Lenninger Tal

Entspanntes Pilgern mit Musik

Fest Es hat alles gepasst beim sechsten Schopflocher Scheunensommer. Publikum, Angebot, Konzert und Wetter fallen in die Kategorie „Weiter so“. Von Sabine Ackermann

Das Duo Sahara spielte beim Schopflocher Scheunensommer Coversongs, aber auch Eigenes. Fotos: Sabine Ackermann
Das Duo Sahara spielte beim Schopflocher Scheunensommer Coversongs, aber auch Eigenes. Fotos: Sabine Ackermann

I mach ja fast alles für di“, beteuert Hans-Rainer Seelig - doch sein Gesicht spricht eine ganz andere Sprache. Wer jetzt vermutet, der männliche Part des Duos „Sahara“ ist ein falscher Fuffziger, liegt völlig daneben. Ganz im Gegenteil, der Gitarrist und Sänger versteht sich blendend mit Sandra Linsenmayer, genauer gesagt agieren beide „Hautnah“. So nämlich heißt das Konzert, das die zwei Vollblutmusiker bei allerbestem „Musik-Wohlfühl-Wetter“ am Samstag vor dem Schopflocher Haberhaus gaben. Und das war richtig schön: herrlich unverkrampft, unbeschwert, vielseitig sowie musikalisch hörenswert.

Mehr als 30 Coversongs sowie eine Handvoll eigene Lieder hatte das talentierte Doppelpack im Gepäck. „Dream a little dream of me, mein absolutes Lieblingslied“, lässt die Sängerin die Zuschauer wissen. Ohren zu und durch, scheint sich hingegen Hans-Rainer Seelig bei diesem alten Schnulzenklassiker zu denken und zupft „ganz Gentleman“ wacker seine Saiten.

Die kleine Kabbeleien machen's authentisch

Es sind gerade die kleinen Kabbeleien - zum Beispiel, wenn Sandra Linsenmayer inmitten ihrer gesanglichen Träumereien ob der Mimik ihres Duopartners plötzlich lauthals lachen muss -, die den Auftritt so authentisch machen. „Hoffentlich staubt‘s et so“, äußert scherzhaft ein Besucher, als Gastgeberin Heike Gössel vor Saharas Konzertbeginn die große Gästeschar begrüßt. Seit Wochen freue sie sich auf die Band, und jetzt passe auch noch das Wetter, um draußen zu sitzen, verkündet die Inhaberin vom Haberhaus. Sie verrät, dass sich der Duoname aus den drei Vornamen zusammensetze. Sandra, Hans, Rainer.

Während langsam die Sonne untergeht, halten die liebevoll zusammengestellten Titel aus unterschiedlichen Genres, Ländern und Jahrzehnten die Leute bei bester Laune. Ob zwei Jungs auf ihren Scootern bei „All of me“ nach John Legend geschickt zwischen und um die Bierbänke „düsen“, ein blondes Mädchen bei Reamonns „Supergirl“ vor dem Künstlergespann in die Rote beißt oder der Geräuschpegel im Publikum bei Whitesnakes „Don‘t turn away“ bisweilen fast die Musik übertönt - alles ist gut, der Scheunensommer ist gut.

Hier wird spontan mitgetanzt. Foto: Sabine Ackermann

Sandra Linsenmayer und Hans-Rainer Seelig wissen, dass die Menschen nicht nur zuhören, sondern auch reden wollen. „Hallo, auch hier“, klingt es aus der einen Ecke, oder ein „Hosch scho g‘hört“ aus der anderen. Ab und zu ertönt auch ein leicht ärgerliches „Psssch“ aus dem Mund des Herrn, der ja zu Beginn angesichts von Sahara eine Stauballergie befürchtete. Und jetzt ärgert er sich bisweilen zu Recht, wenn die besonders schönen Balladen wie „Heaven“ nach Bryan Adams, Pinks „Dear Mr. President“ oder „Wish you were here” im Stimmengewirr fast untergehen. Hoppla, wo kommen die denn her? Es ist amüsant, wie drei ältere Herrschaften mit ihren großen Holzblumen durch die Menge ziehen und auch hinter den Musikern ein Kommen und Gehen herrscht. Das musikalische Tandem beherrschte auch Christina Stürmers „Millionen Lichter“, sang vom „Geilen Leben“ der Gruppe Glasperlenspiel oder stellte Jürgen Seibolds „Gisela“ vor. Fehlen durften auch weder die „Schwabenhymne“ nach Rock & Rollinger“ noch Hans-Rainer Seeligs selbst komponierte Jahreszeiten „Four Seasons“ - ein Instrumentalstück der besonderen Art. Logisch, dass Sahara nach der Show nicht ohne Zugabe entlassen wurde und von allen Seiten zu hören bekam: „Super handgemachte Musik, haut voll rein.“

"Es wird immer mehr"

Wer zuvor mit offenen Augen durch Schopflochs Straßen und enge Gassen ging, wurde nicht enttäuscht. „Ich habe das Gefühl, es wird jedes Jahr mehr“, sagt Heike Gössel vom Haberhaus über den Schopflocher Scheunensommer. Zuständig für spontane „Mitmachtänze“ war Christina Kulhanek vom Lenninger Tanzkreis, wo zum Gesang und Spiel an Akkordeon und Hackbrett von Stefan und Doris Lipka wieder mal die Damen die Nase vorn hatten. Für den guten Zweck war die Schülerfirma „Helfende Hände“ der Werkrealschule Lenningen mit dem Leierkasten unterwegs. Alles über Bienen wusste Imker und Forstwirt Edwin Votteler zu berichten, und Sophie Stierle von Barth-Art zeigte der Kundschaft, was man aus Filz alles machen kann.

„Anfangs lief‘s wegen Kaffee und Kuchen schleppend, dann hat sich‘s gesteigert“, zieht Johannes Barth nebst Fünfer-Team Bilanz vom Flammkuchenverkauf. Absolut in Plauderlaune war Jan Abegg, der bereits zum vierten Mal wieder den Oberbüttel gibt und über dessen Arbeit einiges zu berichten wusste. Ganz cool an ihrer Violine präsentierte sich die dreizehnjährige Elina, die mit ihrem Vater Heilmut Kwoka in der Kulturscheune das Vivaldi-Doppelkonzert A-Moll zum Besten gab. Welch eine Vielfalt!

Anzeige