Lenninger Tal

Erstmals steht eine Frau an der Spitze

Feuerwehr In Grabenstetten ist Melanie Isert die erste stellvertretende Kommandantin einer Freiwilligen Feuerwehr im Landkreis Reutlingen. Von Alexander Thomys

Jürgen Scheu hört künftig auf die Kommandos von Melanie Isert.Foto: Alexander Thomys
Jürgen Scheu hört künftig auf die Kommandos von Melanie Isert.Foto: Alexander Thomys

Gleich nachdem ihre Kameraden Melanie Isert zur stellvertretenden Kommandantin der Freiwilligen Feuerwehr Grabenstetten gewählt hatten, gratulierte Kreisbrandmeister Wolfram der 32-Jährigen. „Der Kreisbrandmeister meinte, ich sei die erste Frau in diesem Amt im Landkreis Reutlingen“, berichtet Isert nicht ohne Stolz. Das ist wirklich was besonderes. Der Kreis Esslingen kann nach Auskunft des Landratsamtes gar keine Frau im Rang eines Kommandanten oder eines Stellvertreters aufweisen.

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Dabei gehört Melanie Isert erst seit zwei Jahren zur Grabenstetter Wehr. Das Feuerwehrhandwerk hat sie in ihrem Geburtsort bei der Freiwilligen Feuerwehr Nürtingen gelernt. Als 14-Jährige folgte sie ihrem Vater zur Nürtinger Wehr. Nach vier Jahren in der Jugendfeuerwehr folgte der Übertritt zu den Aktiven und die weitere Ausbildung zum Truppführer und Atemschutzgeräteträger. 2014 zog Isert nach Grabenstetten - und legte das Thema Feuerwehr erst einmal beiseite.

„Ich konnte mir nicht vorstellen, zu einer anderen Feuerwehr als Nürtingen zu gehören“, gesteht die 32-Jährige. Doch ohne Feuerwehr hielt sie es nicht lange aus. Als im November 2014 eine Grabenstetter Zimmerei abbrannte, habe es bei ihr schon „gekribbelt“. Von Weitem beobachtete sie damals das Geschehen. Und als die Grabenstetter Floriansjünger einige Zeit später während einer Nachtübung mit Blaulicht an ihrem Fenster vorbeifuhren, sprang die gelernte Bürokauffrau gleich ans Fenster.

2015 stand dann Kommandant Andreas Müller vor der Tür, der zufällig erfahren hatte, dass eine gelernte Feuerwehrfrau in den Ort gezogen sei. „Er hat mir gleich den Dienstplan mitgebracht“, erinnert sich Melanie Isert schmunzelnd. Und auch wenn sich die Neu-Grabenstetterin Bedenkzeit erbat, „war für mich schon an diesem Tag alles klar“.

Noch heute denkt die 32-Jährige gerne an ihren ersten Besuch im Grabenstetter Feuerwehrgerätehaus zurück. „Ich habe mich gleich wie zu Hause gefühlt.“ Und auch in der Truppe kam sie schnell an, ließ sich zur Maschinistin ausbilden und half, die Kinderfeuerwehrgruppe „Löschis“ mit aufzubauen.

Ihr Engagement sah auch Jürgen Scheu. 20 Jahre lang hatte der 45-Jährige das Amt des stellvertretenden Kommandanten inne, doch der selbstständige Malermeister war aus zeitlichen Gründen auf der Suche nach einem Nachfolger - oder einer Nachfolgerin. „Ich wusste gleich, dass sie das kann und dieser Aufgabe würdig ist“, sagt Scheu. Isert hört es gerne, staunt aber auch ein wenig über ihre steile Karriere: „Ich hab den Haufen ganz schön durchgewirbelt.“ Doch die 32-Jährige weiß um die „Herausforderung“ ihrer neuen Aufgabe. Mit Kommandant Andreas Müller und Scheu bespricht sie sich deshalb intensiv, und noch in diesem Jahr steht der Gruppenführer-Lehrgang an der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal an.

Die gute Kameradschaft will Isert in Zukunft in ihrem Amt erhalten und ausbauen. Und auch für die geplante Ersatzbeschaffung für das Löschfahrzeug LF 8/6 im Jahr 2018 wird sich Isert einsetzen. „Außerdem will ich die Jugendlichen zum Weitermachen motivieren“, sagt Isert. Der Anfang ist gemacht: Zusammen mit Kommandant Müller übernimmt die 32-Jährige den Fahrservice für die Jugendlichen, die derzeit bei der Freiwilligen Feuerwehr Münsingen an der Grundausbildung teilnehmen.