Lenninger Tal

„Erhoffen uns Strahlkraft nach außen“

Schulterschluss Eileen Gerstner ist die Wirtschafts- und Tourismusförderin für Erkenbrechtsweiler, Owen und Lenningen. Die 23-Jährige möchte die Bürger mit ins Boot nehmen. Von Anke Kirsammer

Eileen Gerstner (zweite von links) soll die Wirtschaft und den Tourismus in Lenningen, Owen und Erkenbrechtsweiler voranbringen.
Eileen Gerstner (zweite von links) soll die Wirtschaft und den Tourismus in Lenningen, Owen und Erkenbrechtsweiler voranbringen. Die Bürgermeister der drei Kommunen, Michael Schlecht, Verena Grötzinger und Roman Weiß (von links), heißen sie auf dem Unterlenninger Sulzburghof willkommen. Fotos: Markus Brändli

Wirtschaft und Tourismus - Felder, in denen Lenningen, Owen und Erkenbrechtweiler Handlungsbedarf sehen und die sich gegenseitig befruchten sollen. Gemeinsam beschäftigen die drei Gemeinden deshalb erstmals eine Wirtschafts- und Tourismusförderin. Kein anderer Ort hätte besser gepasst, um Eileen Gerstner vorzustellen, als der Unterlenninger Sulzburghof. Der Blick auf den gegenüberliegenden Teckberg mit dem „Zahnbürstle“ am Hohenbol und dem Gelben Felsen vermitteln mit dem schon am frühen Vormittag gut gefüllten Café den Eindruck von Urlaub zu Hause. Im Tal dröhnen Baufahrzeuge, die den Bau des Hochregallagers der expandierenden Firma Leuze electronic vorbereiten, am Horizont ragt der Scheufelen-Kamin empor. - 150 Jahre Wahrzeichen für die florierende Wirtschaft im Lenninger Tal, setzt er jetzt ein Ausrufezeichen hinter das Bemühen um neue Arbeitsplätze. In diesem Spannungsfeld aus touristischem Potenzial und wirtschaftlichen Gegebenheiten bewegt sich die neu geschaffene Stelle, die sich die drei Kommunen jährlich gemeinsam 50 000 Euro kosten lassen. Kofinanziert wird sie in den ersten drei Jahren vom Verband Region Stuttgart.

Was Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht besonders umtreibt, ist der Niedergang der Papierfabrik. „In den vergangenen 15 Jahren sind bei Scheufelen 800 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze weggefallen“, sagt er. Die gut 16 Hektar große Industriebrache birgt für ihn jedoch nicht nur ein Risiko, sondern auch eine enorme Chance. Das sieht auch Eileen Gerstner so. Gleichzeitig dämpft sie Erwartungen: „Bis sich dort Firmen ansiedeln, gehen bestimmt fünf Jahre ins Land.“

Schritt für Schritt soll überlegt werden, wie sich Lenningen, Owen und Erkenbrechtsweiler touristisch aufstellen wollen. Das in einer Zeit, in der mit einem leer stehenden Harpprechtshaus und einer schließenden Krone in Brucken das Gaststättensterben im Lenninger Tal anhält. Dass es ein Potenzial gibt, ist für Eileen Gerstner, die für einen naturnahen Tourismus eintritt, keine Frage. Als Stichworte nennt sie das Wandern, das Thema Kelten, das Biosphärengebiet und die Streuobstwiesen. Tourismus und Direktvermarkter könnten sich gegenseitig stärken. „Ich möchte die Leute zusammenbringen“, kündigt sie an. Wichtig ist ihr, nicht über die Köpfe der Bewohner hinweg zu handeln, sondern ihre Bedürfnisse zu erfragen. Ihre Rolle sieht sie zudem als Vermittlerin zwischen Bürgern und Verwaltung.

Das Lenninger Tal hat für naturnahen Tourismus einiges zu bieten: Der Teckberg gehört zu den prominenten Beispielen.
Das Lenninger Tal hat für naturnahen Tourismus einiges zu bieten: Der Teckberg gehört zu den prominenten Beispielen.

Mit der gemeinsamen Stelle wollen die drei Bürgermeister zeigen, dass Kirchturmdenken im Lenninger Tal und auf der Albhochfläche keinen Platz hat. „Nur als kleine Gemeinde kommt man nicht weiter“, so der Rathauschef von Erkenbrechtsweiler, Roman Weiß. Vor Jahren selbst gebrandmarkt durch die Abwanderung des einst größten Steuerzahlers, bezeichnet er es als „Sechser im Lotto“, dass das Owener Unternehmen Leuze electronic in Unterlenningen ein neues Verteilzentrum baut. Wichtig sei, solche Firmen in der Region zu halten.

Owens Bürgermeisterin Verena Grötzinger erhofft sich von Eileen Gerstner Strahlkraft nach außen. Bei den „Hochgehbergen“ sind die Kommunen schon zusammen unterwegs. Auch das Gewerbe habe durch die Öffnung des Handels- und Gewerbevereins (HGV) Owen zum HGV Teck signalisiert, dass es über den eigenen Tellerrand hinausblickt. Arbeitsplätze im Lenninger Tal zu schaffen, könne zudem dazu beitragen, die Zahl der Pendler zu verringern und das „Nadelöhr“ Owen zu entlasten.

Zur Person

Eileen Gerstner hat an der katholischen Universität Eichstätt-Ingolstatt Geografie mit den Schwerpunkten Freizeit, Umwelt und Tourismus studiert. Studienbegleitend arbeitete die 23-Jährige bei der Stadt Coburg in der Wirtschaftsförderung. Erste Erfahrungen im Bereich Touristik sammelte Eileen Gerstner in der Touristikgemeinschaft Heilbronner Land und bei „Turbopass“ in Hamburg - einem Tourenanbieter in der Hansestadt.ank

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