Lenninger Tal

Einkaufen fast wie bei „Tante Emma“

Einzelhandel In Schopfloch öffnet Christian Maresch Ende Januar einen „Tante-M“-Laden. Auf 62 Quadratmetern gibt es 1000 Produkte des täglichen Bedarfs von „A“ wie Apfelmus bis „Z“ wie Zucker. Von Anke Kirsammer

Christian Maresch ist bei „Tante-M“ wie hier in Gruibingen mitunter „Mädchen für alles“. Die Kunden kaufen auf eigene Faust ein
Christian Maresch ist bei „Tante-M“ wie hier in Gruibingen mitunter „Mädchen für alles“. Die Kunden kaufen auf eigene Faust ein und bezahlen selbstständig.Fotos: Markus Brändli

Das würde man in der Großstadt vermuten: Ein Geschäft, das sieben Tage die Woche von 5 bis 23 Uhr geöffnet hat. Genau so einen Laden gibt es von Januar an in Schopfloch. Geplant ist die Eröffnung im ehemaligen Stammgeschäft der Metzgerei Dietz am 23. Januar. „Tante-M“ nennt Christian Maresch seine Läden, die er zu einer Kette ausbauen will. Davon gibt es derzeit sechs. Das jüngste Geschäft öffnete Ende November in Gruibingen. Die Assoziation mit dem Tante-Emma-Laden, den es früher auch im kleinsten Dorf gab, ist gewollt. Zwar fehlt „Tante Emma“, doch bekommen die Kunden auf engem Raum alles für den täglichen Bedarf. Milch, Nudeln und Schokolade gibt es dort genauso wie ein kleines Sortiment an Schreibwaren und Hygieneartikeln. In Schopfloch sind es anfangs rund 1000 Produkte auf 62 Quadratmetern. „Im Grunde ist das nicht viel anders als beim Discounter“, so Christian Maresch. Der Unterschied sei, dass es dort von einem Produkt gleich eine ganze Palette gebe. „Bei uns steht von einem Artikel eben nur eine Reihe im Regal.“

Eine dunkle Decke und Wände in Backsteinoptik sind die Erkennungsmerkmale von „Tante-M“. Genauso an Schiefertafeln erinnernde Schilder, damit die Kunden besser finden, was sie suchen. Unter „Soßen & Zeugs“ versammeln sich beispielsweise Thunfisch-Filets, Grieß und Semmelbrösel. In der „Vorratskammer“ stehen Apfelmus und Schattenmorellen.

Selbst auf frische Produkte müssen die Kunden nicht verzichten. Backwaren liefert in Schopfloch die Firma Beckabeck aus Römerstein. Die Gespräche mit einer Lenninger Metzgerei laufen noch, denn bei „Tante-M“ sind auch eingeschweißte Fleisch- und Wurstwaren zu haben. „Obst und Gemüse nehmen wir gerne von Erzeugern“, sagt Christian Maresch. Meist ist es aber nicht einfach, dafür einen regionalen Anbieter zu finden. Deshalb greift er auf den Großhandel zurück. Eine Waage sucht man in den Läden vergeblich. Äpfel, Tomaten und Co bezahlt man jeweils pro Stück.

Apropos bezahlen: Der Unternehmer setzt auf Ehrlichkeit. Abgesehen von wenigen Stunden, in denen eine Servicekraft vor Ort ist, geht der Einkauf ohne fremde Hilfe vonstatten. Um Langfinger abzuschrecken, sind Videokameras installiert. Abgepackte Lebensmittel scannt der Kunde selbstständig an der Kasse. Lose Waren wie Obst, Gemüse und Eier tippt man auf dem Touchscreen ein. Bezahlt werden kann passend in bar. Andernfalls gibt es eine Kundenkarte, auf die vorab ein Betrag aufgebucht wird. Möglich ist auch, die Rechnung per Handy oder mit der EC-Karte zu begleichen. „Bei uns können Sie sogar die Hefe für 20 Cent mit der Kreditkarte zahlen“, sagt Christian Maresch.

Er hofft, dass das Angebot auch in Schopfloch mit seinen rund 700 Einwohnern ankommt, obwohl der Albflecken die von dem Unternehmer gesetzte 1000er-Marke nicht erreicht. Ein Pluspunkt ist die Lage an der Durchgangsstraße. Vor allem an den Wochenenden fahren dort viele Ausflügler vorbei. Außerdem rechnet der 40-Jährige auf Kunden aus umliegenden Ortschaften. Sollte der Kassensturz nach einem Jahr jedoch zeigen, dass der Laden keine schwarzen Zahlen schreibt, müsse er ihn wieder schließen.

