Lenninger Tal

Eine Zukunft für den Friedhof

Auf großes Interesse stieß die Besichtigung in Owen – Im Städtle unter der Teck gibt es acht Bestattungsarten

Bürgermeisterin Verena Grötzinger lud auf den Friedhof in Owen, um das neue Konzept vorzustellen.

Großer Andrang herrschte bei der Vorstellung des neuen Friedhofskonzepts in Owen.Fotos: Cornelia Wahl
Großer Andrang herrschte bei der Vorstellung des neuen Friedhofskonzepts in Owen.Fotos: Cornelia Wahl

Owen. Die Plätze in der Aussegnungshalle reichten nicht aus. Eilends organisierte Rathauschefin Verena Grötzinger weitere Sitzgelegenheiten, so zahlreich waren die vor allem älteren Bürger Owens der Einladung auf den Friedhof gefolgt. Sie lauschten interessiert den Ausführungen ihrer Stadtchefin und Landschaftsplaner Jörg Sigmund aus Grafenberg.

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Die Idee, den Trauerort inmitten der Stadt zukunftsfähig zu gestalten, datiert aus dem Jahr 2013, wie die Bürgermeisterin erzählte. Beim Friedhof müsse frühzeitig geschaut werden, wie die Flächen belegt werden, „damit in 20, 30 oder 40 Jahren der Friedhof noch inmitten des Ortes bleibt“, führte sie den Grund für das neue Friedhofskonzept an. Der Friedhof ist ein Treffpunkt, um Trauerarbeit vor Ort leisten zu können. „Gerade in Zeiten der Trauer ist es wichtig, sich austauschen zu können“, so Grötzinger. Mit dem Konzept glaubt sie, dass die Stadt „den richtigen Schritt in eine neue Zukunft des Owener Friedhofs“ getan hat. Auch für Planer Jörg Sigmund ist der Friedhof eine Begegnungsstätte, ein Ort, dessen Kultur bewahrt werden sollte. „Wir wollen Vielfalt anbieten“, sagte Sigmund.

An Vielfalt auf dem Owener Friedhof soll es sodann nicht fehlen. Nach der neuen Friedhofssatzung, die seit dem 1. Juli gilt, gibt es acht mögliche Arten für die letzte Ruhestätte. Neben Reihengräbern, Urnenreihengräbern, Wahlgräbern, Urnenwahlgräbern, Urnengemeinschaftsgräbern, Erdrasengräbern, Urnenrasengräbern sieht die Satzung auch eine Urnenwand vor. Letztere ist bereits vorhanden, stößt jedoch an ihre Kapazitätsgrenze. Sie soll aber nicht um eine weitere ergänzt werden. „Urnenbestattungen in Wänden können dazu führen, dass woanders zu viele Grünflächen entstehen. Der Friedhofscharakter geht dann verloren“, so der Landschaftsplaner.

Mit der Vielfalt des Angebots geht er davon aus, dass sich die Urnenbestattungen verringern werden. Oft bestimme die Frage der Pflege die Größe des Grabes. Mit einem Erdrasengrab etwa sei eine traditionelle Erdbestattung mit einem liegenden, bodenebenen Grabstein und ohne Pflegeaufwand für die Hinterbliebenen gegeben. Allerdings sei Grabschmuck hier nicht erlaubt.

Im Kirchhof sieht Sigmund einen Urnengarten vor. Dabei handelt es sich um eine zusammenhängende Grabfläche: Jeder Bestattung zugeordnet ist ein Gedenkstein, dort, wo die Urne beigesetzt ist. Die Bepflanzung erfolgt über Pflegeverträge.

Auch dem Wunsch einer naturnahen Bestattung will man in Owen nachkommen. So ist angedacht, gärtnerbetreute Baumgräber anbieten zu können. Damit sollen die Leute, die hier aufgewachsen und gestorben sind, im Ort bleiben können.

Erfahren haben die Anwesenden auch, dass es auf dem Owener Friedhof keine anonymen Bestattungen geben wird. Ihrer Wahrnehmung nach, so Verena Grötzinger, definierten viele Menschen „anonym“ damit, den Hinterbliebenen nicht zur Last fallen zu wollen. In diesem Fall gebe es Bestattungsformen mit Grabpflegevertrag. Jörg Sigmund fügt hinzu, dass es für Hinterbliebene ein „unendlicher Schmerz ist, wenn ein Grab eines Verstorbenen nicht gefunden wird“.

Nach der Präsentation hatten die Teilnehmer der Informationsveranstaltung die Möglichkeit, an Stadtverwaltung und Planer Fragen zu stellen und Anregungen zu geben. Und die Stadtchefin plant, Informationsblätter bereitzuhalten.

Zudem konnten die Zuhörer die erste Ruheinsel, ein Urnengemeinschaftsgrab, anschauen: Ein Feld, zwei mal zwei Meter groß, das Platz bietet für 16 Urnen. Mittig sind vier Stelen platziert, worauf die Namen der Gestorbenen mit Geburts- und Todesjahr vermerkt sein werden. Die Fläche ringsum wird saisonal bepflanzt.

Friedhofskonzept Owen
Friedhofskonzept Owen