Lenninger Tal

Entfaltungsmöglichkeiten für Kinder

Aber wie ist das in unserer Welt – auch hier bei uns? Die Schlagzeilen, die Kinder täglich machen, sind manchmal alles andere als ermutigend. Da ist von zunehmender Verarmung kinderreicher Familien bei uns und anderswo die Rede, von Millionen von Scheidungswaisen, von missbrauchten Kindern, sexuell ebenso wie durch Tourismus und Konsumzwang. Wir lesen von Millionen Straßenkindern in Lateinamerika und asiatischen Ländern, von Ausbeutung durch Kinderarbeit, von immer mehr obdachlosen Kindern auch bei uns in Deutschland und von zunehmender Jugend- und Schul- sowie Suchtkriminalität.

Freilich sollten wir das Bild der Kinder nicht nur negativ zeichnen, denn das entspricht nicht der Wirklichkeit. Das Verhältnis der Kinder zu ihren Eltern, beziehungsweise umgekehrt, ist weit besser als der öffentliche Ruf. Viele Jugendliche und Kinder mögen ihre Eltern. Das ist ein Zeichen, dass auch heute Kinder von zu Hause viel Gutes mitbekommen und zu schätzen wissen. Kinder erfahren daheim immer noch echte Geborgenheit und aufrichtiges, liebendes Angenommen sein. Sie erfahren und erleben zugleich wichtige Grundverhaltensweisen fürs Leben.

Auch Jesus legt uns das Wohl der Kinder besonders ans Herz. Für sie lässt er alles stehen und liegen. Er ruft sie zu sich, denn alle sollen wissen: Wer zu ihm gehören will, muss auch ja sagen zu den Kindern. Sie gehören zu ihm. So sagt er auch: Lasst die Kinder zu mir kommen, denn ihnen gehört das Himmelreich, oder wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen. Damit meint Jesus, so offen, ehrlich, vertrauensvoll, absichtslos, spontan und selbstvergessen wie Kinder es sein können, sollen auch wir sein. Kinder können das. Daran dürfen wir uns immer wieder erfreuen. Dann darf uns auch das Lärmen und Toben der Kinder, ihr Lachen und ihr Schreien nicht stören, sondern eher Mut machen.

Wie hat der frühere Oberbürgermeister von Stuttgart, Manfred Rommel, einmal gesagt: „Die Menschen sind zwar alle abstrakt kinderfreundlich, aber sie lieben die Kinder umso mehr, je weiter sie von ihnen entfernt sind; sie fordern das geräuscharme Flüsterkind in den Großstädten.“ Bieten wir also Kindern Platz und Möglichkeiten sich zu entfalten.

Winfried Hierlemann

Pfarrer in Maria Königin, Kirchheim

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