Lenninger Tal

Etliche Veteranen bleiben in der Garage

Oldtimertreff im Beurener Freilichtmuseum: Wetterpech und treue Gäste – SWR dreht für „Treffpunkt“

Dunkel und grau fraßen sich die Wolken gestern am Albtrauf fest. Doch Dauerregen und Feuchtigkeit schreckten echte Fans nicht ab: Mit Schirm und festen Schuhwerk machten sie sich auf ins Beurener Freilichtmuseum, das am Wochenende zum 19. Mal einmalige Kulisse für eines der größten Oldtimertreffen in Süddeutschland war.

Etliche Veteranen bleiben in der Garage
Etliche Veteranen bleiben in der Garage

Beuren. Der Duft nach Rührei und Speck hängt über dem kleinen Wagendorf an der Pädagogikscheuer. Von der Zeltplane tropft das Wasser und im Planwagen Marke Eigenbau war die Nacht klamm und feucht. „Macht nix“, tönt es unisono aus der munteren Runde, die sich hier zusammen „schnuggelt“. Aus der Nähe von Heilbronn sind sie zum Oldtimer-Treff nach Beuren gekommen. Zwei Übernachtungs-Stopps brauchten sie auf dem Weg hierher. Und einer der Schlepper ist auf der Strecke geblieben: „Der steht in Welzheim, den müssen wir noch abholen“, berichten sie.

Nicht die einzigen, die für das große Oldtimertreffen weite Wege auf sich nehmen. Auch Reinhard Rethemeier ist so einer. Mit seinem Holder E11 hat sich der „Deichselreiter“ von Paderborn auf den Weg gemacht. Zuerst auf ein großes Oldtimertreffen im Taunus, seit Donnerstag nun macht er mit seiner Frau in Beuren Station, vor allem wegen der Holder-Sonderschau. Von hier aus geht es weiter bis ins schweizerische Emmental.

Vielleicht kann er sich auf der Weiterreise den „Hürlimänner“ anschließen. Seit der Sonderschau mit den Schlepper des Schweizer Herstellers 2011 kommen jedes Jahr Oldtimer-Schlepper aus St. Gallen zum Treff ins Schwäbische. „Mittlerweile sind freundschaftliche Beziehungen nach Weilheim entstanden“, verrät Werner Unseld vom Freilichtmuseum.

Auf ihrem Treck nach Beuren begleitete die Hürlimänner in diesem Jahr sogar ein Fernsehteam und filmte die Überfahrt mit der Fähre über den Bodensee. Im Konvoi fuhren die Schweizer Gäste schließlich gestern auf das Museumsgelände.

Ohnehin dürfte der Samstag in der Bilanz der bessere der beiden Ausstellungstage gewesen sein. Rund 2 800 Besucher und über 400 Fahrzeuge verzeichneten die Helfer bei deutlich besseren Witterungsverhältnissen. Unter anderem beteiligte sich der Verein für Feuerwehrhistorik mit einem großen Konvoi: Etwa 20 historischen Fahrzeuge von Wehren aus dem gesamten Kreis schlossen sich der Fahrt vom Parkplatz Bunker ins Museumsdorf an. Eugen Schmid vom Organisations-Team freute sich außerdem über einige schöne alte Benz, die sich vor der Kulisse der alten Bauernhäuser präsentierten. Auch ein edler Duesenberg mischte sich am Samstag unter die Automobil-Raritäten. Schmankerl wie ein seltener Speedster und ein Bugatti hat der Oldtimer-Kenner ebenfalls entdeckt.

Die Nässe macht auch dem Dreh-Team des SWR am Sonntag mächtig zu schaffen. „Sie haben gestern zum Glück schon vieles in den Kasten geholt“, sagt Schmid. Am Sonntag muss halt im strömenden Regen gedreht werden, die Crew versucht dennoch, das Beste daraus zu machen und suchte das Gespräch mit den Ausstellern. Der geplante Drohnenflug aber muss warten. Ohnehin bekäme das fliegende Kameraauge bei weitem nicht so viele Fahrzeuge vor die Linse wie in anderen Jahren. Vor allem die Besitzer historischer Automobile lassen ihre Schätzchen an diesem verregneten Sonntag lieber in der trockenen Garage. Auch von den alten Holder-Schleppern versammeln sich nur wenige zur Sonderschau am Schafstall. Immerhin hat der Hersteller aus Metzingen, der heute vor allem für kommunale Fahrzeuge bekannt ist, einige seiner Raritäten aus dem firmeneigenen Fundus mit nach Beuren gebracht.

Richtig urtümlich bollern die alten Lanz-Bulldogs vorbei. Wie immer sind die urtümlichen Gefährte, deren Glühkopf erst einmal auf Betriebstemperatur gebracht werden muss, eine der Hauptattraktionen. Eine stattliche Fangemeinde haben aber auch die Unimog, die Martin Flammer den Besuchern in einer kurzen Vorstellung fachmännisch näher bringt. 32 Jahre hat er an der Entwicklung der Allrounder mitgewirkt, erst seit November ist er im Ruhestand. Von ihm erfahren die Besucher beispielsweise, dass die Idee zu dem universell einsetzbaren Fahrzeug 1945 in Hohenheim entwickelt wurde.

Trotz interessanter Technik: Viele sind es nicht, die gestern über aufgeweichte Wege und Wiesen stapfen. Wer kommt, ist echter Oldtimer-Fan. Und zum Fachsimpeln kriecht man eben gemeinsam unter einen Schirm. Dennoch: Die Bilanz hat der gestrige Regen ordentlich vermasselt. Schon um die Mittagszeit brachen deshalb die ersten auf, um ihre rollenden Raritäten wieder ins Trockene zu bringen.

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