Lenninger Tal

„Es ist Zeit für einen Neuanfang“

Wahlkampf Der SPD-Bundestagskandidat Dr. Nils Schmid macht auf seiner Dialogtour in Owen Station. Das „Rennen“ hält er weiter für spannend. Von Anke Kirsammer

Im Owener Bürgerschaftskeller geht es dem SPD-Bundestagskandidaten im Wahlkreis Nürtingen, Nils Schmid, um den direkten Draht zu
Im Owener Bürgerschaftskeller geht es dem SPD-Bundestagskandidaten im Wahlkreis Nürtingen, Nils Schmid, um den direkten Draht zu den Menschen. Foto: Markus Brändli

Als Nils Schmid kurz nach 19 Uhr gut gelaunt den Owener Bürgerschaftskeller betritt, hat er bereits einen Elf-Stunden-Tag hinter sich. Erklärtes Ziel des SPD-Mannes, der am 24. September den Nürtinger Bundestagsabgeordneten Rainer Arnold beerben möchte: „Alle Ecken des Wahlkreises zu erkunden“. Und der ist ziemlich groß im Gegensatz zum „schnuckligen“ Wahlkreis Reutlingen, den er bisher als Landtagsabgeordneter vertritt. In und um Kirchheim war der 44-Jährige auf seiner Dia­log­tour schon im Juni unterwegs. Am Montag nun klapperte er verschiedene Stationen rund um die Teck ab: Die Papierfabrik Scheufelen besuchte er ebenso wie Owens Bürgermeisterin Verena Grötzinger, die Ziegelhütte sowie die Firma Erdbau Fischer in Weilheim, und er hatte in der Limburgstadt einen Diskussionsstand aufgebaut. „Es ist mir ein Anliegen, in der heißen Wahlkampfphase mit den Menschen ins Gespräch zu kommen“, sagt der SPD-Kandidat.

Vieles ist mit Angela Merkel nicht umsetzbar, so Nils Schmids Fazit nach vier Jahren Großer Koalition. Die gerechte Finanzierung der Krankenkassenbeiträge, das Beseitigen von „Auswüchsen der Leiharbeit“ - bei diesen und anderen Themen komme die SPD mit der Union nicht weiter. Außenpolitisch rutsche man mit ihr in eine Aufrüstungsspirale. „Es ist Zeit für einen Neuanfang“, so lautet die Überzeugung des Sozialdemokraten. Martin Schulz ist für ihn der richtige Kanzlerkandidat, da er Haltung für Europa gezeigt hat. Dass die Wahl schon gelaufen ist, wie viele aufgrund der Umfragen meinen, glaubt Nils Schmid nicht. „Es wird noch ein spannendes Rennen, weil die Bürger erkennen, was wir zu bieten haben und was die Union zu bieten hat.“

Die Arbeit von Rainer Arnold, der sich mit 67 Jahren aus dem Bundestag verabschiedet, möchte Nils Schmid fortführen. Dazu gehören ein Wahlkreisbüro in Nürtingen und Parlamentsfahrten. „Es geht darum, im Wahlkreis einen direkten Draht nach Berlin zu haben.“ Den direkten Draht zum SPD-Kandidaten suchen im Owener Bürgerschaftskeller zwar nicht ganz so viele Wähler, dennoch entspinnt sich eine rege Diskussion. Position bezieht Nils Schmid beispielsweise zu Trumps Forderung, zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Rüstung auszugeben. Wenn überhaupt, werde Deutschland das nicht so schnell erreichen, vor allem dürfe dieser Etat nicht zu Lasten der Gesellschaft gehen. Er verweist auf das Ausweiten ziviler Friedensdienste und die Ausgaben für Flüchtlinge in Milliardenhöhe. Rüstungswettläufe machten die Welt nicht sicherer. Vielmehr müssten Russland und Amerika im Gespräch bleiben.

Einem Bürger brennt das Thema „Wohnungsbau“ auf den Nägeln. Die Kommunen sind laut Nils Schmid gefordert, Flächen auszuweisen und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Eine Idee der SPD sei, Baukindergeld zu zahlen. Auch Menschen mit niedrigerem Einkommen müssten es sich leisten können, im Ballungsraum zu wohnen. „Der soziale Wohnungsbau treibt uns um“, betont der Kandidat.

Ein Anliegen ist dem ehemaligen Finanz- und Wirtschaftsminister des Landes eine gute Finanzausstattung der Kommunen. Dazu gehört für ihn unter anderem, dass das Geld für Sozialausgaben bundesweit eingesammelt wird und Freiberufler wie andere Selbstständige Gewerbesteuer bezahlen.

Dr. Richard Warth, der in Owen 32 Jahre lang als Allgemeinmediziner praktiziert hat und jetzt eine Praxis für Naturheilverfahren betreibt, befürchtet, dass Hausärzten das Wasser abgegraben wird, wenn die SPD die Bürgerversicherung einführt. „Das nehme ich gerne mit“, erklärt Nils Schmid dazu.

Die Brennstoffzelle ist für ihn eine „verheißungsvolle Technologie“, Fahrverbote hält er für „einfallslos“, stattdessen brauche es einen Verkehrsminister, der nicht aus Bayern kommt, sowie kontinuierlich mehr Geld für Straße und Schiene; die Lkw-Maut gehöre auf alle Bundesstraßen ausgeweitet. „Es ist völlig irre, wie viele Laster mit ausländischem Kennzeichen über die Alb fahren.“

Kurz vor neun ist der offizielle Teil nach einem 13-Stunden-Tag beendet. Noch läutet Nils Schmid den Feierabend nicht ein: „Für Fragen stehe ich gerne noch bereit.“

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