Lenninger Tal

Es gibt das, was man braucht

Infrastruktur Der Dorfladen in Hülben hat sich als Einkaufsstätte etabliert. 2018 wurde erstmals ein ausgeglichenes Ergebnis erwirtschaftet. Von Michael Koch

Sie sind mit der Entwicklung des Dorfladens sehr zufrieden: Geschäftsführerin Valerie Kuder und der Aufsichtsratsvorsitzende Sie
Sie sind mit der Entwicklung des Dorfladens sehr zufrieden: Geschäftsführerin Valerie Kuder und der Aufsichtsratsvorsitzende Siegmund Ganser.Foto: Michael Koch

In wenigen Tagen jährt sich die Eröffnung des Dorfladens gegenüber des Hülbener Rathauses zum zweiten Mal. Am 19. Januar 2017 wurden die Ladentüren erstmals für die Kundschaft geöffnet.

Anzeige

Nachdem die Verantwortlichen in den Monaten nach der Betriebsaufnahme zunächst noch reichlich Lehrgeld zahlen mussten, was letztlich zu einem Minus von mehr als 40 000 Euro im Jahr 2017 führte, hat sich das Blatt im vergangenen Jahr gewendet. Der offizielle Jahresabschluss steht zwar noch aus, aber es wird auf eine schwarze Null hinauslaufen, wie Geschäftsführerin Valerie Kuder und Bürgermeister Siegmund Ganser, seines Zeichens Aufsichtsratsvorsitzender der Genossenschaft, berichten.

Ohne Groll blicken sie auf die schwierige Anfangszeit zurück. „Wir waren alle nicht vom Fach und sind mit dem Dorfladen ins kalte Wasser gesprungen“, sagt Valerie Kuder. So waren die Personalkosten am Anfang zu hoch, das Sortiment hat nicht mit den Wünschen der Kundschaft übereingestimmt, und die Bedeutung des Ladens war der Bevölkerung noch nicht bewusst. Ein Beispiel: „Uns wurde abgeraten, wegen des Haltbarkeitsdatums Frischmilch ins Sortiment zu nehmen. Die Nachfrage war dann aber so groß, dass wir inzwischen mehrere Sorten zur Auswahl haben“, erzählt die Geschäftsführerin. Vieles hätte sich eben erst einspielen müssen, da gehörte die Frage nach dem richtigen Personalbestand natürlich dazu. „Ein katastrophales Jahr, wir haben Anfängerfehler gemacht“, fasst es Siegmund Ganser unverblümt zusammen.

Abgehakt: Heute wird der Dorfladen mit 1,6 Stellen in Vollzeit und zwei 450-Euro-Kräften betrieben. Wichtiger Stützpfeiler bleibt aber das ehrenamtliche Engagement aus der Bürgerschaft. Zehn Personen helfen regelmäßig im Laden mit, 15 weitere stehen auf Abruf bereit, etwa, wenn es um Fahrdienste zu den Lieferanten, Bürotätigkeiten oder, aktuell in dieser Woche, um Unterstützung bei der Inventur geht. „So sind wir optimal aufgestellt, wir haben unser System endlich gefunden“, resümiert Valerie Kuder.

Sie bezeichnet den Dorfladen als Vollsortimenter. Etliche Stammkunden aus Hülben machen inzwischen ihren kompletten Wocheneinkauf vor Ort. Eine besondere Stärke ist die Auswahl an frischem Obst und Gemüse. Insgesamt bezieht der Dorfladen seine Waren von 25 Lieferanten, allesamt aus der Region. Das macht auf der einen Seite den Aufwand für Bestellungen und Warenannahmen zwar besonders groß, sichert aber auf der anderen Seite die hohe Qualität im Sortiment. Damit wurde 2017 immerhin ein Umsatz von 390 000 Euro erwirtschaftet, nach 320 000 Euro im Jahr zuvor.

Was sich so einfach liest, war aber ein richtiger Kraftakt für die Beteiligten. Umtriebig wurde an den Umstrukturierungen gefeilt, Sonderaktionen wurden ins Leben gerufen und das Warenangebot angepasst. Und ganz wichtig: Die Bevölkerung ist nochmals wachgerüttelt und auf die Bedeutung des Dorfladens aufmerksam gemacht worden. Für die einen ist er „nur“ eine Einkaufsmöglichkeit, mit Café auch eine Aufenthaltsmöglichkeit. Für andere, wie Bürgermeister Ganser, ist der Dorfladen Teil der Daseinsvorsorge, die ländliche Kommunen bieten müssen, um nicht auszusterben. Ein Dorfladen hat für ihn da die gleiche Bedeutung wie Bildungs- und Kinderbetreuungseinrichtungen oder wie etwa die ortsnahe ärztliche Versorgung. „Wir brauchen diesen Laden“, so Ganser. Deswegen hatte die Gemeinde der Genossenschaft zum Auftakt ein zinsloses Darlehen von 25 000 Euro zur Verfügung gestellt. Dieses muss nun nicht mehr zurückbezahlt werden, sondern wird in Anteilsscheine umgewandelt, „sonst wäre der Laden zum Jahresende insolvent gewesen“, sagt Ganser.

Nun profitiert der Dorfladen stattdessen von den Unbilden des Winters. Statt auf schneeverschmierten Straßen zu den nächsten Discountern zu fahren, kaufen die Hülbener lieber direkt vor Ort ein. So gestaltet sich der Auftakt des Geschäftsjahres schon mal sehr erfolgreich.