Lenninger Tal

Einmal Himmel und zurück

Feuerwehr 61 Stockwerke, 1 202 Stufen, 222 Höhenmeter: Feuerwehrleute aus Lenningen und Kirchheim wollen am 11. Juni den Frankfurter Messeturm in Rekordzeit erklimmen. Von Daniela Haußmann

In dieser Montur gehen die sechs Feuerwehrmänner sonntags durch den Wald.Foto: Daniela Haußmann
In dieser Montur gehen die sechs Feuerwehrmänner sonntags durch den Wald.Foto: Daniela Haußmann

Wer im Sommer einen Marathon im Skianzug mit Stiefeln, Rucksack und Helm bewältigt, bekommt eine gute Vorstellung vom Skyrun in der hessischen Landeshauptstadt. Feuerwehrleute aus ganz Europa pilgern alljährlich zum Frankfurter Messeturm, um in Einsatzbekleidung und unter Atemschutz 61 Stockwerke zu bezwingen. Seit Monaten bereiten sich Johannes Ballhaus, Oliver Wittwer, Alexander Ehni, Johannes Bächtle, Rico und Robin Semsch von der Freiwilligen Feuerwehr Lenningen auf den Hochhauslauf vor.

Gleich hinter dem Gutenberger Gerätehaus liegt ihre circa 2 000 Meter lange Trainingsstrecke. Während die sechs Kameraden jeden Sonntag mit ihrer 20 Kilo schweren Ausrüstung durch den Wald laufen, müssen viele Spaziergänger zweimal hinsehen, um zu glauben, was sie da gerade sehen. „Die Reaktionen sind schon lustig“, schmunzelt Robin Semsch. „Viele halten einen für verrückt, aber einige finden auch klasse, dass wir uns ein Ziel setzen, auf das wir hinarbeiten.“ Das Training ist nicht leicht. Irgendwann läuft der Schweiß in der Maske zusammen, die Schultern werden schwer. „Überall am Körper beginnt es zu brennen und beim Atmen muss man unter der Maske kräftig ziehen, um überhaupt noch etwas Luft zu bekommen“, schildert er seine Erfahrungen.

Proben für den Notfall

Zwischenzeitlich hat sich Rico Semsch an die körperliche Belastung gewöhnt. Doch er weiß, dass die Herausforderung, die in Frankfurt auf ihn und seine Kameraden wartet, größer ausfallen wird. „Im Messeturm in Frankfurt muss eben alles ein wneig schneller gehen“, erklärt Johannes Bächtle, der überzeugt ist, dass alle im Team von den intensiven Wettkampfvorbereitungen profitieren. „Wir simulieren Bedingungen, wie wir sie bei einem Brandeinsatz vorfinden“, erklärt der Feuerwehrmann.

Außerdem fördern die Übungssonntage den Zusammenhalt. Neben der Chance, sich mit anderen Feuerwehren im direkten Leistungsvergleich zu messen, macht genau das für den Gutenberger Oliver Wittwer den Reiz aus. Johannes Ballhaus und Alexander Ehni sind bereits im vergangenen Jahr beim Treppensprint an den Start gegangen. Für die beiden Floriansjünger ein unvergessliches Erlebnis, das in Johannes Bächtle, Oliver Wittwer, Rico und Robin Semsch den Wunsch aufkommen ließ, selbst beim Skyrun mitzulaufen.

Johannes Ballhaus bewältigte die 222 Höhenmeter in 16 Minuten und 9 Sekunden. In einem internationalen Feld, das in seiner Kategorie aus 292 Teilnehmern bestand, belegte der 32-Jährige den 67. Platz. „Das ist eine super Leistung“, betont Alexander Ehni. Er selbst erzielte beim Hochhauslauf 2016 eine Zeit von 32 Minuten und 37 Sekunden. Damit belegte der Gutenberger Platz 286. „Für mich ging es nicht darum, eine Rekordzeit hinzulegen, sondern darum, einfach dabei zu sein“, sagt der 28-Jährige.

Am Limit für den guten Zweck

Der Frankfurter Skyrun ist eine Veranstaltung mit karitativer Zielsetzung. „Die Einnahmen kommen komplett der Arbeitsgemeinschaft für Querschnittgelähmte mit Spina Bifida/Rhein-Main-Nahe zugute“, berichtet Alexander Ehni. Die Teilnehmerzahl ist groß. „Es sind natürlich auch Wettkämpfer von Berufsfeuerwehren dabei, bei denen der Fitnessaspekt noch mal eine ganz andere Rolle spielt als bei der Freiwilligen Feuerwehr“, erklärt der Gutenberger. Normalerweise sollten die Feuerwehrleute die 61 Etagen komplett unter Atemschutz bewältigen. „Doch mich überholten im vergangenen Jahr viele, denen auf dem Weg der Sauerstoff ausgegangen war.“

Der Sieger des zehnten Skyruns erklomm die 1 202 Stufen auf den Messeturm in 11 Minuten und 51 Sekunden. Doch das schreckt die 18- und 19-jährigen Neulinge im Team nicht ab. Sie sind fest entschlossen, sich für eine gute Platzierung ins Zeug zu legen. „Schön wäre“, erzählt Johannes Bächtle, „wenn wir unter die ersten zehn kommen würden, aber das wird sich dann zeigen.“

Auch die Kirchheimer sind in Frankfurt am Start

Nicht nur im Lenninger Tal, sondern auch in der Teckstadt wird für den Skyrun kräftig trainiert. Die Freiwillige Feuerwehr Kirchheim geht in der hessischen Metropole mit neuen Vertretern an den Start. Die Floriansjünger treffen sich Wolfgang Schäfer zufolge einmal in der Woche, um im Feuerwehrturm in der Henriettenstraße oder im Kraftwerk in Altbach Treppen zu steigen. Zum Fitnessprogramm gehört zudem ein Krafttraining auf dem Hof der Feuerwache.

Am Frankfurter Treppensprint können nicht nur Feuerwehrleute teilnehmen. Jedes Jahr befinden sich unter den Wettkämpfern auch Fitnessfans, die sich dem Härtetest unterziehen wollen. dh

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