Lenninger Tal

Entscheidung für die Würde

Am Ende trifft es jeden. Und wer will sich da nicht gewiss sein, eine würdige letzte Ruhestätte zu finden?

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Der Lenninger Gemeinderat hat mit seinem Beschluss, alle Friedhöfe zu sanieren, eine weise Entscheidung getroffen. Für die Hinterbliebenen ist es nach dem Tod eines Verwandten, Bekannten oder Freundes schon schwer genug, am Grab zu stehen. Die Gestaltung dieses Ortes der Trauer kann viel dazu beitragen, dass sich Menschen gern und oft auf den Totenacker begeben und in Würde trauern. Wenn sich der Friedhof als Platz der Ruhe und der Begegnung anbietet, verschwindet das klamme Gefühl am Eisentor.

Zudem schneidet Lenningen alte Zöpfe ab. War bisher der Wohnort für die letzte Ruhestätte maßgebend, überlässt die Gemeinde die Entscheidung jetzt dem Einzelnen. So bekommt der Mensch auf seinem letzten Weg die Würde der Individualität. Dazu gehört Mut, weil es seit über hundert Jahren anders festgelegt war. Lenningen bietet bald eine vielfältige Auswahl an Begräbnisarten. Damit tragen der Ortschef Michael Schlecht und die Gemeinderäte auch der multikulturellen Gesellschaft Rechnung. Einstige Grundgedanken werden erschüttert und durch frische, würdevolle Ideen ersetzt.

Wenn die Maßnahmen im Jahr 2020 abgeschlossen sind, gibt es da nicht nur breitere Wege, gestutzte Hecken und die Urnengrabanlagen. Viel mehr noch: Die Räte und der Ortschef greifen das Tabuthema Tod auf und befassen sich damit. Sie wollen die Ruhestätten respektvoll und ansehnlich gestalten.

So bieten die Lenninger Teilgemeinden nicht nur zu Lebzeiten ein Zuhause, sondern schaffen mit dem Konzept „Ein Friedhof – fünf Standorte“ Trauerstätten, die für die Lebenden und Toten gleichermaßen zum würdevollen Ort der Ruhe, Stille und Begegnung werden. Hut ab, dass Lenningen für die Bürger auch nach ihrem Tod ein Stück Heimat sein will.

THOMAS KRYTZNER