Lenninger Tal

Feuerwehr rettet Hunderte Tiere

Notwasserversorgung Nach einem Rohrbruch im Römersteiner Ortsteil Strohweiler haben die Einsatzkräfte mithilfe eines kilometerlangen Wasserschlauchs zahlreiche Tiere vor dem Verdursten bewahrt. Von Alexander Thomys

Stundenlang hatten die zahlreichen Tiere im Ort nichts zu trinken, ehe die Einsatzkräfte über Nacht mit mehreren Pumpen eine dre
Stundenlang hatten die zahlreichen Tiere im Ort nichts zu trinken, ehe die Einsatzkräfte über Nacht mit mehreren Pumpen eine drei Kilometer lange Wasserleitung nach Strohweiler errichteten. Foto: SDMG/Krytzner

Ein Rohrbruch in einer Versorgungsleitung vom Hochbehälter in Hengen nach Grabenstetten ist rund um den Jahreswechsel gebrochen - zunächst unbemerkt. Nachdem der Schaden entdeckt worden war, lief am Mittwochabend ein umfangreicher Feuerwehreinsatz an - die Trinkwasserversorgung im Römersteiner Teilort Strohweiler und in der Gemeinde Grabenstetten war komplett ausgefallen. Noch heute ist die Freiwillige Feuerwehr Römerstein im Dauereinsatz.

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Die Feuerwehrleute waren es auch, die schon am Neujahrstag bei einem Kellerbrand in Strohweiler bemerkt hatten, dass etwas nicht stimmt. „Nach dem Brand merkten wir, dass der Eingangsdruck aus dem Hydrant sehr niedrig war“, erinnert sich Römersteins Feuerwehrkommandant Albert Haas und alarmierte Wassermeister Joachim Lais. Der entdeckte Beunruhigendes: Der Hochbehälter des Zweckverbandes Wasserversorgung in Hengen war komplett leergelaufen.

Fieberhaft wurde versucht, die Wasserversorgung durch Umstellungen im Trinkwassernetz wiederherzustellen. In Erkenbrechtsweiler gelang dies problemlos über eine Notleitung. Deutlich schwieriger sah die Lage in Grabenstetten und Strohweiler aus. „Je später der Abend, desto weniger Wasser kam bei uns an“, berichtet Landwirt Matthias Holder. Der 52-Jährige hält in seinem Hof in Strohweiler rund 150 Rinder. Da deren Tränken einen gewissen Eingangsdruck benötigten, lagen die Tiere als Erstes auf dem Trockenen.

Am Mittwochmittag kam dann zeitweise - bedingt durch die Maßnahmen im Leitungsnetz - wieder etwas Wasser im Ort an, auch in Grabenstetten sah es besser aus. Doch dann brach die Versorgung zusammen. „Von 14 bis 22 Uhr kam kein Tropfen mehr an“, sagt Holder. Vor allem die Tiere auf den Höfen - in Strohweiler gibt es rund 600 Rinder und ebenso viele Schweine - gerieten zunehmend in Stress. „Die Rinder haben nach Wasser gebrüllt“, berichtet der 52-jährige Landwirt. Schweine begannen aggressiv zu werden und ihre Artgenossen von den Tränken wegzubeißen. Die Tiere drohten zu verdursten. „Als klar war, dass die Maßnahmen nichts bringen, mussten wir reagieren“, berichtet Römersteins Bürgermeister Matthias Winter am gestrigen Nachmittag auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz. „Ich habe dann entschieden, durch die Feuerwehr eine Notwasserversorgung aufzubauen.“

Feuerwehrkommandant Albert Haas stand nun vor einer Herausforderung, wie er sie in 20 Jahren als Kommandant nicht erlebt hatte. Haas lies alle drei Abteilungen der Römersteiner Wehr alarmieren, die mit rund 70 Einsatzkräften Gewehr bei Fuß stand. Hinzu kam ein Tanklöschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Lenningen aus Schopfloch, das notfalls einen Pendelverkehr unterstützt hätte. Von der Freiwilligen Feuerwehr Münsingen wurde der Schlauchwagen 2 000 angefordert - ein Spezialfahrzeug des Katastrophenschutzes, welches rund 2 000 Meter Schlauchleitungen verlegen kann. Gemeinsam gingen die Feuerwehren ans Werk, von Böhringen aus eine drei Kilometer lange Leitung bis nach Strohweiler zu verlegen. Mehrere Pumpen mussten angeordnet werden, um das Wasser in Bewegung zu halten. Im Dunkeln, bei Schneefall und Minusgraden war die Arbeit alles andere als leicht. „In einigen Schläuchen ist das Wasser schlagartig gefroren“, berichtet Haas. Zeitweise war es minus neun Grad kalt. Der Austausch war ein Wettlauf gegen die Zeit, schließlich drohte das Wasser in der ganzen Leitung zu gefrieren. Am Ende schafften es die Feuerwehrleute: Am Ortseingang von Strohweiler konnte das Wasser über einen Hydranten in das Ortsnetz eingespeist werden.

Solidarität im Ort

Der Einsatz war dennoch nicht beendet: Sowohl an den drei benzinbetriebenen Tragkraftspritzen, den Pumpen als auch zur Überwachung der Schlauchleitung musste ständig Personal gestellt werden, das in der Kälte alle drei Stunden im Schichtbetrieb ausgewechselt wurde. Im Gerätehaus in Böhringen wurde ein Krisenstab eingerichtet. Der Ortsverein Römerstein des DRK versorgte die Feuerwehrleute. Auch die Bevölkerung und örtliche Betriebe halfen bei der Versorgung. „Dieser Einsatz wurde getragen von der Solidarität im Ort“, lobte Bürgermeister Winter.

Zugleich lief die Suche nach dem Leck mit Hochdruck. Doch sie gestaltete sich nicht einfach: Der Abschnitt, auf den die Schadstelle bisher eingegrenzt werden konnte, ist immerhin 800 Meter lang. „Das Loch in der Leitung ist zu groß, um es akustisch zu orten“, erklärte Franz Killermann, der mit seiner Spezialfirma aus Eislingen angerückt war, um das Leck zu finden. Am Donnerstagnachmittag wurde zudem eine Notleitung von Grabenstetten aus nach Strohweiler gelegt. Sobald diese Leitung steht und das Leitungsnetz chloriert wurde, kann auch für Strohweiler Entwarnung gegeben werden.