Lenninger Tal

Eintauchen in junge LebensweltenDie Welt der Kinder

Jugendausstellung Was brauchen junge Menschen, um sich an ihrem Wohnort wohlzufühlen?

Heike Deigendesch (Mitte) und David Homola (rechts) sehen die Welt aus der Sicht der Kinder. Foto: Daniela Haußmann
Heike Deigendesch (Mitte) und David Homola (rechts) sehen die Welt aus der Sicht der Kinder. Foto: Daniela Haußmann

Lenningen. „Zeig uns Deine Welt – was brauchst Du zum Glücklichsein?“ lautet der Titel einer Fotoausstellung, die Heike Deigendesch und David Homola initiiert haben. Die beiden Sozialarbeiter befragten Einheimische, Migranten und Menschen mit Fluchterfahrungen im Alter von elf bis 20 Jahren zum Thema der Bilderschau. Rund 40  Kinder aus Lenningen, Gutenberg und Neuffen machten mit und fingen Momentaufnahmen ihrer lokalen Lieblingsplätze mit der Polaroid- und Videokamera ein. Herausgekommen ist eine Ausstellung, die Einblicke in die Wünsche junger Menschen eröffnet.

Entstanden ist das Projekt aus der Weiterbildung „Fokus Gemeinwesen“, die Heike Deigendesch und David Homola an der Hochschule Esslingen besuchen. Es ist Bestandteil ihrer gemeinsamen Abschlussarbeit. „Deshalb haben wir junge Menschen gefragt, was sie brauchen, um sich im lokalen Gemeinwesen wohlzufühlen“, berichtet Deigendesch. Begleitet von der Kunsttherapeutin Agnes Kurfürst und der Kunsttherapiestudentin Daniela Fichtl begaben sich die Heranwachsenden an ihre Lieblingsorte in Lenningen, Gutenberg und Neuffen. Gedanken an Erlebnisse, glückliche Momente, aber auch Konflikte traten zutage.

Das Medium der Polaroidkamera schafft laut Agnes Kurfürst die Plattform für eine tiefer greifende Auseinandersetzung. „Im Gegensatz zur digitalen Fototechnik stehen nicht beliebig viele Aufnahmen zur Verfügung“, so Kurfürst. „Deshalb ist jedes Bild, das in der Ausstellung zu sehen ist, das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit dem Ort und seiner Bedeutung.“ Gerade deshalb lädt die Bilderschau zum Perspektivwechsel ein. „Erwachsene Besucher haben die Möglichkeit, sich in junge Menschen hineinzuversetzen und ihre Lebenswelt zu entdecken“, sagt Deigendesch, die das Jugendhaus Café Ole leitet.

Vor dem Hintergrund, dass etablierte Angebote wie Vereine oder Jugendforen längst nicht alle Jugendlichen ansprechen, wirkt das Projekt umso interessanter. „Mit der Befragung ist es gelungen, junge Menschen zu erreichen, die andere Zugänge benötigen, um ihre Wünsche zu äußern“, berichtet David Homola, Kinder- und Jugendbeauftragter der Stadt Neuffen. Von ihnen zu erfahren, was für sie ihren Wohnort zur Heimat macht oder wo sie Entwicklungspotenzial sehen, eröffnet neue Sichtweisen, die helfen, die Bedürfnisse junger Menschen zu erkennen. Auf diese Weise wird ihre gesellschaftliche Teilhabe weiter verbessert.

Wer die Ausstellung besucht und mit ihren Machern diskutiert stellt fest, dass die Unterschiede zwischen Erwachsenen und Kindern in punkto Glücklichsein gar nicht so groß sind. „Sie alle wollen Freunde treffen, ungestört Raum für sich haben und Zeit mit ihrer Familie verbringen“, erklärt Heike Deigendesch. Natürlich gibt es auch Konflikte. Daniela Fichtl zufolge bedauerten einige der Projektteilnehmer, dass es Probleme gab, weil sie zu laut waren oder, dass einige Plätze, an denen sie sich aufhielten, nicht mehr zugänglich sind. „In der Befragung wünschten sich die Kinder und Jugendlichen aus Gutenberg immer wieder, dass das hiesige Sportheim nicht geschlossen wird“, erzählt Deigendesch. „Es war für sie ein Treffpunkt, an dem Jüngere und Ältere miteinander in Kontakt kamen und Zeit miteinander verbrachten.“ Ein Thema, das in einem Video aufgegriffen wird, das in die Ausstellung integriert ist.

Die 16-jährige Lara und die 14-jährige Saskia finden es wichtig, dass Erwachsene wissen, weshalb der Bahnhof, der Marktplatz oder das Gemeindehaus in Lenningen für sie wichtige Treffpunkte sind. Sie sind überzeugt, dass das die Akzeptanz gegenüber den Interessen junger Menschen stärkt. Sie räumen ein, dass sie sich mit ihren Freunden auch zu Hause treffen könnten. „Doch da sind dann meistens die Eltern“, bemerkt Lara. „Deshalb gehe ich mit Freunden lieber zum Bahnhof oder auf den Marktplatz“, ergänzt Saskia. „Außerdem herrscht dort viel mehr Leben und Abwechslung.“ Heike Deigendesch und David Homola jedenfalls hoffen, dass die Ausstellung Impulse für einen Austausch setzt.

Die Ausstellung „Zeig uns Deine Welt - was brauchst Du zum Glücklichsein?“ wird am heutigen Dienstag in der Ortsmitte von Gutenberg präsentiert. Menschen aller Altersgruppen sind eingeladen zwischen 11 und 18 Uhr in die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen einzutauchen und sie zu erleben. Besucher sind aufgefordert im Rahmen der dialogorientierten Ausstellung Fragen, Anregungen, Ideen und Wünsche einzubringen.

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