Lenninger Tal

Einkaufen und ein Schwätzle halten

Einzelhandel Der „Tante-M“ in Schopfloch übertrifft zum Start die Erwartungen. Der Laden, der 1200 Artikel zu bieten hat, profitiert nicht nur von Einheimischen, sondern auch von Wochenendausflüglern. Von Anke Kirsammer

Irene Heinrich (links) und Borgi Kuch freuen sich, dass sie endlich wieder Lebensmittel besorgen können. Fotos: Carsten Riedl
Irene Heinrich (links) und Borgi Kuch freuen sich, dass sie endlich wieder Lebensmittel besorgen können. Fotos: Carsten Riedl
Die Rechnung wird einfach an der SB-Kasse erstellt. Foto: Carsten Riedl
Die Rechnung wird einfach an der SB-Kasse erstellt. Foto: Carsten Riedl

Borgi Kuch strahlt über beide Backen: „Es gibt Käse und Hefe - einfach, was man braucht und alles ist schön geordnet“, sagt die 80-Jährige. „Wir sind alle begeistert.“ Damit spricht die Seniorin wahrscheinlich ganz Schopfloch aus dem Herzen. Seit bald zwei Monaten hat das Dorf wieder ein Lebensmittelgeschäft. Noch dazu eins, das sieben Tage die Woche von 5 bis 23 Uhr offen ist. Mit dem Konzept von „Tante-M“, viele Waren auf engem Raum anzubieten, greift der Unternehmer Christian Maresch die Idee früherer Tante-Emma-Läden auf.

Einmal in der Woche erledigt Borgi Kuch bei „Tante-M“ ihren Einkauf. Mit der zuhause aufgeladenen Kundenkarte zu bezahlen, stellt für sie kein Problem dar. Trotzdem kommt sie gern, wenn Sandra Tullio da ist. Die Servicekraft ist nicht nur stundenweise im Shop, um Bestellungen aufzunehmen, sondern sie hilft auch, wenn das selbstständige Einscannen an der Kasse nicht auf Anhieb klappt oder ein Artikel gesucht wird. „Schön ist es auch, dass man einfach mal ein Schwätzle halten kann“, sagt Borgi Kuch. Groß ist das Hallo, als Irene und Rolf Heinrich in den Laden kommen, die nur ein paar Häuser von ihr entfernt wohnen. Vor fast 20 Jahren ist das Ehepaar von Stuttgart auf die Alb gezogen. „Wir sind Winterfreaks“, erklärt Rolf Heinrich. Er liebt es, wenn wie an diesem Tag Schneetreiben den Ort mit einer weißen Decke überzieht. Was ihm und seiner Frau aber gefehlt hatte, war ein Geschäft. „Wir sind glücklich“, sagt Irene Heinrich. „Jetzt können wir geschwind mal was kaufen, und man sieht endlich wieder Leute.“ Dass Besorgungen auch abends möglich sind, findet das Ehepaar ebenfalls „wunderbar“. Die Oberländer haben es Rolf Heinrich angetan, genauso die „Biobecki“ - ein helles Doppelweckle, das er sich an diesem Morgen gönnt. „Wir hoffen, dass der Laden einschlägt und es genügend ehrliche Leute gibt“, sagt der Schopflocher. „In der Stadt müsste so ein Geschäft nach 14 Tagen wieder zumachen.“ Damit spielt er darauf an, dass „Tante-M“ auf Selbstbedienung setzt und überwiegend ohne Personal funktioniert.

Sehr zufrieden ist Christian Maresch damit, wie sein Geschäft angenommen wird - der erste „Tante-M“ in einem Ort mit deutlich unter 1000 Einwohnern. Seine anfängliche Skepsis ist bislang unbegründet. Im Gegenteil: „Es kommen ausreichend Leute“, sagt er erfreut. Und er bekommt sehr positive Rückmeldungen. Wenn er noch ein oder zwei Produkte anbiete, könnten sie ihren gesamten Einkauf bei „Tante-M“ erledigen, hätten ihm Kunden gesagt. Wie andernorts, hat der Einzelhändler in Schopfloch das Sortiment an den Bedarf angepasst. 70 Artikel kamen seit der Öffnung Ende Januar hinzu. Neben der obligatorischen Nutella steht nun die „Crunchy cream“ von Ovomaltine im Regal. Auch ein Biojoghurt im Glas und ein körniger Frischkäse gehört auf Wunsch zum Angebot. Die Metzgerei, die Wurst- und Fleischwaren liefert, hat ihr Sortiment ebenfalls erweitert.

