Lenninger Tal

Extremes Projekt hat es jetzt trocken

Richtfest Im Rahmen des Projekts zur Berufsorientierung mit Jugendlichen der Ziegelhütte zählt das Dach des denkmalgeschützten Schafstalles Randeck als erste Etappe. Von Sabine Ackermann

Das Richtfestbäumchen ist aufgerichtet und die Zimmerleute sprechen den Richtspruch auf dem Schafstallgebäude.Foto: Sabine Acker
Das Richtfestbäumchen ist aufgerichtet und die Zimmerleute sprechen den Richtspruch auf dem Schafstallgebäude.Foto: Sabine Ackermann

Der Rohbau steht, der Dachstuhl ist errichtet und damit sind die Gestalt und Höhe des Hauses erreicht. Fertigstellung sowie Einzug rücken nun immer näher. So markiert das Richtfest für den Bauherrn einen Meilenstein beim Hausbau. Ganz anders verhält es sich dagegen beim Randecker Schafstall, vormals ein Viehhaus mit sogenannten Teckschlag-Rindern.

Etwa vier Jahre ist es her, als Gerd Kälberer seinem Kollegen vorschlug: „Hendrik, da müssen wir ein Jugendprojekt daraus machen.“ Doch der Geschäftsführer der Ziegelhütte Hendrik van Woudenberg war skeptisch, gab zu bedenken: „Das macht doch keinen Sinn, das Gebäude ist viel zu marode.“

„Herr Musolf, wir haben eine Idee. Was halten Sie davon, wenn sie uns die Grundsteuer schenken“, plaudert van Woudenberg weiter aus dem Nähkästchen. Zwar wurde aus der Schenkung nichts, doch „im März 2015, bei eisiger Kälte“, haben er und Bissingens Bürgermeister Marcel Musolf einen Erbpachtvertrag unterzeichnet. Soll heißen, die Gemeinde überlässt die nächsten 80 Jahre das Grundstück mit Schafstall kostenlos der Jugendhilfeeinrichtung Ziegelhütte; für die nicht unerheblichen Baukosten fanden sich viele großzügige Sponsoren. Mehr als dreißig Jungen und Mädchen, die teils aus schwierigen familiären Verhältnissen kommen oder in der Schule abgestürzt sind, werden in dem „Projekt zur Berufsorientierung im denkmalgeschützten Schafstall Randeck“ an ein selbstständiges Leben herangeführt. Das rundum renovierungsbedürftige Gebäude lädt dazu ein, in der Praxis die unterschiedlichsten Bauberufe kennenzulernen.

„Nun ist das Dach zu, es bleibt trocken, ein erster Meilenstein zu unserem fünfjährigen Projekt“, freut sich Hendrik van Woudenberg obendrein auf die anschließende Besichtigung mit den über 60 geladenen Gästen. „Heute warten die Handwerker in praller Sonne, damals waren es gefühlte 40 Grad Temperaturunterschied. Ein wirklich extremes Projekt“, erinnert sich Bürgermeister Marcel Musolf an die bereits erwähnte Vertragsunterzeichnung. Viele Euros müssen noch aktiviert werden, damit die Verbundenheit der Handwerker mit den Jugendlichen auch Früchte trägt, so der Schultes weiter.

Dann war es so weit: Der verantwortliche Zimmermeister stand mit vier weiteren Kollegen auf dem Dach und las gut hörbar seinen Richtspruch vor: „Doch wir haben wohl bedacht, das Ält‘re nicht kaputt gemacht! Wir haben weise eingeseh‘n, es gilt: verschiedenes zu versteh‘n, dass man im Leben dann und wann, auch Altes doch noch brauchen kann“. Zimmerer Peter Hepperle aus Weilheim lobt die jungen Kollegen: „Die Jungs der Ziegelhütte haben sichtbar zum Gelingen von diesem Projekt beigetragen, ein herzliches Dankeschön an euch, ihr wart super.“

Bevor die Brezeln im hohen Bogen zu den Besuchern flogen, genehmigte sich Peter Hepperle noch ein Schlückchen Rotwein und vervollständigte dann den Richtspruch mit den Worten: „In dieser Hoffnung nun zum Schluss, leer‘ ich das Glas hier voll Genuss - und werf‘s zu Scherben in den Grund, geweiht sei dieser Bau zur Stund‘!“

Bei der Besichtigung der oberen Räume half Hausmeister Oscar Kuzmanich als „lebendes Treppengeländer“ allen, die es wollten, gefahrlos über die Baustelle. Und auch eine erste Saal-Reservierung gab es schon. Hannelore und Manfred Mezger feiern im Oktober 2022 ihre „Goldene Hochzeit“. „Das wäre schön, wenn wir dann im Schafstall feiern könnten“, so das Ehepaar, das zu den Stiftern gehört. Ihre Stiftung haben sie nach ihrer verstorbenen Tochter Eileen benannt, das Mädchen besuchte einst die Einrichtung der Ziegelhütte.

Anzeige