Lenninger Tal

Eiskalt erwischt

Wetter Der Wintereinbruch hat im Landkreis für Schneemassen gesorgt, mit positiven und negativen Folgen für Anwohner, Sportler und Autofahrer. Von Thomas Zapp

Wohl dem, der an diesem Morgen nicht arbeiten muss. Den Schnee in vollen Zügen genießen können im Landkreis vor allem diejenigen, die nicht pünktlich bei der Arbeit sein müssen. Almut Winkler aus Kirchheim gehört zu diesen glücklichen Menschen. Mit ihren Langlaufskiern fährt sie auf die Loipe an der Pfulb im Lenninger Ortsteil Schopfloch. Rund 40 Zentimeter Neuschnee haben die Schneefälle der letzten Tage gebracht, an der Pfulb befinden sie sich im richtigen Zustand. „Hier sind die Bedingungen optimal, es gibt keinen Schneebruch“, sagt sie. Bei Donnstetten waren die Loipen noch tief verschneit. Am heutigen Freitag öffnet ab 15 Uhr an der Pfulb auch wieder der Skilift, ebenso wie in den anderen Skigebieten Donnstetten, Bläsiberg in Wiesensteig und Ochsenwang.

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Trotz teilweise starkem Schneefall hat sich auch die Wandergruppe aus Wernau auf die Alb gemacht. Der dichte Nebel am Breitenstein hat die sechs Rentner jedoch überrascht. „Wir sind einmal im Kreis gelaufen, obwohl wir uns hier auskennen“, sagt Wolfgang Geiger. Mit seinem Bruder Konrad und den Freunden Werner, Blacky und Meinrad ist er trotzdem in Ochsenwang angekommen. Die sechs kennen sich seit ihrer Zeit als Ministranten und lassen sich die donnerstägliche Runde nicht nehmen. Zur Belohnung für ihre Odyssee kehren sie nun im Gasthof „Krone“ ein. Dort wird man sich freuen, aufgrund der Witterung rechnet Gastwirt Wilfried Rettenmaier an diesem Tag nicht mit Wandergästen.

Die Skepsis ist berechtigt. Der ein oder andere wird es sich trotz der weißen Pracht zweimal überlegen, ob er die Wanderstiefel schnürt. Das Landratsamt Esslingen hat am Donnerstag eine Warnung herausgegeben, dass Waldspaziergänge vermieden werden sollten. Grund ist der hohe Wasseranteil im Schnee, der vor allem auf der Albhochfläche für eine hohe Schneebruchgefahr sorgt. Der Waldparkplatz Quiekereck zwischen Schopfloch und Ochsenwang ist daher gesperrt worden. „Ganze Baumkronen brechen unter der Schneelast ohne Vorwarnung ab, kein Ächzen oder Knarren kündigt das Ereignis an“, erklärt der Lenninger Revierleiter Alexander Klein. Empfohlen wird daher, Winterspaziergänge durch schneebedeckte Felder und Wiesen zu machen. Auch wenn Tauwetter einsetzt, bleibt die Gefahr bestehen, weil Bäume in Schräglage gekommen sein können und mit Zeitverzögerung umstürzen können. Größere, abgebrochene Äste bleiben zudem in Baumkronen hängen und fallen durch den Wind später auf den Boden. So geschehen ist das auf dem Weg zur Diepoldsburg. Der war zeitweise wegen Räumarbeiten gesperrt. Mit Schnee überlastete Äste waren heruntergebrochen und hatten eine Stromleitung beschädigt. Die Reparaturarbeiten waren wegen der Gefahr weiteren Schneebruchs am Mittwochabend abgebrochen worden. Am Donnerstag konnte die Straße gegen Mittag wieder befahren werden.

Die Schattenseiten des Wintereinbruchs haben auch zahlreiche Autofahrer im Landkreis erlebt. So musste die B 297 am Donnerstagmorgen nach einem schweren Verkehrsunfall zwischen Kirchheim und Reudern zeitweise voll gesperrt werden. Ein 32-Jähriger war um 5.50 Uhr mit seinem Toyota auf der Bundesstraße von Kirchheim kommend in Richtung Nürtingen unterwegs. Kurz vor der Abzweigung nach Lindorf kam er aus bislang ungeklärter Ursache auf die Gegenfahrbahn. Als der Fahrer auf seine Fahrspur wechseln wollte, stieß ein entgegenkommender Corsa in die Fahrerseite des Toyota. Der Pkw des Mannes drehte sich daraufhin. Eine dem Opel nachfolgende 32-jährige VW-Lenkerin konnte nicht mehr rechtzeitig abbremsen und touchierte den Corsa. Der Kleinwagen wurde daraufhin nach rechts in die Böschung abgedrängt, die 62 Jahre alte Fahrerin erlitt schwere Verletzungen, ebenso wie der Unfallverursacher. Beide mussten nach einer notärztlichen Erstversorgung an der Unfallstelle mit dem Rettungswagen in eine Klinik gebracht und dort stationär aufgenommen werden.

An allen Fahrzeugen entstand wirtschaftlicher Totalschaden in einer Gesamthöhe von etwa 18 000 Euro. Während der Unfallaufnahme, der Versorgung der Verletzten und der Bergung der Fahrzeuge musste die B 297 teilweise voll gesperrt werden. Zeitweise wurde der Verkehr von der Autobahn her in Richtung Nürtingen durchgelassen, da sich ein Rückstau auf die A 8 gebildet hatte. Die Sperrung dauerte bis 8 Uhr morgens an.

Wohl dem also, der auf dieser Strecke nicht zur Arbeit fahren musste. Auch an der Ochsenwanger Steige ging es Richtung Kirchheim nur im Schritttempo bergab. Ortskundige wissen jedoch Alternativen. „Wir waren heute schon in Weilheim und sind dann über Hepsisau gefahren“, sagt der Ochsenwanger Alfred Feller. Danach hat er Zeit gehabt, das Flachdach seiner Garage vom Schnee zu befreien. Von Straßensperrungen hält auch Nachbar Klaus Techentien nichts. „Früher sind die Steigen nie gesperrt worden. Man muss einfach nur richtig ausgerüstet sein“, sagt er. Auch von der sportlichen Seite kann man den Wintereinbruch nehmen.

Info: Wer sich über die Loipenverhältnisse informieren will, kann das auf der Homepage www.landkreis-esslingen.de/wintersport oder der Loipen-Hotline 0 70 26/9 50 12-28 tun.

 

 

Drama zwischen Kirchheim und Nürtingen: Ein Verkehrsunfall hat am frühen ­Donnerstagmorgen für zwei Schwerverletzte gesorgt.
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Alfred Feller hat das richtige Gerät, um der Schneemassen Herr zu werden.
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Almut Winkler aus Kirchheim genießt an der Pfulb die perfekte Loipe.
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