sich einen Fachplaner an den Ratstisch und hat Vertrauen in seine Fähigkeiten - und dann geht das so aus. Das System ist für das Archiv nicht geeignet.“ Umso ärgerlicher für ihn: Der gesamte Umbau des Beginenhauses war auf diese Anlage abgestimmt. Sibylle Schmid-Raichle erinnerte sich daran, dass es damals ein großes Thema war. „Das war eine lebensbedrohliche Geschichte, deshalb haben wir damals investiert“, sagte sie. Iris Häfner

Stadtarchiv Kirchheimer Straße - Beginenklause - Owenfachwerk
Stadtarchiv Kirchheimer Straße - Beginenklause - Owenfachwerk
Das Raumklima im Beginenhaus muss optimiert werden.
Das Raumklima im Beginenhaus muss optimiert werden.
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