1200 Artikel finden sich in dem 60 Quadratmeter kleinen Verkaufsraum. „Wenn wir gewusst hätten, dass das Geschäft so gut läuft, hätten wir es etwas größer gemacht“, meint Christian Maresch. Der Schopflocher Laden bewegt sich am unteren Limit. Die übrigen „Tante-Ms“ sind bis zu 100 Quadratmeter groß. Was den Chef ebenfalls freut, ist die Teilnahme am Crowdfunding. Bei jeder Neueröffnung strebt er an, dass die Einwohner 20 Prozent seines Invests beisteuern. Das Ziel hat er in dem Albflecken geschafft. Und das, obwohl wegen der Pandemie keine Infoveranstaltung stattfand. Seit dem Start in dem Lenninger Ortsteil hat der umtriebige Geschäftsmann zwei weitere Läden eingeweiht: Einen in Schöckingen im Kreis Ludwigsburg und einen in Hengen. Heute macht in Wittlingen die neunte Filiale auf.

Wie in allen „M-Läden“, kommen auch in Schopfloch besonders viele Kunden am Wochenende. Im Winter profitierte Christian Maresch von den Langläufern und anderen Ausflüglern. Auf einen ähnlichen Effekt hofft er im Frühling. Den Fahrradfahrern und Wanderern will er dann auch mit Energieriegeln ein spezielles Angebot machen. Auch in der Grillsaison wird der Händler den ein oder anderen Kunden in den Laden an der Durchgangsstraße locken: Gerüstet ist er: Das zeigen die aufgereihten Holzkohlesäcke im Schaufenster. Auch Grillschalen, Anzündwolle und Picknick-Grills warten bereits auf Käufer.

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Das reichhaltige Sortiment verblüfft

Irene Heinrich (links) und Borgi Kuch freuen sich, dass sie endlich wieder Lebensmittel besorgen können. Fotos: Carsten Riedl
Irene Heinrich (links) und Borgi Kuch freuen sich, dass sie endlich wieder Lebensmittel besorgen können. Fotos: Carsten Riedl

Mit einem Selbsttest möchte ich herausfinden, ob ich bei „Tante-M“ in Schopfloch meinen Bedarf an Lebensmitteln decken könnte. Auf dem Einkaufszettel stehen sämtliche Zutaten für einen Nudel-auflauf. Und siehe da: Von Butter über Eier, saure Sahne, geschälte Tomaten und Schinken bis zu Knoblauch und Zwiebeln finde ich alles. Im Kühlregal liegt geriebener Emmentaler. Die Petersilie nehme ich tiefgefroren mit. Einzig die Makkaroni muss ich durch andere Nudeln ersetzen. Doch davon gibt es so viele Sorten - darunter auch Vollkornnudeln -, dass das kein Problem darstellt.

Erstaunlich, was sich unter „Soßen & Zeugs“, in der „Vorratskammer“ und den anderen Abteilungen des Lädchens versammelt: Kurkuma, Vanilleschoten und Zimtstangen finden sich, genauso Basmatireis und Couscous, Obst und Gemüse, selbst Hafer- und Mandelmilch und viele Bioprodukte. Auch kernige Haferflocken und Leinöl fürs Müsli stehen im Regal. Wer Wein oder Bier sucht, geht allerdings leer aus. Auffallend ist die Auswahl an Mehl, das teils eine Mühle aus der Region liefert. Ebenfalls üppig bestückt die Wursttheke - wohl ein Muss in dem Laden, in dem Jahrzehnte die Metzgerei Dietz ihr Geschäft hatte.

Und wenn mal keine Zeit zum Kochen bleibt, wird die Schwäbin bei „Tante-M“ auch fündig: „I love Mauldasch“-Dosen, ob in Curry oder Sauerbratensoße, könnten das Mittagessen retten, wenn‘s eilt.

Fast spielerisch wird die Rechnung an der SB-Kasse erstellt: Einfach den Barcode der einzelnen Produkte einscannen. Den Sechser-Pack Eier tippe ich auf dem Touchscreen von Hand ein, genauso den Knoblauch und die Schale Zwiebeln. Am Ende den Haken gesetzt. Beim Bezahlen entscheide ich mich für die Variante mit der EC-Karte. Genauso gut hätte ich eine Kreditkarte oder das Handy zücken oder bar bezahlen können - hätte ich den Betrag passend gehabt. Die Summe geht völlig in Ordnung. Vielleicht ist der ein oder andere Artikel ein paar Cent teurer als im Supermarkt. Ein Grund, sich ins Auto zu setzen und kilometerweit zu fahren, ist das ab sicher nicht. ank