Lenninger Tal

Flüchtlinge bekommen ein festes Dach über dem Kopf

Höllochstraße Zahlreiche Lenninger Bürger machen sich ein Bild vom umgebauten Büro- gebäude in Oberlenningen. Das Haus wird nächste Woche bezogen. Von Anke Kirsammer

Die Möblierung der Zimmer ist auf das Notwendige reduziert.
Die Möblierung der Zimmer ist auf das Notwendige reduziert.

Noch fehlen in den Büro- und Sozialräumen die Möbel. Doch Betten, Spinde, Kühlschränke, Herde und Arbeitsplatten stehen in den Zimmern beziehungsweise Küchen großteils schon bereit. Die Gemeinschaftsunterkunft in der Oberlenninger Höllochstraße wird vom 26. Januar an bezogen. Auf gepackten Koffern sitzen Asylbewerber, die nun den zweiten Winter in einem Notzelt in Dettingen ausharren. Rund 60 von ihnen siedeln in der kommenden Woche talaufwärts in das umgebaute Bürogebäude um. Neben Menschen aus Afghanistan und Gambia beziehen auch einzelne Flüchtlinge aus Pakistan, Indien, Sri Lanka und Albanien die Unterkunft.

Zahlreiche Lenninger Bürger, vor allem aus den angrenzenden Wohngebieten, waren der Einladung des Landkreises gefolgt und schauten sich mit Interesse in dem äußerst spartanisch möblierten Asylbewerberheim um. Umgebaut wurde das mehrstöckige Haus durch die Basis Bau GmbH. Der Investor bleibt Eigentümer des Gebäudes. Der Landkreis mietet die Räume an.

Ursprünglich war die Unterkunft für 150 Personen angelegt. Für jeden Einzelnen hätte das eine Schlaf- und Wohnfläche von 4,5 Quadratmetern bedeutet. Weil die Flüchtlingszahlen stark zurückgehen, möchte der Landkreis nun die Siebenquadratmeter-Regel anwenden, die per Gesetz erst von Januar 2018 an gilt. Damit könnten in der Höllochstraße maximal 96 Personen einquartiert werden. Wie die maximale Belegung des Hauses tatsächlich aussieht, hängt aber davon ab, wie sich die Flüchtlingszahlen in den nächsten Monaten entwickeln.

Die Innenaufteilung des Hauses ermöglicht, Menschen verschiedener Ethnien getrennt unterzubringen. Ihre Zimmergenossen dürfen sich die Bewohner selbst aussuchen. „Wir haben hier ordentlich große Räume, in denen man für eine gewisse Zeit bleiben kann“, so Keck. Er macht jedoch auch deutlich, dass nur rund 50 Prozent eine gute Bleibeperspektive haben.

Zum Ende des Jahres hatte der Landkreis die drei mit 700 Flüchtlingen belegten Sporthallen in Esslingen, Kirchheim und Nürtingen freigemacht. Doch noch immer leben rund 2 000 Asylbewerber in Notunterkünften wie Zelthallen und Containern. „Wir müssen weg von der Quantität hin zur Qualität“, sagt Peter Keck, Pressesprecher des Landratsamtes und Koordinator der dezernatsübergreifenden Zusammenarbeit. Eine Herausforderung für den Landkreis sei nun, den Flüchtlingen in festen Gebäuden eine ordentliche Unterkunft zu geben. Qualität heißt für den Landkreis aber auch, einen verbesserten Betreuungsschlüssel hinzubekommen.

Die in Oberlenningen untergebrachten Flüchtlinge werden im Auftrag des Landkreises von Mitarbeitern der Arbeiterwohlfahrt (AWO) betreut. Zudem gibt es von kommunaler Seite eine soziale Beratung durch die Bruderhausdiakonie. Der ehrenamtliche, 20-köpfige, Helferkreis Asyl will die Flüchtlinge ebenfalls unterstützen. Zum Auftakt soll es einen Empfang in lockerer Atmosphäre in Form eines Cafés geben. Gesucht werden insbesondere noch Menschen, die bereit sind, Sprachpatenschaften zu übernehmen. Wer mitarbeiten möchte, kann sich bei der Ehrenamtskoordinatorin Madeline Lesourd unter der Nummer 01 76/43 63 13 78 melden.

Presse-Einladung 13.01.2017 - Gemeinschaftsunterkunft Lenningen f. Flüchtlinge, Treffpunkt um 16 Uhr in der Höllochstraße 6 in L
Presse-Einladung 13.01.2017 - Gemeinschaftsunterkunft Lenningen f. Flüchtlinge, Treffpunkt um 16 Uhr in der Höllochstraße 6 in Lenningenrechts nach linksPeter KeckLisa LutherVera Morlok Gommel

Entwicklung der Zahlen im Landkreis Esslingen

Ende des Jahres 2016 lebten im Landkreis 4 800 Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünften. Die Verwaltung geht davon aus, dass sich ihre Zahl zum Ende dieses Jahres auf 4 400 verringert. Die Sporthallen nicht mitgerechnet, verfügt der Landkreis derzeit über 6 000 Plätze.

Der Rückgang des Zustroms wird auch an den monatlichen Zuzügen offenkundig: Bekam der Landkreis im Januar 2016 noch 821 Flüchtlinge zur Unterbringung zugewiesen, waren es im Dezember nur 81.ank

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