Damit „Tante-M“ akzeptiert wird, hält der Betreiber nicht am Standardsortiment fest. Meist kristallisiert sich in den ersten beiden Monaten heraus, was die Kunden brauchen. „Das hängst auch von der Einwohnerstruktur ab“, erklärt Christian Maresch. Wer einen Wunsch hat, kann den auf einen Notizzettel schreiben. In Gruibingen hatte letzte Woche jemand Raclette-Käse vermisst. Prompt wurde der Klassiker für die Feiertage bestellt.

40 Prozent seines Tagesumsatzes macht der findige Ladenbetreiber aus Pliezhausen außerhalb der klassischen Öffnungszeiten. Der Sonntag ist der mit Abstand umsatzstärkste Tag. „Wir können nicht den Großeinkauf ersetzen“, sagt er. „Aber die Leute planen heute weniger.“ Wer spontan Lust hat, einen Kuchen zu backen oder sich etwas Herzhaftes zu brutzeln, wird bei „Tante M“ garantiert fündig.

Das Konzept, das die Lücke der fehlenden Nahversorgung auf dem Land schließt, gehe nur mit vielen Läden auf, so Christian Maresch. „Es braucht ein attraktives Sortiment.“ So steht bei den Gewürzen neben Saisonware wie Anis auch granulierter Knoblauch. „Wenn ich im Großhandel 20 Dosen abnehmen muss und sie in einen Laden stelle, funktioniert es nicht.“ Verteile er die Lieferung auf mehrere Geschäfte, dagegen schon.

„Der Laden ist eine Chance“

Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht freut sich, dass in Schopfloch wieder ein Laden öffnet. „Das ist richtig gut und für den Ort eine tolle Chance.“ Eine Chance sieht darin auch das „DORV“-Team. Es hatte sich zusammengeschlossen, um ein „DORV“-Zentrum voranzutreiben. Die vier Buchstaben stehen für Dienstleistung und ortsnahe Rundumversorgung. Den Mitgliedern schwebte ein Treffpunkt vor, der den Verkauf von Lebensmitteln eingeschlossen hätte. „Jetzt stellt sich die Frage, welchen Bedarf es an Dienstleistungen und Begegnungsmöglichkeiten noch gibt“, sagt Sofie Schneeweiß. Sie hatte das Projekt angestoßen. Im Januar soll es nun an die Analyse gehen.

Über 30 Ortschaften warten auf einen „Tante-M“

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Seit sieben Jahren liefert die Backstube Goll aus Bissingen zweimal pro Woche Backwaren nach Schopfloch. Mittwochs findet der Verkauf an der Ochsenwanger Straße von 8.15 bis 9.30 Uhr, samstags von 7.15 bis 9.30 Uhr statt. Die tägliche Belieferung des „M-Ladens“ konnte sich Frieder Goll nicht vorstellen. Am bisherigen Verkauf will er jedoch festhalten.

Der „Tante-M“ in Schopfloch ist die siebte Filiale, die Christian Maresch eröffnet. Den ersten Laden gründete er im Juli 2019 in Grafenberg. Weitere Geschäfte gibt es in Tischardt, Kohlberg, Pliezhausen, Gruibingen und in Winzerhausen im Kreis Ludwigsburg.

Bis ins Frühjahr öffnen zehn weitere Läden, darunter das Geschäft in Schopfloch, eins in Hengen und eins in Wittlingen. Maresch geht davon aus, dass in den nächsten Jahren 30 bis 40 „Tante-Ms“ dazu kommen.

In jedem Laden gibt es einen Mitarbeiter, der von Montag bis Samstag rund anderthalb Stunden am Tag vor Ort ist. Jedes Geschäft hat Servicezeiten, in denen den Kunden geholfen wird. Wann diese in Schopfloch sein werden, steht noch nicht fest.

Normalerweise lädt Christian Maresch vor der Öffnung zu einer Informationsveranstaltung im jeweiligen Ort ein. Corona-bedingt kann das in Schopfloch nicht stattfinden. Gekoppelt ist an die Ladenöffnung eine Crowd-Funding-Kampagne. Der Unternehmer strebt an, 20 Prozent der Ladeneinrichtung mit dem gesammelten Geld zu finanzieren. Die Kunden bezahlen einen bestimmten Betrag. Als Dankeschön bekommen sie für die Hälfte einen Einkaufsgutschein.ank

1 Nähere Infos dazu gibt es auf der Homepage unter www. tante-m.shop

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